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09.03.2017

11:19 Uhr

EZB-Sitzung

Draghis Drahtseilakt

VonJan Mallien

Die gestiegene Inflation im Euro-Raum setzt die EZB unter Druck. Doch Präsident Mario Draghi erstickt Debatten um einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik im Keim. Doch die Proteste aus Deutschland werden lauter.

Die hohe Inflation erhöht den Druck auf die Notenbank. Reuters, Sascha Rheker

EZB-Präsident Mario Draghi

Die hohe Inflation erhöht den Druck auf die Notenbank.

FrankfurtWenn Mario Draghi am heutigen Donnerstag vor die Presse tritt, kann er sich auf eine Frage gefasst machen. Sie lautet: Wann beginnt die Notenbank mit dem Herunterfahren ihrer Anleihekäufe – dem so genannten Tapering? Bislang hat Draghi jede Andeutung dazu vermieden. „Wir haben beim letzten Mal nicht über Tapering gesprochen. Und wir haben übrigens auch dieses Mal nicht über Tapering gesprochen“, betonte er auf seiner Pressekonferenz im Januar.

Auch an diesem Donnerstag wird Draghi wohl nicht den Anfang vom Ende der Anleihekäufe einläuten. Doch an den Märkten wird schon längst darüber spekuliert, und der EZB-Chef gerät zunehmend in die Defensive.

Zentralbanken und Negativzinsen

Japan

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,1 Prozent

Schweiz

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,75 Prozent (15.01.2016)

Einlagenzinssatz für Banken: gestaffelt -0,75 Prozent

Dänemark

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,05 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,65 Prozent

Schweden

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,5 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,5 Prozent

Euro-Zone

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,4 Prozent

Der wichtigste Grund ist die deutlich gestiegene Inflation in der Euro-Zone. Im Februar lag sie bei zwei Prozent. Das erhöht den Druck auf EZB-Präsident Mario Draghi. Die Notenbank wird am Donnerstag auch neue Prognosen zur Inflationsentwicklung im Euroraum bis 2019 vorlegen.

Diese dürften höher ausfallen als noch im Dezember vergangenen Jahres. Vor allem aus Deutschland werden daher Rufe lauter, die Notenbank solle allmählich den Ausstieg aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik einleiten. „Eine zügige Kehrtwende in der Geldpolitik ist dringender denn je,“ sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise.

Ähnlich äußert sich der Deutschland-Chef des Anleiheinvestors Pimco, Andrew Bosomworth. „Die Wirksamkeit der Geldpolitik lässt nach, und die Risiken einer Fehlallokation von Kapital steigen, je länger die Geldpolitik in ihrer jetzigen Form bestehen bleibt“, urteilt er. Dennoch dürfte sich Draghi noch nicht erweichen lassen. Entscheidend für die Frage, wann die Anleihekäufe heruntergefahren werden, ist für den EZB-Chef, wie nachhaltig der Preisanstieg wirklich ist. Bislang führen er – und auch viele Ökonomen – die höhere Teuerungsrate vor allem auf einen statistischen Effekt beim Ölpreis zurück.

Und auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble rät der EZB zu einem rechtzeitigen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.

Kommentare (37)

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Account gelöscht!

09.03.2017, 09:52 Uhr

Der beste Freund der Tagesgeldsparer.

Account gelöscht!

09.03.2017, 10:06 Uhr

Der EURO Draghi hat schon sein ganzes Pulver verschossen. Staatsanleihen, Unternehmensanleihen werden schon im großen Stil aufgekauft. Der Schattenhaushalt = Target 2 Salden der Deutschen Bevölkerung explodiert förmlich. Die Marktwritschaft wird durch die Große Transformation der Gesellschaft (Klimaschutz, Energiewende, CO2 Verbot) komplett abgeschafft und somit auch die wirtschaftliche MEHRWERT SCHAFFUNG für die EU-Volkswirtschaft. Subventionen bestimmen das Bild in der Welt von CO2 Verbot, Energiewende, Klimaschutz. Und das führt nur zu mehr Mangel und Armut. Da Subventionen nur einen Minderwert aber keinen MEHRWERT beinhalten.
EU-EURO....schaffen sich durch diese Politik immer mehr und auch schneller ab.
Da kann der Drucker Draghi noch so heiß laufen....wenn die Deutsche Politik weiter auf Subventionen in der Wirtschaft baut und die freie Marktwirtschaft damit abgschafft.

Herr Tom Schmidt

09.03.2017, 10:22 Uhr

Ich finde es schon sehr seltsam: es wurde einmal ein Inflationsziel der EZB definiert, das lautete: Inflation below, but close to 2%!

Die Begründung dafür war, dass man eine angebliche gefährliche Deflation (bitte mal die Beispiele für den sich selbstverstärkenden Effekt des wirtschaftlichen Stillstandes aufzeigen) vermieden werden muss. Gleichzeitig sagte Draghi, dass er diese Gefahr in den letzten Jahren gar nicht gesehen hat! Trotzdem öffnet er die Geldschleusen.

Jetzt wird so getan, als wäre die Inflation ein statistischer Basiseffekt! Nur war es so, dass vor über einem Jahr, als die Energiepreise sich pulversierten, trotzdem nur eine Inflation von ca. 0 rauskam. Also: ein absolut die Wirtschaft stimulierender Umstand, wurde mit Mitteln der Notenbank zum Anheizen der Inflation bekämpft.

Nach einem Jahr stellt man dann natürlich fest, dass die Energiepreise nicht auf 0 sinken können, das Ergebnis ist, dass die Inflation sofort auf 2 % anspringt. Jetzt kommt er aber und sagt, dass wäre ein statistischer Sondereffekt (vor 1 Jahr war das aber der Einbruch der Energiepreise nicht!).

Gemittelt über 2 Jahre haben wir jetzt also gut 1 % Inflation, dass das weit vom Inflationsziel der EZB entfernt ist, kann man auch nicht sagen (es war schliesslich: below 2%). Deflation ist nicht in Sicht!

So, jetzt kann man natürlich alle beliebigen Risiken anführen, die mit diesen Mitteln der EZB zu bekämpfen wären. Ach ja? Wer sagt das denn? Dafür gibt es kein Mandat! Und ob das die richtigen Mittel sind, ist vollkommen offen!

Kurz gesagt: das Agieren der EZB ist reiner Betrug! Und leider finde ich es schade, dass ich hier das auf die Schnelle so skizzieren muss, und nicht die Wirtschaftspresse das dem Herrn um die Ohren haut! Die Wirtschaftspresse sollte Herrn Draghi von vorne herein klar machen, dass man sich nicht mit irgendeiner Schauergeschichte abspeisen lässt und das Ganze auch noch in die Gegend kolportiert! Im Gegenteil, vielleicht ist Herr Draghi das polit. Risiko?

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