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28.01.2016

15:15 Uhr

EZB zwingt zum Handeln

Schweizer Notenbank rüstet sich für nächste Draghi-Salve

Die SNB ist in der Zwickmühle. Reagiert sie nicht auf die nächste geldpolitische Lockerung der EZB, droht der Franken erneut zu steigen. Doch weitere Devisenkäufe könnten ihre Glaubwürdigkeit beschädigen. Was tun?

Die Schweizer Zentralbanker rechnen mit einer weiteren Lockerung der EZB-Geldpolitik. EZB-Präsident Mario Draghi (Foto) habe deutlich gemacht, „dass da im März etwas kommen könnte“. ap

Neue Maßnahmen im März

Die Schweizer Zentralbanker rechnen mit einer weiteren Lockerung der EZB-Geldpolitik. EZB-Präsident Mario Draghi (Foto) habe deutlich gemacht, „dass da im März etwas kommen könnte“.

ZürichVielleicht hat Thomas Jordan diesmal nicht so viel Glück. Der Franken ist so schwach wie noch nie seitdem die Schweizer Nationalbank vor einem Jahr den Mindestkurs gegenüber dem Euro aufgab. Doch die nächste Lockerungsrunde der Europäischen Zentralbank dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen, und sie könnte eine Trendwende bringen. SNB-Präsident Thomas Jordan wird sich in diesem Fall vielleicht gezwungen sehen, die Zinsen noch tiefer unter Null zu senken.

Vor knapp zwei Monaten, als die EZB mit ihren Lockerungsmaßnahmen die Erwartungen der Investoren enttäuschte, kamen die Schweizer ungeschoren davon: der Franken gab nach. In sechs Wochen, wenn der Rat der EZB zu seiner nächsten Zinsentscheidung zusammentritt, wird Mario Draghi, Jordans Amtskollege in Frankfurt, möglicherweise der Versuchung nachgeben, die Erwartungen zu übertreffen, um seine Glaubwürdigkeit zu stärken.

„Draghi hat ziemlich deutlich gemacht, dass im März etwas kommen könnte“, sagte David Marmet, Volkswirt bei der Zürcher Kantonalbank. „Das dürfte die SNB unter Handlungsdruck setzen.“

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Geldpolitik des Euroraums die SNB zu einer Reaktion zwingt, und ein aggressiveres Vorgehen der Frankfurter Notenbanker hätte das Potenzial, die Bemühungen der Schweizer um eine Schwächung des Franken zu untergraben. Die europäische Schuldenkrise veranlasste die SNB, mit Interventionen am Devisenmarkt gegen die Aufwertung des Franken vorzugehen – und schließlich 2011 einen Mindestkurs zum Euro einzuführen. Im Januar 2015, als sich die quantitative Lockerung der EZB abzeichnete, hob die SNB den Mindestkurs auf.

Der EZB-Rat sieht sich Forderungen ausgesetzt, wieder aktiv zu werden, denn die fallenden Ölpreise entwerten die Prognosen der Notenbank für einen Anstieg der Inflation. Der Rat tritt am 10. März zusammen, nur eine Woche vor der nächsten Sitzung der SNB. Zins-Futures zeigen an, dass die Investoren von beiden Notenbanken eine Senkung der Einlagensätze erwarten.

„Sollte die Zinssenkung der EZB großzügig ausfallen, so würde das der Schweiz Bauchschmerzen bereiten, denn damit würde die Zinsdifferenz geschmälert“, sagte Dominik Studer, Volkswirt bei der UBS Group AG in Zürich. Eine weitere Senkung des Einlagensatzes der SNB – er steht derzeit bei minus 0,75 Prozent – wäre „nicht ohne Probleme“, sagte er.

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