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10.02.2016

11:35 Uhr

EZB und Bankencrash

Banker rufen Zentralbanken zu Hilfe

VonJan Mallien

Die Beben an den Finanzmärkten bringt Notenbanken unter Zugzwang, nicht zuletzt wegen der Schwäche des Bankensektors. Ein Bankenchef ruft die Zentralbanken um Hilfe – und steht damit nicht allein.

Als Krisenmanager wieder gefordert? Die EZB steht unter Druck nach dem Aktienausverkauf zum Jahresbeginn. dpa

Europäische Zentralbank in Frankfurt

Als Krisenmanager wieder gefordert? Die EZB steht unter Druck nach dem Aktienausverkauf zum Jahresbeginn.

FrankfurtDie Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten bringen die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Notenbanken unter Zugzwang. Sie wird im März ihre Geldpolitik auf den Prüfstand stellen. Greg Fuzesi, Ökonom der US-Großbank JP Morgan, erwartet drastische Aktionen.

Die EZB werde den Einlagenzins bis Juni auf minus 0,7 Prozent senken und ihre Anleihekäufe ausweiten, prognostiziert er in einer aktuellen Analyse. Derzeit liegt der Satz bei minus 0,3 Prozent. Als Grund nennt der Analyst den schwächeren Inflationsausblick und die großen globalen Risiken. Die Zentralbanken sollen es richten.

Und in der Finanzwelt wird der Ruf nach solchen drastischen Schritten lauter. Der Vorstandschef der italienischen Großbank fordert ein koordiniertes Vorgehen der großen globalen Zentralbanken. „Eine Zentralbank ist nicht genug, es gibt einen großen Bedarf an einer starken Koordination der großen Zentralbanken der Welt – in den USA, Europa, Japan und vielleicht China“, sagte Federico Ghizzoni am späten Dienstagabend in einem Fernsehinterview.

Er sehe derzeit keine logische Reaktionen im Markt, so Ghizzoni. Am Mittwoch erholten sich Bankaktien zwar deutlich und teilweise zweistellig, doch seit Jahresbeginn hat ein wichtiger europäischer Bankindex deutlich mehr als 20 Prozent verloren. „Für italienische Banken ist die Lage noch schwieriger als in anderen Ländern, aber derzeit stehen alle Banken in Europa und den USA unter Druck“, so Ghizzoni weiter.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Der dramatische Verfall der Bankaktien könnte deutliche Auswirkungen auf die Geldpolitik haben. In der Euro-Zone spielen die Banken eine wesentlich größere Rolle bei Finanzierung der Unternehmen als anderswo. In den USA etwa finanzieren sich diese viel stärker über den Kapitalmarkt. Die Banken haben deshalb eine Schlüsselrolle bei der Übertragung geldpolitischer Impulse auf die Realwirtschaft. In der Krise haben sie diese Impulse wegen ihrer eigenen Probleme nicht weitergegeben, was dazu geführt hat, dass Zinssenkungen der EZB weitgehend verpufften.

Seit dem Höhepunkt der Krise 2012 hat sich dies verbessert. Viele Maßnahmen der Notenbank, wie zum Beispiel die zur „Dicken Bertha“ getauften Langfristkredite der EZB an die Banken, dienten dazu, den Bankensektor zu stützen. Doch das Beben bei den Bank-Aktien könnte das in Gefahr bringen. Denn wenn ihre Aktienkurse sinken, steigen die Kapitalkosten. Das wiederum kann dazu führen, dass sie weniger Kredite vergeben.

Kommentare (38)

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Rainer von Horn

10.02.2016, 12:21 Uhr

Diese Banker sind sich aber wirklich für nichts zu schade. 2008 riefen sie noch nach dem Staat und da der heute selber pleite ist, solls die Zentralbank richten. Sauber!

Was soll die EZB denn machen? CDS kaufen oder direkt Kapitalerhöhungen stemmen? Aber Vorsicht, die Geister, die man ruft.....

Herr Percy Stuart

10.02.2016, 12:33 Uhr

Bei jeder einzelnen Wirtschaftskrise ist der Staat dabei gescheitert, die wahre Ursache zu verstehen. Stattdessen machte man immer irgendwelche inländischen Auswirkungen der Krise für die Krise selbst verantwortlich. Die Phase der Rettung der sogenannten „systemrelevanten“ Banken haben wir nun hinter uns gelassen. Die Banken sind nicht mehr zu groß, um sie pleitegehen zu lassen, sondern zu groß, um sie noch zu retten. All die Versprechungen des Sozialismus brechen gerade in sich zusammen – das gilt für die Krankenkassen, die Rentenkassen bis hin zur Einlagensicherung der Banken. Diese Typen werden unser Geld einfach so beschlagnahmen und jetzt versuchen sie auch noch, in Richtung elektronischen Geldes zu gehen, um Bank-Runs und das Horten von Geld zu verhindern. Die Maßnahmen in Richtung der Implementierung elektronischen Geldes werden als erstes in Europa auftauchen.
Wir haben es hier mit dem Big-Bang zu tun – dem vollständigen Zusammenbruch des Sozialismus, was darauf zurückgeht, dass die Wirtschaft von Politikern gesteuert wird, obwohl sie überhaupt nicht in der Lage sind, sie zu verstehen oder zu prognostizieren. Wenn ich Ihr Geld verwalten würde und jeden Monat Verluste mache und dann immer wieder zu Ihnen käme, um noch mehr Geld zu verlangen – ja wie viele Monaten würden Sie mich noch weitermachen lassen, bis Sie sagen, dass es Ihnen reicht?
Allein schon die Tatsache, dass die Politiker immer wieder die Steuern erhöhen, beweist bereits, dass sie nicht einmal in der Lage sind, einen Kaugummiautomaten zu verwalten. Sie schmeißen das Geld aus dem Fenster und wenn die Maschine dann alle ist, rauben sie uns einfach noch das letzte Hemd, um sie wieder aufzufüllen. Diese Menschen diktieren der europäischen Bevölkerung die Richtung auf und wie sie zu leben haben, indem sie ihnen einfach den Euro aufzwingen und niemals zur Wahl stehen.

Account gelöscht!

10.02.2016, 12:34 Uhr

Die Weltwirtschaft steht bis zum Jahr 2023 unter der Problematik daß sich Europa mit dessen Europäische Union zurück in die Steinzeit versetzt !!!

Europa steht vor einem Europa weitem Krieg dass aber keinen Politiker oder Wirtschaftsboss uns direkt erklären will !!!

Der Weltwirtschaft könnte man aber einen noch nie dar gewesener Wirtschaftswunder bescheren dass dann nie mehr je besser überholt werden kann.

Hierzu ist es aber nötig dass die USA und JAPAN zu einem Wirtschaftliche Allianz in AFRIKA zusammen schließen !!!

CHINESEN MÜSSEN IN DER AFRIKANISCHE WIRTSCHAFT MIT HÖCHSTEM DRUCK VERDRÄNGT WERDEN !!!!+

Dazu muss es in dieser Welt bekannt werden dass die Chinesische Banken PLEITE sind...wozu sich niemanden traut es bekannt zu geben !!!

CHINA kauft aber inzwischen mit wertloses Chinesisches Geld die Rosinen in andere Kontinenten und hier kräftig in dessen besten Wirtschaftliche Gebieten.

Wer die Augen schließt vor der Wahrheit ...dem bestraft das Leben !

Europa ist nichts mehr wert bis 2023...wer hier in Europa noch bis 2023 investiert ist selber schuld !!!

Man kann Dünger nicht polieren.:-)))




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