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19.02.2016

18:49 Uhr

EZB

Zentralbank erwägt Maßnahmen gegen niedrige Inflation

Die Inflation will und will nicht steigen – und die EZB trägt sich anscheinend ernsthaft mit dem Gedanken, ihr auf Trab zu helfen. Vizechef Constancio deutete mögliche Maßnahmen ab März 2016 an.

Der EZB-Vizechef hält Maßnahmen gegen eine niedrige Inflation für möglich. Reuters

Vitor Constancio

Der EZB-Vizechef hält Maßnahmen gegen eine niedrige Inflation für möglich.

New YorkDie unerwünscht niedrige Inflation wird die Europäische Zentralbank laut EZB-Vizechef Vitor Constancio im März womöglich zu Gegenmaßnahmen veranlassen. Dies gelte für den Fall, dass die Preise nach Einschätzung des EZB-Rats künftig langsamer als erwartet anziehen.

„Er könnte sich dann zum Handeln entscheiden“, fügte der Portugiese auf einer von Reuters organisierten Konferenz in New York hinzu. In der ersten Jahreshälfte sei noch mit fallenden Preisen zu rechnen, bevor sie im zweiten Halbjahr anziehen könnten.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die Notenbank strebt bei der Inflation einen Wert von knapp zwei Prozent an, der als ideal für die Konjunktur gilt. Die Experten der EZB hatten im Dezember für 2016 eine Rate von 1,0 Prozent veranschlagt. Die Prognose im März dürfte angesichts des Ölpreisverfalls vom Jahresbeginn niedriger ausfallen.

Von

rtr

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