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07.11.2013

16:34 Uhr

EZB senkt den Leitzins

Draghi kämpft gegen den Preisverfall

VonJan Mallien

Mit der heutigen Zinssenkung hat die EZB überraschend schnell auf die schwache Preisentwicklung in der Euro-Zone reagiert. EZB-Chef Draghi stellt sich auf eine „lange Phase“ niedriger Inflation ein.

Zinssenkung der EZB

Leitzins auf Rekordtief

Zinssenkung der EZB: Leitzins auf Rekordtief

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Es ist ein ungewöhnliches Thema für Mario Draghi. Auf seiner heutigen Pressekonferenz wurde er immer wieder auf die Gefahr von Deflation, also sinkenden Preisen, angesprochen. Ein japanischer Journalist wollte wissen, ob die Situation in Europa ähnlich sei wie in Japan, wo in den 1990er-Jahren die Preise auf breiter Front sanken.

Mit ihrem heutigen Schritt, den Leitzins im Euro-Raum auf das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken, hat die EZB viele überrascht. Die sehr niedrige Inflation – im Oktober sind die Preise in der Euro-Zone nur um 0,7 Prozent gestiegen – ließ zwar vermuten, dass die EZB irgendwann handeln könnte. Doch mit einer so schnellen Reaktion hatten nur wenige gerechnet.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Der Schritt zeigt die Entschlossenheit der Notenbank: Sie nimmt die Gefahr sinkender Preise sehr ernst. Laut ihres Mandats ist das vorrangige Ziel der EZB die Gewährleistung von Preisstabilität. Darunter versteht sie einen Preisanstieg von „unter, aber nahe zwei Prozent.“ Sprich: Die Preise sollen nicht zu stark steigen – sie sollen aber auch nicht zu langsam steigen oder gar sinken. Im Moment fürchtet die EZB eher sinkende als steigende Preise. In Griechenland beispielsweise sind sinkende Preise bereits seit März Realität. Auch Irland, Portugal, Spanien und Zypern sind bedrohlich nahe an der Schwelle zu sinkenden Preisen, also Deflation. Deshalb sah sich die EZB zum Handeln gezwungen.

„Wir erwarten eine längere Phase niedriger Inflation,“ sagte Draghi auf der heutigen Pressekonferenz. Die Preisentwicklung vieler Güter, etwa aus dem Energiesektor, und von Dienstleistungen habe sich abgeschwächt. Gleichzeitig sagte er aber: „Wir sehen insgesamt keine Deflation auf uns zukommen.“

Laut Draghi waren sich alle Ratsmitglieder darüber einig, dass die EZB handeln müsse. Lediglich über den richtigen Zeitpunkt habe es unterschiedliche Positionen gegeben. Manche Ratsmitglieder hätten es bevorzugt, erst noch die eigenen Inflations- und Konjunkturprognosen abzuwarten. Die schnelle Entscheidung zeigt aber, wie ernst die EZB die Gefahr sinkender Preise nimmt.

Kommentare (25)

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Gast

07.11.2013, 16:48 Uhr

Wenn man ein bisschen in Europa unterwegs ist, dann erkennt man eindeutig die deflationären Tendenzen. In Deutschland steigen die Preise zwar, aber das sind urch die Energiewende hausgemachte Probleme die die EZB nicht zu interessieren haben. Der Steigende Strompreis durch das EEG und die dadurch steigenden Preise aller Produkte die Strom benötigen. Egal ob LEbensmittel zur Kühlung oder Baustoffe in der Fertigung oder sonstwas. Deutschland mit seiner Energiewende ist wie der Nachbar der sich über seine steigende Gasrechnung beklagt, aber verschweigt, dass er im winter den Thermostat auf 30 Grad gedreht hat und tag und nach das Fenster auf hatte. So ist das mit der Energiewende bei uns. Durch den künstlich verteuerten Strom wird alles andere auch teurer. Hat aber nichts mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu tun.
Im Restlichen Europa sieht man eher fallende Preise. Egal ob Autos oder Lebensmittel. Wenn das so weiter geht wird es in Deutschland trotz Zinssenkung noch teurer. Die Bayrische LAndesverwaltung rechnet schon mit Strompreise von 42ct für 2025. Die Amis rechnen mit 3 ct für 2020 und die Engländer mit 11 ct für 2025.
Mal sehen ob das griechische Modell ohne Industrie in Deutschland genausogut funktioniert.

Republikaner

07.11.2013, 16:48 Uhr

Sparbücher, Lebens- und Rentenversicherungen sofort kündigen, incl. Bausparverträge! Das ist die Botschaft der Geld- und Wertevernichter!

Durchblicker

07.11.2013, 16:55 Uhr

Doch mit einer so schnellen Reaktion hatten nur wenige gerechnet.
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Daran sieht man wieder, wie wenig Sachverstand in der Szene anzutreffen ist (das gilt auch für das Handelsblatt)!

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