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02.12.2016

12:47 Uhr

EZB

Volkswirte rechnen mit Verlängerung der Anleihenkäufe

Nach Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi rechnen Volkswirte mit einer Verlängerung des umstrittenen Anleihenkaufprogramms. Auf einer Ratssitzung der EZB am kommenden Donnerstag würden wohl nur noch Details diskutiert.

Volkswirte in der Eurozone rechnen damit, dass die Notenbank ihr Anleihenkaufprogramm fortsetzt. Reuters

EZB-Chef Mario Draghi

Volkswirte in der Eurozone rechnen damit, dass die Notenbank ihr Anleihenkaufprogramm fortsetzt.

FrankfurtVolkswirte rechnen einer Reuters-Umfrage zufolge mehrheitlich mit einer sechsmonatigen Verlängerung der billionenschweren EZB-Anleihenkäufe. Damit würden diese noch bis Ende September 2017 weiterlaufen. Die Ökonomen erwarten zudem, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den monatlichen Umfang ihre Käufe im Volumen von derzeit rund 80 Milliarden Euro beibehalten wird.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Mittwoch in einem Zeitungsinterview gesagt, auf der Ratssitzung am kommenden Donnerstag würden mehrere geldpolitische Stellschrauben überprüft. Seinen Worten zufolge sind Neujustierungen beim Kaufvolumen und der Dauer der Wertpapiertransaktionen möglich.

Die Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB: OMT und QE

Das „Outright-Monetary-Transactions“-Programm...

...wurde 2012 auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise beschlossen. „OMT“ steht für „Outright Monetary Transactions“, was übersetzt „direkte geldpolitische Geschäfte“ bedeutet.

(Quelle: Reuters)

Die Situation

Mit dem Programm sollen gezielt Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern aufgekauft werden, um extreme Renditeausschläge bei den Papieren einzudämmen. Als es beschlossen wurde, waren mit Italien und Spanien die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ins Fadenkreuz von Investoren geraten. Die Zinsaufschläge der Staatsanleihen schossen in die Höhe – den Staaten fiel es zunehmend schwerer, ihre Schulden zu bedienen. Die Länder drohten in eine gefährliche Schieflage zu geraten.

Das Ziel

Mit OMT-Käufen kann die EZB in genau solchen Situationen gezielt gegensteuern. Denn Investoren steht die Notenbank dann als mächtiger Gegenspieler mit prinzipiell unerschöpflicher Finanzkraft gegenüber. Voraussetzung für den Ankauf von Staatsanleihen im Rahmen von OMT ist jedoch, dass sich das betreffende Land einem Rettungsprogramm unterwirft.

Die Praxis

OMT wurde noch nie aktiviert. Es gilt dennoch neben dem berühmt gewordenen Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, die Notenbank werde alles tun („Whatever it takes“), um den Euro zu verteidigen, als stärkste Waffe im Kampf gegen die Schuldenkrise und Spekulationen gegen den Euro. Schon die Ankündigung, die EZB werde wenn erforderlich unbegrenzt Anleihen aufkaufen, beruhigte damals die Märkte.

Die Kritik

Kritiker werfen der EZB vor, mit OMT gezielt einzelne Krisenstaaten mit der Notenpresse indirekt zu finanzieren. Denn Staatsanleihenkäufe hätten unter anderem zur Folge, dass die Zinsaufschläge der betreffenden Bonds sinken, so dass die Länder ihre Schuldendienste leichter leisten können. Die Notenbank argumentiert, ihr gehe es darum, den Zusammenhalt des Währungsraums zu wahren und Verzerrungen auf den Märkten zu beheben. Deren Funktionieren ist für ihre Geldpolitik von größter Bedeutung, weil sie als erste auf Zinsänderungen und andere EZB-Schritte reagieren. Seien diese Märkte gestört, könne die Geldpolitik nicht wirken, argumentiert die Notenbank.

Das „Quantitative Easing“ dagegen...

...ist ein Abwehrgeschütz gegen eine Deflation. Seit März 2015 kauft die EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken im Währungsraum im Rahmen eines anderen Programms – „QE“ genannt – Staatsanleihen der Euro-Länder auf. „QE“ steht dabei für „Quantitative Easing“, was ins Deutsche übersetzt quantitative Lockerung bedeutet.

Das Ziel von „QE“

QE soll die derzeit aus EZB-Sicht viel zu niedrige Inflation künstlich anheizen. So soll eine ruinöse Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, nachlassendem Konsum und zurückgehenden Investitionen verhindert werden. Dies nennen Volkswirte „Deflation“. Dagegen gibt es kaum ein wirksames geldpolitisches Mittel. Das zeigt etwa der Blick auf Japan, wo die Wirtschaft gut ein Jahrzehnt lang in einer Deflation gefangen war.

Der Unterschied

QE wird als geldpolitisches Instrument für ganz andere Zwecke eingesetzt als OMT. Letztendlich ist bei QE die Wiederherstellung von Preisstabilität das Ziel, was die EZB als Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent definiert. Denn dann besteht ein ausreichender Sicherheitsabstand zu einer Deflation. Bis mindestens Ende März 2017 will die EZB im Rahmen dieses Programms Staatsanleihen und andere Wertpapiere – darunter seit kurzem auch Firmenanleihen – im Volumen von insgesamt 1,74 Billionen Euro erwerben. Pro Monat sind Wertpapierkäufe im Volumen von 80 Milliarden Euro geplant.

Notenbankkreisen zufolge steuert die EZB auf eine Fortsetzung der Käufe zu. Den Informationen zufolge wurde zuletzt aber noch über Details der Umsetzung diskutiert. Die EZB und die nationalen Notenbanken erwerben seit März 2015 Staatsanleihen der Euro-Länder in großem Stil, um die Wirtschaft anzukurbeln und die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation anzuheizen.

Das vor allem in Deutschland umstrittene Kaufprogramm ist - weitere Wertpapiere wie Firmenbonds und Hypotheken-Papiere eingeschlossen - insgesamt auf 1,74 Billionen Euro angelegt.

Von

rtr

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