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02.10.2014

16:39 Uhr

EZB-Sitzung in Neapel

Draghi kauft jetzt auch „Ramschpapiere“

Zinsen gesenkt, Geld verteilt, Euro abgewertet – die EZB hat viel versucht, doch die Krise ist immer noch da. Jetzt geht die Zentralbank noch einen Schritt weiter. Kritiker warnen, die EZB werde zur „Bad Bank“.

Mario Draghi geht voran: Der Rat der EZB tagt heute ausnahmsweise nicht in Frankfurt, sondern in Neapel. ap

Mario Draghi geht voran: Der Rat der EZB tagt heute ausnahmsweise nicht in Frankfurt, sondern in Neapel.

DüsseldorfWenn es um den Euro geht, dann lässt es Mario Draghi nicht an Entschlossenheit vermissen. Der EZB-Chef bewahrte die europäische Währung mit seiner berühmten „Whatever it takes“-Rede vor dem Zusammenbruch. Er senkte die Zinsen fast bis auf Null, stellte den Banken billige Kredite zur Verfügung. Beim heutigen Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Neapel legte Draghi nochmals nach: Die EZB will für ihr neues Wertpapier-Ankaufprogramm bis zu eine Billion Euro in die Hand nehmen.

Das Geld soll erstmals in umstrittene Kreditverbriefungen – sogenannte Asset Backed Securities (ABS) – und Pfandbriefe (Covered Bonds) fließen. ABS haben nicht den besten Ruf. Es handelt sich um komplexe Finanzinstrumente, die als Mitauslöser der Finanzkrise gelten. Unter den Papieren, die Notenbank aufkaufen will, sollen auch Vermögenswerte aus Griechenland und Zypern sein, deren Rating unterhalb von „BBB-“ liegt. Solche Papiere werden von Investoren als „Ramsch“ bezeichnet.

Ökonomen zur EZB-Entscheidung

Hans-Werner Sinn, Ifo-Präsident

"Die EZB wird damit vollends zu einer Bail-out-Behörde und einer Bad Bank Europas. Die EZB will offenbar auch Schrott kaufen und erhöht auf diese Weise die Belastung für die Steuerzahler, wenn es Ausfälle gibt, denn sie müssen für die reduzierten Gewinnausschüttungen der EZB aufkommen. Diese Käufe sind nicht gedeckt durch das Mandat der EZB, denn es handelt sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme, zur Unterstützung der Finanzsysteme nahezu bankrotter Länder."

Holger Sandte, Nordea

"Heute hat die EZB nicht überrascht. Sie zielt nicht darauf ab, ihre Bilanz sehr schnell auszuweiten, was ohne Staatsanleihekäufe nicht funktionieren würde. Die Wahrscheinlichkeit für Staatsanleihekäufe hat sich heute nicht erhöht, aber sie bleiben eine Möglichkeit, wenn Konjunktur und Teuerungsrate weiter absacken und die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht zünden. Die EZB setzt auch auf einen schwächeren Euro."

Ralf Umlauf, Helaba

"Die EZB versucht mit den zusätzlichen Maßnahmen, vor allem die Kreditvergabe zu stimulieren, denn das Zinsinstrument ist ausgereizt und zeigt bislang nur mäßige Wirkung. Gelänge es der EZB, die Kreditvergabe zu stützen, würde einer Phase zu geringer Inflation ebenso entgegengewirkt wie der Konjunkturschwäche. Insbesondere messen wir in diesem Zusammenhang dem Banken-Stresstest der EZB eine hohe Bedeutung zu, denn dieser könnte im Vorfeld für Zurückhaltung bei der Vergabe von Krediten geführt haben."

Jan Holthusen, DZ Bank

"Vom Ankaufprogramm für Covered Bonds, das noch Mitte des Monats starten soll, erwarten wir nicht allzuviel - nach unseren Beobachtungen dürfte es schwierig sein, Verkäufer für größere Volumina zu finden. Mit dem Passus im Kommunique, dass im EZB-Rat weiterhin Einigkeit darüber bestehe, zusätzliche unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen, wenn diese notwendig werden sollten, wird die Fantasie auf ein größer angelegtes Kaufprogramm von Staatsanleihen aufrechterhalten. Mehr war heute nicht zu erwarten."

Thomas Gitzel, VP Bank

"Die Währungshüter müssen wohl im kommenden Jahr mit weiteren Massnahmen nachlegen. In Anbetracht der sich abkühlenden Konjunktur in Deutschland könnte Draghi schon bald mit einer schärferen Rhetorik reagieren. Da bei der heutigen Notenbanksitzung Überraschungen ausblieben, ist vorerst mit keiner weiteren signifikanten Euro-Schwäche zu rechnen."

Ziel der Maßnahme: Durch den Verkauf an die EZB könnten die privaten Banken ihre Bilanzen bereinigen, hätten dadurch wieder mehr Spielraum, Kredite an die Wirtschaft zu vergeben. Genau das missfällt manchem Kritiker: Sie warnen vor einer Verlagerung von Risiken auf die Steuerzahler. „Mit dem Ankauf von ABS – welcher Qualität auch immer – nimmt die EZB enorme Risiken in ihre Bilanz und macht sich zu einer europäischen Bad Bank“, erklärte der ehemalige EZB-Direktor Jürgen Stark im Handelsblatt.

„Auch wenn die EZB nicht müde wird, das Gegenteil zu behaupten: Sie betreibt eine fiskalische Rettungspolitik, zu der sie durch die EU-Verträge explizit hätte befugt werden müssen“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Es sei offenkundig, dass die EZB damit ihr Mandat überschreite. „Die Bundesregierung ist verpflichtet, aktiv dagegen vorzugehen“, forderte Sinn.

Kommentare (40)

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real. ist

02.10.2014, 12:25 Uhr

Jeden Tag in den Nachrichten eine neue Hiobsbotschaft.

Der EURO ist unsere Religion.

Und im Namen von Religionen geschahen die schlimmsten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit - bis zum heutigen Tag.

Wir müssen wirklich alle beten. lol

Herr Helmut Paulsen

02.10.2014, 12:25 Uhr

Die Triebkraft des europ. Kontinentes über Jahrhunderte ist und war die VERSCHIEDENHEIT der Länder und ihre FREIHEIT.

Genau dieser ANtrieb ist durch "EU in Brüssel" zerstört, wo Lüge, Gleichmeierei, Zentralmacht regieren. SO lange das so bleibt ... so lange bleibt Europa gelähmt und es geht weiter bergab. Wie bei einem Löwen im Zoo, der nur noch sinnlos vor den Gitterstäben hin- und herläuft.

Draghi ist al sVasall von Goldman Sachs NUR damit bescäftigt, freies Geld zu generieren, mal gedruckt, mal durch Aufkäufe von Schrott-Papieren. Er macht alles zu Geld das dann nach Dow Jones und Nasdaq fliesst. DAS IST SEIN AUFTRAG.

Der Depp ist Deutschland als ferngesteuertes, politisch verlogenes Land, machtlos gegenüber EZB und "EU in Brüssel" überall freiwillig der Voll-Idiot mit Frau Merkel als Rauten-Königin im Auftrag der Welt-Finanz-Ober-Elite der Salomonischen Freimaurer-Logen als Welt-Geld-Diktatur.

EKELHAFT. Presse ohne Wahrheit in Deutschland. AfD ist unsere letzte Hoffnung.

Frau Helga Trauen

02.10.2014, 12:27 Uhr

Die Deutschen, die Holländer, die Österreicher... die werden sich noch wundern, was es heißt, der € wird, "koste es, was es wolle", "gerettet". Deren gesamter Wohlstand wird vernichtet.
Der Euro ist ein sozialistisches Projekt, das nach der Krönungstheorie unweigerlich in der EUSSR enden wird. Bin gespannt, was in Frankreich passiert, wenn immer mehr den FN wählen. Wird die Demokratie ausgesetzt? Davon geh ich aus. Denn das "politische Projekt" steht über allem. Auf in den Totalitarismus. Die EUliten agieren wie ein Politbüro...

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