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13.02.2016

15:52 Uhr

Fakten zum Aktiencrash

Kommt eine neue Finanzkrise?

VonJürgen Röder

Wirtschaftsprobleme in China und den USA, rasant fallende Ölpreise und die Probleme der Banken sind die meistgenannten Gründe für die derzeitigen Marktturbulenzen. Doch sind sie gerechtfertigt? Eine Bestandsaufnahme.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Wird das Börsenjahr 2016 so dramatisch wie 2008?

Handelsblatt in 99 Sekunden: Wird das Börsenjahr 2016 so dramatisch wie 2008?

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DüsseldorfWenn man die Märkte 2016 in einem Wort zusammenfassen will, fällt das eigentlich gar nicht so schwer: Volatilität. Beispiele gefällig? Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent schwankt in den ersten sechs Wochen dieses Jahres zwischen 37 und 27 Dollar. Oder schauen Sie auf die Bankenaktien. Der Stoxx Europe 600 Banks, der die 45 größten Banken Europas listet, verlor seit Jahresbeginn ein Drittel seines Wertes. Allein in dieser Woche schwankt der Kurs der Deutschen Bank kräftig. Die Ausschläge reichen von zeitweisen Tagesgewinnen bis zu 16 Prozent bis hin zu Verlusten im zweistelligen Bereich. Welche Fragen und Antworten in diesem Umfeld jetzt wichtig sind.

Wie entwickelten sich Jahresbeginn die Finanzmärkte?
Zum ersten Mail seit der Finanzkrise 2008 flüchten Anleger wieder in die Staatsanleihen. Aufgrund der sinkenden Renditen stiegen die Kurse der Bonds – seit Jahresanfang weisen diese Anleihen dadurch ein Plus von 4,9 Prozent auf. Im Gegenzug fielen die Aktienmärkte deutlich. Dieser Run auf die Staatsanleihen signalisiert: Investoren wollen kein Risiko im Depot, sondern suchen vermeintlich sichere Anlageformen. Ihr Nerven sind angespannt, weil sie mit schlimmen Entwicklungen rechnen - wie zum Beispiel einer weltweiten Rezession.

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Droht eine weltweite Rezession?
Nein, zumindest nicht wenn dem dafür wohl wichtigsten Vorlaufindikator traut, dem Einkaufsmanagerindex. Dieser globale Index liegt im Januar 2016 bei 50,9. Werte über 50 signalisieren eine wachsende Wirtschaft und umgekehrt. Die Idee dahinter – vereinfacht formuliert: Wer produzieren oder verkaufen will, der muss vorher einkaufen. Dieses Wachstum dürfte vor allem von den Industrieländern mit einem Wert von 52,1 kommen, während die Schwellenländer mit 49,3 etwas schwächeln. Auf Länderebene heruntergebrochen, zeigt dieser Indikator aber auch: Staaten wie Russland (48,7) und Brasilien (45,6) stehen 2016 noch schwere Zeiten bevor.

Wird denn die USA als führende Wirtschaftsmacht Probleme bekommen?
Der Einkaufsmanagerindex geht zwar leicht zurück, liegt aber mit 52,1 noch im positiven Bereich. Auch die Großbank JP Morgan erwartet, dass die USA nach einem Plus von mehr als drei Prozent im Jahr 2015 nun in ein sogenanntes Trendwachstum zurückkehrt, das in diesem Jahr 1,6 bis 1,8 Prozent betragen soll.

Kommentare (27)

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Herr Andreas Schindler

12.02.2016, 16:44 Uhr

Da liegen die Zinsen noch immer am Boden und eine klitzekleine Zinserhöhung führt zu massiven Verwerfungen am Finanzmarkt.
Wieviele Billionen Euros sind dem Finanzsystem dadurch entzogen worden? Die Chinesen stemmen sich gegen die wirtschaftlichen Verwerfungen und haben 500.000.000.000,-- Dollar an Devisenreserven 2015 hingegeben.
Trotzdem wird weiterhin Geld auf beiden Seiten des Atlantik gedruckt, findet aber nicht den Weg in die Wirtschaft. Da kann der Dragi zusammen mir den anderen Notenbankern machen was er will, er kann den Gaul zur Tränke führen, saufen muß er alleine.
Geld für fast 0% würde ich auch in Anleihen, Aktien und sonstwie anlegen. Jetzt beginnen die Hasen doch erst zulaufen. Jetzt beginnen doch alle wieter auf der Investition rauszukommen. - Wir sind erst am Beginn der Anpassungeprozesse!!! Das Problem ist, das Sie früher langsam gingen und heute sehr schnell ablaufen.

Das (Papier-)geld aus den USA, Europa usw. sind doch die modernen Glasperlen. Jetzt heißt es doch: Rette sich wer kann. Es ist doch ein merkwürdige Diskussion die in den letzten Wochen aufkam. - Da soll der 5ßß Euro-Schein abgeschafft werden, ach der 200,-- kann auch weg, Wozu Bargeld? Mehr als 5.000,-- bitte auch nicht mehr bar bezahlen! -Ja gehts noch??

Wenn das Geld in die Real-Wirtschaft soll, dann sollte es mit einen Helikopter über die Bevölkerung abgeworfen werden, manchmal kann es so einfach gehen...

Herr Jürgen Dannenberg

12.02.2016, 16:52 Uhr

Mir ist schleierhaft was fallende Ölpreise mit dem fallenden Aktienkurs zu tun haben. Der ist äh viel zu hoch.

Rainer von Horn

12.02.2016, 16:55 Uhr

Rückläufiges Wachstumspotential aufgrund hohem privaten und öffentlichen Verschuldungsgrad, das Wirtschaftswachstum kraftlos und unterhalb seines Trendpotentials, expansive Geldpolitik statt effektiver Wirtschaftspolitik, drohende Deflation statt Inflation trotz expansivster Geldpolitik des Westens, Einbruch der Rohstoffpreise insbesondere bei Öl, Energie und Metallen und damit verbunden die Frage nach der Werthaltigkeit der Kreditengagements an Unternehmen dieses Sektors und Emerging Market-Staaten die von den Einnahmen in diesen Sektor abhängen münden letztlich in der Frage nach der Stabilität des Bankenapparates und des Geld- und Währungssystems.

Und da ist die Frage nach der Regulierung des 552 Billionen-USD OTC-Derivatecasino und dem offenen Market Value von 15,5 Billionen (!) USD noch gar nicht gestellt.....

Gruselig gelle? Das Problem: so richtig ist nicht klar, wie man die Situation kurzfristig wieder entschärfen könnte. Diese Gemengelage wird uns wohl länger erhalten bleiben.

http://www.bis.org/statistics/d5_1.pdf



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