Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2016

19:01 Uhr

EZB und Geldpolitik

Draghi in Öl

VonJan Mallien

Auf der heutigen EZB-Ratssitzung wird die Notenbanker vor allem der niedrige Ölpreis beschäftigen. Der Verfall birgt Risiken für die Preisstabilität. EZB-Chef Mario Draghi könnte die Geldpolitik bald weiter lockern.

Auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank wird es vor allem um den Ölpreis gehen.

EZB-Chef Mario Draghi

Auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank wird es vor allem um den Ölpreis gehen.

FrankfurtFür Mario Draghi hätte das neue Jahr kaum schwieriger beginnen können. Die Probleme in China und der dramatische Verfall des Ölpreis könnten die ohnehin sehr niedrige Inflation im Euro-Raum noch weiter drücken. Damit beginnt bereits die Debatte um eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

Erst im Dezember hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Strafzins für Einlagen der Banken verschärft und ihr bestehendes Anleihekaufprogramm bis März 2017 verlängert. Grund war der schwächere  Inflationsausblick. Mittelfristig strebt die EZB eine Preissteigerung von knapp zwei Prozent an. Im Dezember lag diese jedoch mit 0,2 Prozent meilenweit davon entfernt.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Nun spekulieren die Märkte bereits über weitere Lockerungsübungen der EZB. Denn auch wenn sich Verbraucher über niedrigere Preise freuen, bereitet dies Notenbankern große Sorgen. Bei fallenden Preisen besteht die Gefahr, dass Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise ihre Investitionen und den Konsum hinausschieben. Es droht dann eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.

Um das zu verhindern könnte die EZB noch mehr billiges Geld in die Märkte pumpen. Allerdings wird sie vermutlich zunächst noch abwarten, wie sich Ölpreis und Konjunktur weiter entwickeln. „Auf der Pressekonferenz dürfte EZB-Präsident Draghi alle Optionen offenhalten, eindeutige Signale aber vermeiden“, erwartet Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Er geht davon aus, dass sich Draghi wegen der Kritik nach der jüngsten Zinssitzung vorsichtiger äußern wird. Die Finanzmärkte hatten im Dezember eine noch weitergehende Lockerung der Geldpolitik erwartet und enttäuscht auf die verkündeten Maßnahmen reagiert. 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×