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15.10.2015

14:26 Uhr

EZB-Vize Constancio warnt

„Die Erfahrung mit Abkehr von Nullzins-Politik fehlt“

Seit rund acht Jahren hält die Fed den Leitzins bei oder nahe Null. Beobachter fragen sich, wann die Nullzins-Politik ein Ende hat. EZB-Vize Vitor Constancio erinnert daran: Es gibt auf dem Feld keine Erfahrungswerte.

Erfahrung mit der Abkehr von der Nullzins-Politik gebe es nicht, sagt EZB-Vize Vitor Constancio. Reuters

Learning by doing

Erfahrung mit der Abkehr von der Nullzins-Politik gebe es nicht, sagt EZB-Vize Vitor Constancio.

FrankfurtEine Zinserhöhung in den USA könnte dem Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank zufolge weltweit größere Auswirkungen haben als in der Vergangenheit. Zum einen gebe es keine Erfahrungswerte mit der Abkehr von der Nullzins-Politik, sagte Vitor Constancio laut Manuskript für eine Rede in Hongkong am Donnerstag.

Zum anderen habe sich die Weltwirtschaft verändert. Schwellenländer, insbesondere China, hätten an Bedeutung gewonnen. Insgesamt arbeiteten Länder stärker zusammen und grenzüberschreitende Kapitalströme hätten zugenommen, sagte Constancio. Aufgrund der fehlenden Erfahrung bliebe den Akteuren und Marktbeobachtern nichts anderes übrig als in „Echtzeit“ zu lernen.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Die US-Notenbank Fed hat noch für dieses Jahr die Zinswende in Aussicht gestellt, sollte die Inflation stabil bleiben und die US-Wirtschaft stark genug sein, einen Zinsschritt zu verkraften. Wegen zuletzt schwacher US-Arbeitsmarktdaten herrscht an den Finanzmärkten jedoch Unklarheit, ob Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende tatsächlich noch 2015 wagen wird. Es wäre die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren.

Von

rtr

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