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18.11.2015

21:25 Uhr

Fed-Protokolle

,Zinswende möglich, aber nicht sicher

Immer noch nichts genaues: Die Fed kann sich laut der jüngsten Protokolle immer noch nicht dazu entschließen, die Zinsen anzuheben. Möglicherweise kommt eine Wende im Dezember. Experten rechnen jedenfalls damit.

Das Gebäude der US-amerikanischen Federal Reserve in Washington: Möglicherweise kommt die Zinswende im Dezember. AFP

Vielleicht im Dezember

Das Gebäude der US-amerikanischen Federal Reserve in Washington: Möglicherweise kommt die Zinswende im Dezember.

WashingtonDie US-Notenbank Fed hat die Ampel für eine Zinserhöhung im Dezember auf grün gestellt. Die meisten Führungsmitglieder gehen laut den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen der Oktober-Sitzung davon aus, dass die Bedingungen für die erste Anhebung seit fast zehn Jahren dann wohl erfüllt sein dürften.

Wie aus den Mitschriften der Sitzung hervorgeht, waren sich die Fed-Banker weitgehend einig, dass sie ein klares Signal für eine nahende Zinserhöhung setzen mussten. Als Grund wurde angeführt, dass die Märkte im Frühherbst verstärkt auf eine Anhebung im kommenden Jahr spekuliert und sich damit vergaloppiert hatten.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

Die Fed-Banker richteten den Blick in der Oktober-Sitzung bereits weiter in die Zukunft: Sie sehen eher wenig Spielraum für Zinserhöhungen in größerem Maße, da die Wachstumsmöglichkeiten der Wirtschaft dies nach ihrer Meinung voraussichtlich nicht hergeben. An den Märkten wird nun mit einem weiteren Erhöhungsschritt bis zum Ende des nächsten Jahres gerechnet.

Die Aussicht auf eine gemäßigte Gangart bei der Straffung der Geldpolitik sorgte für Erleichterung an der Wall Street: Die US-Börsen legten zu, der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zwischenzeitlich ein Prozent im Plus.

Die Fed-Führung um Notenbank-Chefin Janet Yellen hat die Finanzwelt bereits in den vergangenen Tagen und Wochen auf die Zinswende zum Ende des Jahres eingestimmt.

Sollten die Währungshüter die Zügel anziehen, wäre dies dennoch eine Zäsur: Seit Ende 2008, dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise, schiebt die Fed mit Zinsen nahe dem Nullpunkt die Wirtschaft an. Die Aktienmärkte eilten in dieser Zeit von Rekord zu Rekord, müssen bei einer geldpolitischen Straffung aber zumindest kurzfristig mit einem Dämpfer rechnen.

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