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28.01.2016

07:07 Uhr

Fed-Entscheidung

Yellen schafft sich Spielraum

VonFrank Wiebe

Die Fed-Chefin sagt de facto die Zinserhöhung im März ab, bleibt aber grundsätzlich bei der Linie, die geldpolitische Schraube vorsichtig weiter anzuziehen. Die Märkte macht das nervös.

Keine Zinserhöhung im März, aber auch nicht zuviel Pessimismus – Yellen muss einen geldpolitischen Spagat meistern. dpa

US Federal Reserve - Janet Yellen

Keine Zinserhöhung im März, aber auch nicht zuviel Pessimismus – Yellen muss einen geldpolitischen Spagat meistern.

WashingtonFed-Chefin Janet Yellen hat die Märkte am Mittwoch darauf vorbereitet, dass im März wahrscheinlich noch keine weitere Zinserhöhung ansteht. Zugleich haben sie und ihre Kollegen im geldpolitischen Ausschuss der US-Notenbank (Fed) aber vermieden, eine grundsätzlich pessimistischere Sichtweise als in der letzten Sitzung im Dezember zu präsentieren, wo sie zum ersten Mal seit Jahren den Leitzins leicht auf gut ein Viertel Prozentpunkt erhöht hatten. Damit hat Yellen wieder allen Spielraum, den sie braucht. Sie kann im März abwarten, aber zugleich ihre Linie beibehalten, die Zinsen nach und nach behutsam zu erhöhen.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Sprache der Fed zu entziffern ist eine Art Geheimwissenschaft mit hohem Irrtumsrisiko. Die Analysten der Beratungsgesellschaft IHS halten eine Zinserhöhung im März immer noch für möglich, aber unwahrscheinlich. Die meisten Ökonomen gingen ohnehin bereits davon aus, dass der nächste Schritt erst im Juni erfolgt. Und die Investoren rechnen eher mit zwei Anhebungen im laufenden Jahr als mit vier, wie sie die Fed selber noch im Dezember prognostiziert hatte. Insofern passen die Linie der Fed und die Erwartungen der Märkte jetzt besser zusammen.
Zugleich hat Yellen aber auch nicht zu weiche Töne angeschlagen. Das zeigt die Reaktion der Börse, die nach Bekanntgabe des Statements nachgegeben hat. Die Gefahr, dass die Märkte erneut ihre Hoffnung auf die Unterstützung der Geldpolitiker setzen und sich damit in falscher Sicherheit wiegen, scheint also gebannt. Der konservative Ökonom Martin Feldstein hatte zuvor in einem Interview mit der Website „Marketwatch“ gewarnt, Yellen solle sich nicht von den Turbulenzen an den Märkten beeinflussen lassen, sondern ihre Zinserhöhungen durchziehen.

USA vs. Euro-Zone: Lernen von Uncle Sam

USA vs. Euro-Zone

Lernen von Uncle Sam

Die USA sind besser aus der Finanzkrise gekommen als die Euro-Zone. Zentralbank-Präsident Mario Draghi und andere können von den Amerikanern einiges lernen. Das bessere Krisenmanagement hat mehrere Gründe.

Entscheidend in dem Statement ist der Satz: „Für die Inflation wird kurzfristig weiterhin ein niedriger Wert erwartet.“ Die niedrige Inflation war schon im Dezember das stärkste Argument gegen eine Zinserhöhung, während der Arbeitsmarkt dafür sprach und schließlich den Ausschlag gab. Bisher hat die Fed nur betont, dass sie mittelfristig eine Rückkehr zu den gewünschten zwei Prozent erwartet, das hat sie jetzt auch nochmal wiederholt. Die Bezugnahme auf die kurzfristig niedrige Rate aber ist neu und spricht relativ deutlich gegen eine kurzfristige Zinserhöhung.

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