Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2016

12:19 Uhr

EZB-Umfrage

Mini-Inflation bleibt uns noch lange erhalten

Die Preise in der Euro-Zone steigen aus Sicht von Experten auch in den kommenden Jahren kaum. Das geht aus einer EZB-Umfrage hervor. Die Daten sind ein weiteres Signal, dass die Notenbank bald ihre Geldpolitik lockert.

Der Euro bleibt hart, die Inflationsrate niedrig, sagt die EZB. dpa

Geldbeutel mit Euro-Münzen

Der Euro bleibt hart, die Inflationsrate niedrig, sagt die EZB.

Angesichts des drastischen Preisverfalls beim Öl wird die EZB nach Ansicht von Experten auf Jahre hinaus ihr Inflationsziel verfehlen. Selbst zu Beginn des nächsten Jahrzehnts wird die Teuerungsrate in der Euro-Zone nur bei 1,8 Prozent liegen, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage unter professionellen Beobachtern der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht.

Die EZB strebt einen Wert „unter, aber nahe zwei Prozent“ an. Für dieses Jahr senkten die Beobachter ihre Prognose auf 0,7 von zuvor 1,0 Prozent. 2017 soll die Jahresteuerung dann mit 1,4 Prozent doppelt so hoch ausfallen.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Die Prognosen der Experten liegen auch deutlich unter den Schätzungen der EZB im Dezember: Für 2016 sind sie 0,3 Prozentpunkte niedriger als die der EZB und für 2017 um 0,1 Prozentpunkte. EZB-Chef Mario Draghi hatte am Donnerstag eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Im März legt die Notenbank ihre überarbeitete Inflationsprognose vor und blickt dabei erstmals auch bis 2018. Angesichts des drastischen Ölpreis-Verfalls dürften sie deutlich geringer ausfallen.

In ihrer Inflationsprognose im Dezember ist die EZB noch von einem Ölpreis von 52,20 Dollar pro Fass (159 Liter) für die Nordseesorte Brent ausgegangen. Jüngst sackte der Preis aber unter 28 Dollar. Die Experten gehen von einem durchschnittlichen Preis von 39 Dollar im ersten Quartal 2016 und von 49 Dollar im vierten Quartal aus.

Damit rückt das mittelfristige Ziel der Notenbank einer Inflation von „unter, aber nahe zwei Prozent“ in noch weitere Ferne. In den vergangenen drei Jahren hat sie sich davon immer weiter entfernt. Schon im Dezember lag die Inflation bei lediglich 0,2 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×