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23.09.2016

13:37 Uhr

Fed-Beschluss

Wer Janet Yellen Kontra gibt

VonFrank Wiebe

Drei Entscheidungsträger stimmten gegen den Fed-Beschluss, die Zinsen nicht anzufassen. Das hatte sich zuletzt angedeutet. Notenbank-Chefin Yellen dürfte viel dafür tun, damit im Dezember wieder Einigkeit herrscht.

Debatte um Zinsanhebung

US-Notenbank lässt Leitzins unverändert - doch was spricht für eine Anhebung?

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New YorkWenn Esther George ruft, folgen ihrer Einladung die wichtigsten Notenbanker der USA und auch der Welt. Einmal im Jahr veranstaltet die Chefin des US-Notenbankzweiges von Kansas City das Spitzentreffen im Grand Teton Nationalpark. In diesem August fehlte zwar die US-Notenbankchefin Janet Yellen und so konnte George ihren Widerspruch in Sachen US-Geldpolitik nicht vor der malerischen Kulisse von Jackson Hole mit Yellen persönlich diskutieren. Doch auch in Washington gibt die 58-Jährige Kontra.

Zusammen mit Loretta Mester und Eric Rosengren hatte George am Mittwoch gegen die Mehrheit des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank (Fed) gestimmt. Die drei „Falken“, wie Anhänger einer härteren geldpolitischen Linie genannt werden, hätten lieber eine Zinserhöhung gesehen. Doch letztlich setze sich Fed-Chefin Yellen durch – und schob die Zinswende in die Zukunft.

US-Notenbank lässt Zins unverändert: Von der Angst getrieben

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Von der Angst getrieben

Notenbanken experimentieren mit immer wieder neuen geldpolitischen Instrumenten. Dabei werden sie von einer doppelten Angst getrieben – vor der nächsten Rezession wie auch vor dem Sinken des Preisniveaus. Eine Analyse.

George hatte sich gemeinsam mit anderen regionalen Fed-Chefs am Rande der Konferenz in Jackson Hole sogar mit Vertretern einer Kampagne getroffen, die nicht ihre Sicht der Dinge teilt. Die Gruppe „Fed Up“ tritt für dauerhaft niedrige Leitzinsen ein, da dadurch Vollbeschäftigung erreicht werden könne. George sieht das anders. Es herrsche beinahe Vollbeschäftigung, die Inflation liege zumindest nahe dem gewünschten Ziel von zwei Prozent und die Zinsen verharrten trotzdem auf ihrem Rekordtief, ist ihre Position. „Ich unterstützte eine langsame Normalisierung der Leitzinsen, aber meiner Meinung nach ist das heutige Niveau zu niedrig“, sagte sie bereits im Mai.

Georges Warnung: Es bestehe die Gefahr, dass „zinssensible“ Bereiche der Wirtschaft „zu viele Schulden machen und zu schnell wachsen“ – und dann auf gefährliche Weise wieder abspecken müssten. „Wir haben das bei der Immobilienkrise gesehen und bei den heutigen Anpassungen im Energiesektor“, sagte sie in Anspielung auf die vergangene Finanzkrise und die Pleiten von überschuldeten Öl- und Gasfirmen.

Im geldpolitischen Ausschuss sitzen Fed-Chefin Janet Yellen, ihr Stellvertreter Stanley Fischer und drei Gouverneure, die alle permanent stimmberechtigt sind. Hinzu kommen zwölf Präsidenten der regionalen Notenbanken, die quasi den Unterbau des gesamten Notenbank-Systems der USA bilden. Von ihnen ist aber nur Bill Dudley aus New York permanent stimmberechtigt, die anderen wechseln sich in einem bestimmten Turnus regelmäßig ab, sodass bei jeder Sitzung insgesamt zehn Stimmen vorhanden sind. George hatte schon im Juli gegen die Mehrheit gestimmt, damals noch als einzige Stimmberechtigte. Im Juni hatte es gar keine Abweichler gegeben.

Zentralbanken und Negativzinsen

Japan

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,1 Prozent

Schweiz

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,75 Prozent (15.01.2016)

Einlagenzinssatz für Banken: gestaffelt -0,75 Prozent

Dänemark

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,05 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,65 Prozent

Schweden

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,5 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,5 Prozent

Euro-Zone

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,4 Prozent

Bereits seit 1982 arbeitet George für die Fed Kansas, 2011 folgte sie als Präsidentin auf den zur US-Einlagensicherung gewechselten Tom Hoenig. Er selbst war als geldpolitischer Falke bekannt und gilt als einer der schärfsten Bankenkritiker innerhalb der Aufsichtsbehörden.

Die Zusammenarbeit mit ihrem Vorgänger hat George lange geprägt. In ihrer Vergangenheit hat sie sich intensiv mit dem Thema der Bankenaufsicht beschäftigt – und hat daher einen besonderen Blick für mögliche negative Auswirkungen niedriger Zinsen für das Finanzsystem. Sie zitiert auch gerne Paul Volcker, den Helden aller Falken, der in seiner Amtszeit als Fed-Chef (1979 bis 1987) die Inflation ausgebremst und dafür eine Rezession in Kauf genommen hatte.

Kommentare (4)

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23.09.2016, 13:50 Uhr

Die USA, Europa und Japan haben schon zuviel Schulden (Vorschubfinanzierung auf ausstehender Arbeits-Wirtschaftsleistung) angehäuft. Diese Schuldenberge die durch keine Leistung/Arbeit/Wirtschaft gedeckt ist, werden weiter wachsen weil die Politik eine marktfeindliche CO2 freie Industrie-Gesellschaftspolitik seit Jahren betreibt. In einer CO2 freien Gesellschaft/Wirtschaft wird es keinen Mehrwertschöpfenden Fortschritt und damit Wohlstandwachstum geben können.
In dieser marktwirtschaftlichfeindlichen CO2 freien Politikwelt wird die Marktwirtschaft und damit der Fortschritt und Wirtschaftswachstum komplett auf Null gesetzt. Dies spiegelt sich bei den Zinsen wieder. Weder die Wirtschaft noch das Geld hat in dieser Co2 freien Grünen "Wirtschafts" Welt einen Wert. Und solange man an einer CO2 freien Gesellschaft/Politik festhält so lange wird es keinen Positiven Zinseffekt, weil kein Wirtschaftswachstum, geben.

Lothar dM

23.09.2016, 13:57 Uhr

Die Chefs der großen Notenbanken ... den Investment-Banken tief ergeben!

Herr Herbert Maier

23.09.2016, 13:58 Uhr

Die Leute können schimpfen wie sie wollen, FED, EZB usw. KÖNNEN den Zins doch gar nicht mehr anheben, weil dann sofort die völlig überschuldeten Saaten sowie Wirtschaft und Privatpersoenen finanziell in die Knie gehen und der Ballon platzt. "Georges Warnung: Es bestehe die Gefahr, dass „zinssensible“ Bereiche der Wirtschaft „zu viele Schulden machen und zu schnell wachsen“ – und dann auf gefährliche Weise wieder abspecken müssten." LOL, genau das ist doch schon längst passiert, wo lebt die denn?

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