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10.05.2017

13:32 Uhr

EZB-Studie

Arbeitsmarkt in Euro-Zone schwächer als gedacht

VonJan Mallien

Seit der Krise ist die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum deutlich gesunken, dennoch steigen die Löhne kaum. Das könnte daran liegen, dass die Arbeitslosenzahlen einige Probleme verbergen, legt eine Studie der EZB nahe.

Protest gegen die Schließung einer Fabrik. dpa

Griechische Arbeiter

Protest gegen die Schließung einer Fabrik.

FrankfurtDie reinen Zahlen für die Euro-Zone sehen positiv aus. Seit Mitte 2013 wurden etwa fünf Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen – und damit die Jobverluste während der Finanzkrise kompensiert. Nach dem Ökonomie-Lehrbuch sollte das eigentlich dazu führen, dass die Löhne im Euroraum stärker steigen. Davon allerdings ist derzeit wenig zu sehen.

Die Europäische Zentralbank liefert in einer neuen Studie eine mögliche Erklärung: Die offiziellen Arbeitslosenzahlen in der Eurozone könnten wichtige Probleme ausblenden. Trotz des signifikanten Anstiegs der Beschäftigung bleibe das Lohnwachstum mäßig. „Dies deutet darauf hin, dass es nach wie vor eine starke Unterauslastung des Faktors Arbeit gibt“, schreiben die Experten der Notenbank in ihrer Studie. Der Bericht dürfte denjenigen EZB-Ratmitgliedern neue Argumente liefern, die an der ultra-lockeren Geldpolitik noch länger festhalten wollen. Notenbank-Präsident Mario Draghi hat zuletzt immer wieder betont, dass ein etwas höheres Lohnwachstum eine wichtige Voraussetzung ist, damit sich die Preise im Währungsraum stabil entwickeln.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Die Arbeitslosenzahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat beziehen sich lediglich auf Personen ohne Job, die aktiv nach Arbeit suchen und innerhalb von zwei Wochen eine neue Stelle antreten können. Außen vor bleiben zum Beispiel Teilzeitbeschäftigte, die gerne mehr Stunden arbeiten würden, und Personen, die gerne arbeiten würden, aber wegen des geringen Stellenangebots nicht aktiv danach suchen. Einschließlich solcher Personengruppen kommen die Notenbank-Experten auf eine geschätzte Unterauslastung auf dem Arbeitsmarkt von rund 15 Prozent Ende 2016. Die offizielle Arbeitslosenquote für die Euro-Zone lag dagegen zuletzt nur bei 9,5 Prozent.

Deutschland liefert auch nach der Zentralbank-Methode ein positives Bild. So ging seit 2013 die von der EZB berechnete Unterauslastung merklich zurück. „Anderswo zeigen diese breiteren Messungen hingegen, dass das Ausmaß der Schwäche am Arbeitsmarkt noch erheblich ist“, schreiben die Notenbank-Fachleute. So habe sich die Lage in Italien und in Frankreich weiter verschlechtert.

Ein Rätsel lässt die Studie allerdings offen. Trotz des positiven Bildes auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland steigen auch hier die Löhne nicht so, wie man es angesichts der wirtschaftlichen Situation erwarten würde.

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