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30.10.2014

09:42 Uhr

Fed beendet Anleihekäufe

Ende der Geldflut

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Die US-Notenbank beendet ihre milliardenschweren Anleihekäufe. Doch eine Rückkehr zur Normalität ist noch weit entfernt. Die Zinsen bleiben niedrig – und die Party an den Märkten kann weitergehen. Vorerst.

Geldhahn der Notenbank

Fed: Ist die Zeit reif für höhere Zinsen?

Geldhahn der Notenbank: Fed: Ist die Zeit reif für höhere Zinsen?

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Düsseldorf, FrankfurtDie Federal Reserve wagt den Ausstieg aus dem größten Geldexperiment aller Zeiten. Am Mittwoch entschied die US-Notenbank, ihr Ankaufprogramm für Wertpapiere wie geplant zum Monatsende auslaufen zu lassen. Es wird vorerst keine weiteren Stützungskäufe mehr geben. Doch eine Rückkehr zur Normalität bedeutet das noch lange nicht.

Die Notenbank hat seit der Finanzkrise 2008 monatlich bis zu 85 Milliarden Dollar für den Ankauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren ausgegeben, im vergangenen Monat waren es noch 15 Milliarden Dollar. Insgesamt hat die Fed ihre Bilanz auf mehr als vier Billionen Dollar aufgebläht.

Noch nie zuvor hat eine Notenbank so viel Geld gedruckt und in die Finanzmärkte gepumpt.
Nach Meinung der Notenbanker war dies nötig, um die schwere Bankenkrise und die darauffolgende Rezession in den Griff zu bekommen. Herkömmliche Instrumente wie etwa Zinssenkungen zeigten keine Wirkung mehr, es drohte der Zusammenbruch des Finanzsystems.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Den ganz großen Knall hat die Fed mit ihren milliardenschweren Anleihekäufen verhindert. Bis jetzt. Die Geldflut hat die Probleme nur überdeckt, nicht aber gelöst. Der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan wurde in den vergangenen Tagen gefragt, ob die Fed unbeschadet aus ihrer lockeren Geldpolitik aussteigen könne: „Ich glaube nicht, dass das möglich ist“, sagt Greenspan, der selbst nicht ganz unschuldig am Entstehen dieser Finanzkrise war. „Wir haben keinerlei Erfahrung mit irgendetwas in dieser Art, also werde ich mich nicht hinstellen und einen genauen Ausgang vorhersagen.“

Die Befürworter halten der Fed zugute, dass es der US-Wirtschaft inzwischen wieder deutlich besser geht. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass sie dieses Jahr um 2,2 Prozent wächst und 2015 um mehr als drei Prozent. Die Arbeitslosenquote fiel auf 5,9 Prozent - der niedrigste Stand seit Juli 2008. Damit können die Vereinigten Staaten tatsächlich deutlich bessere Konjunkturdaten vorweisen als etwa die Euro-Zone.

Die Kritiker wenden ein, dass dieser Aufschwung nicht nur teuer erkauft, sondern auch gefährlich ist. Das billige Geld hat einen jahrelangen Boom an den Finanzmärkten entfacht – und damit neue Blasen aufgebläht.

Kommentare (8)

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Herr reiner tiroch

30.10.2014, 10:44 Uhr

komisch, man warnte laufend davor wenn die USA die Geldflut stoppen, dann käme das Finanzchaos. nun könne die party weitergehen? ja was denn nun?

Herr Tom Schmidt

30.10.2014, 11:29 Uhr

Und wer kauft ab jetzt die US-Staatsanleihen? Und vor allem mit welchem Geld? Die werden ja auf den Markt kommen, dann müssen sie die Zinsen erhöhen, sonst will die niemand. Wenn sie das tun, zieht das Geld aus dem Aktienmarkt ab, also Verluste in den Bilanzen der Finanzindustrie...

Vor allem, ist doch im Wirtschaftswachstum der USA dieses neu gedruckte Geld erhalten, wie soll denn jetzt eine Realwirtschaft diese Summen plus Wachstum erwirtschaften und generieren? Keine Chance, da bleibt nur die Hoffnung, dass die Finanzmärkte sich noch mehr aufblähen... mal sehen wie sie das anstellen....

Herr Fritz Yoski

30.10.2014, 12:02 Uhr

Die Zinsen gehen rauf, Aktien runter und shon haben wir QE4 bis QE-unendlich. Wer kauft sonst Staats/Schrott-Anleihen fuer Null Zinsen wenn nicht die Zentralbanken?

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