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15.06.2017

02:04 Uhr

Fed-Entscheidung

Yellen hält eisern die Spur

VonFrank Wiebe

Janet Yellen lässt sich von Kritik an ihren Zinserhöhungen nicht beeindrucken: Die US-Notenbank erhöht abermals die Zinsen. Zur Entscheidung serviert die Fed-Chefin weitere Aussagen, die Ökonomen beschäftigen.

Neuigkeiten aus der US-Geldpolitik: Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen bei der Pressekonferenz zur Zinsentscheidung am Mittwoch in Washington. Reuters

Janet Yellen

Neuigkeiten aus der US-Geldpolitik: Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen bei der Pressekonferenz zur Zinsentscheidung am Mittwoch in Washington.

New YorkZwei entscheidende Sätze fielen in der Pressekonferenz der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Mittwoch auf. Einmal betonte Fed-Chefin Janet Yellen: „Wir beobachten die Entwicklung der Inflation sehr, sehr genau.“

Das war die einzige Andeutung, dass es möglicherweise doch noch eine Abweichung von dem mehr oder minder vorgezeichneten Pfad geben könnte, nach dem die Fed die Zinsen in diesem Jahr noch ein drittes Mal erhöhen und zudem die Schrumpfung der Bilanzsumme einleiten will. Denn die Inflation ist, ähnlich wie in Europa, der schwache Punkt in den USA.

Sie kommt nicht richtig in Gang oder fällt sogar tendenziell wieder. Greg Peters, Fondsmanager bei PGIM, der Anlagegesellschaft des US-Versicherers Prudential, sagt sogar: „Der Höhepunkt der Inflation war im Februar.“

Sitzung der US-Notenbank Fed: Abschied von der Billionen-Bilanz

Sitzung der US-Notenbank Fed

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Investoren erwarten am Mittwoch von Fed-Chefin Yellen Hinweise auf die künftige Geldpolitik. In einem Brief fordern namhafte Professoren, die Zinsen niedrig zu halten. Auch ein möglicher Nachfolger meldet sich zu Wort.

Der andere entscheidende Satz war die Bemerkung, wenn die wirtschaftliche Entwicklung es zulasse, könne die Fed schon „ziemlich bald damit beginnen“, ihre Bilanzsumme abzuschmelzen. Damit könnte dieser Prozess vielleicht schon mit der Sitzung im September offiziell gestartet werden. Dabei sollen auslaufende Zinspapiere im Bestand der Fed bis zu einer bestimmten Obergrenze nicht durch Neukäufe ersetzt werden. Diese Obergrenze soll in den ersten drei Monaten bei sechs Milliarden Dollar für Staatsanleihen und vier Milliarden Dollar für verbriefte Immobiliendarlehen liegen.

Alle drei Monate werden die Obergrenzen um jeweils weitere sechs und vier Milliarden erhöht, bis sie 30 und 20 Milliarden erreicht haben. Mit dieser Obergrenze, also 50 Milliarden Dollar monatlich, soll die Schrumpfung weitergehen. Wie lange und bis zu welchem Betrag, ist noch offen. Zurzeit liegt die Bilanzsumme bei 4,5 Billionen Dollar, vor der Finanzkrise war es weniger als eine Billion, der künftige Endpunkt wird dazwischen liegen.

Die meisten Ökonomen gehen jetzt davon aus, dass die Fed entweder im September die Zinsen erhöht und erst später den Schrumpfungsprozess ankündigt, oder im September die Bilanzoperation beginnt und erst im Dezember das nächste Mal die Zinsen anhebt.

Ansonsten hat die Sitzung viele neue Details, aber wenig Überraschungen ergeben. Am auffälligsten bei den Marktreaktionen war, dass im Laufe des Mittwochs die langfristigen Renditen noch etwas weiter gesunken sind. Ganz so, als trauten die Märkte der Fed nicht zu, die Zinsen wirklich auf ein höheres Niveau zu heben.

Die Fed hat am Mittwoch beschlossen, die Leitzinsen um einen Viertel Prozentpunkt auf eine Spanne zwischen 1,0 und 1,25 Prozent zu erhöhen. Wie schon bei der ersten Anhebung im März des Jahres hat Neel Kashkari, der Chef der Fed in Minneapolis, gegen die Erhöhung gestimmt. Sein Vorgänger Narayana Kocherlakota hatte kurz zuvor in einem Brief an die Fed zusammen mit 21 anderen Ökonomen ebenfalls gefordert, die Zinsen niedrig zu lassen.

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

15.06.2017, 10:11 Uhr

Gem. Lehrbuch sollte sich die Geldmenge nicht mehr ausweiten als die Summe der produzierten Güter und Dienstleistungen. Üblicherweise sind die kurzfristigen Zinsen etwas höher als die Geldentwertung. In den letzten 10 Jahren hat die Fed die Geldmenge enorm vergrössert und diverse Blasen der Vermögenswerte geschaffen (Aktienpreise 2000, Immobilienblase 2007).

Eine Normalisierung der Geldpolitik in den USA ist sehr zu begrüssen.

In Japan und der € Zone ist das Aufblähen der Geldmenge Programm. Der Präsident der EZB sucht vermutlich die Staatsschulden Italiens zu Lasten der Deutschen Sparer zu inflationieren. Meines Erachtens bestehen erhebliche Risiken für die Währungen Japans und der € Zone. Ein stabiler Dollar könnte sich für Privatanleger als Rettung erweisen.

Anno Nymicus

15.06.2017, 11:16 Uhr

Die Internationalen (Yellen) drücken den nationalen (Trump) jetzt eine Rezession rein.
Ein richtiger Führer wäre darauf nicht nur vorbereitet, sondern würde regelrecht darauf lauern, um dann gnadenlos zuzuschlagen.
Aber der Schauspieler und Self-Promoter im Weißen Haus ist nunmal kein Führer, sondern hoffnungslos überfordert.

Wenn die blaue Zinslinie rauf geht, ist der graue Rezessionsbalken nicht mehr weit:
https://fred.stlouisfed.org/series/FEDFUNDS

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