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18.09.2015

03:10 Uhr

Fed-Entscheidung

Die Zinswende lässt auf sich warten

VonAstrid Dörner

Die US-Notenbank Federal Reserve hat eine Anhebung des Leitzins abermals hinausgezögert. Überrascht hat bei der Entscheidung vor allem die Argumentation. Ökonomen rätseln, wann die Zinswende denn nun kommen wird.

Die US-Notenbank hält an ihrer bisherigen Geldpolitik fest: Federal Reserve-Vorsitzende Janet Yellen bei der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid. AFP

Janet Yellen

Die US-Notenbank hält an ihrer bisherigen Geldpolitik fest: Federal Reserve-Vorsitzende Janet Yellen bei der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid.

New YorkDie US-Notenbank spielt bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik weiter auf Zeit. Der Leitzins bleibe vorerst unverändert auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent, teilte die Federal Reserve (Fed) am Donnerstag in Washington mit.

Die US-Notenbank Fed

Fed?

Das Federal Reserve System – kurz Federal Reserve oder einfach Fed – ist die Notenbank der USA.

Die Funktion

Die 1913 vom amerikanischen Kongress gegründete staatliche Organisation leitet die US-Geldpolitik, kontrolliert und reguliert die Banken des Landes und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe.

Die Ziele

Die übergeordneten Ziele der Fed sind eine möglichst hohe Beschäftigung, stabile Preise sowie günstige Zinsen. Die mächtige Organisation kontrolliert damit einige der wirtschaftlichen Stellschrauben der Vereinigten Staaten.

Die Präsidentin

Präsidentin ist Janet Yellen. Die 68-Jährige hatte ihren Posten offiziell Anfang Februar 2014 angetreten. Sie ist die erste Frau an der Fed-Spitze in der 100-jährigen Geschichte der Zentralbank.

Auf diesem historisch niedrigen Niveau verharrt der Zins, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, bereits seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008. Die US-Wirtschaft wachse zwar moderat, heißt es im Statement der Fed. Doch die Währungshüter hoben Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten hervor.

„Ein Großteil unserer Aufmerksamkeit lag auf Risiken rund um China und den Schwellenländern", sagte Fed-Chefin Janet Yellen im Anschluss an die Zinsentscheidung auf der Pressekonferenz. Dass dieses Argument die Zinsentscheidung geprägt hat, erscheint ungewöhnlich.

So schreibt Michael Feroli, Chefökonom von JP Morgan Chase: „In den vergangenen Jahren war der Arbeitsmarkt der wichtigste Faktor.“ Die Fed will ihre Zinsen erst erhöhen, wenn der Aufschwung in den USA wirklich stabil genug ist. Nach Definition vieler Volkswirte herrscht in den USA allerdings bereits Vollbeschäftigung, deshalb zieht das einstige Hauptargument für die extrem niedrigen Zinsen kaum noch. In ihrem Statement räumte die Fed auch ein, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessert habe.

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Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, kann die Entscheidung der US-Notenbank, die Leitzinsen konstant zu halten, nachvollziehen. Der Ökonom rechnet aber mit einer baldigen Erhöhung.

Nun scheint dieser Faktor aber in den Hintergrund zu treten. Das zeigt, wie groß die Sorge der Notenbank ist, Turbulenzen von außen könnten den so teuer erkauften amerikanischen Aufschwung zunichte machen.

Ihre Wachstumsprognose korrigierte Yellen unterdessen leicht nach oben. Für das laufende Jahr rechnet die Fed nun mit einem Plus von 2,1 Prozent, nachdem sie im Juni 1,9 Prozent erwartet hatte. Dafür könnte die Wirtschaft 2016 weniger stark wachsen als geplant. Auch wird die Inflationsrate wohl weiter auf einem niedrigen Niveau bleiben. Die Notenbanker gehen davon aus, dass sie erst 2017 in die Nähe der anvisierten zwei Prozent gelangen wird.

Die US-Börsen reagierten leicht negativ auf den Zinsentscheid. Der Leitindex Dow Jones schloss 0,4 Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P 500 ging mit -0,3 Prozent aus dem Handel. Lediglich die Technologiebörse Nasdaq schloss leicht im Plus.

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