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18.09.2013

10:23 Uhr

Fed-Sitzung

Bernanke sucht die Bremse

VonJan Mallien

Die US-Notenbank kauft jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen. Doch seit langem spekulieren die Märkte darüber, wann sie ihr Engagement zurückfährt. Heute könnte Fed-Chef Bernanke den ersten Schritt wagen.

US-Notenbank

Kürzt die Fed ihr Konjunkturprogramm?

US-Notenbank: Kürzt die Fed ihr Konjunkturprogramm?

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Es ist ein beispielloses Experiment in der Wirtschaftsgeschichte. Jeden Monat kauft die amerikanische Notenbank Fed für 85 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen auf. In einem Jahr ergibt sich daraus eine Summe von einer Billion US-Dollar – etwa so viel, wie die gesamte Wirtschaftsleistung Spaniens. Die Fed startete die Anleihekäufe in der Finanzkrise. Sie will damit die langfristigen Zinsen drücken und so der lahmenden US-Wirtschaft Schwung geben.

Inzwischen ist dies einigermaßen gelungen. Die US-Wirtschaft soll in diesem Jahr um zwei Prozent wachsen und die Arbeitslosigkeit ist seit der Finanzkrise von 9,6 auf 7,3 Prozent gefallen. Daher diskutieren die Märkte seit Monaten über eine baldige Drosselung der Anleihekäufe. Fed-Chef Ben Bernanke selbst heizte die Spekulationen an, als er im Juni sagte, die Fed wolle ihre Anleihekäufe noch in diesem Jahr verringern und bis Mitte 2014 ganz einstellen. An diesem Mittwoch könnte Bernanke den Worten bereits Taten folgen lassen. „Wir rechnen damit, dass die Fed ihre Anleihekäufe um zehn bis 15 Milliarden Dollar im Monat kürzt“, sagt Bernd Weidensteiner, US-Analyst bei der Commerzbank.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt, ist groß. Ausgemachte Sache ist dies jedoch noch nicht. Möglicherweise hat Bernanke mit seinen Andeutungen im Juni schon mehr erreicht, als ihm lieb war. Die Märkte schlossen aus seinen Aussagen jedenfalls, dass die Fed nicht nur ihre Anleihekäufe drosselt, sondern auch bald eine Wende in der Zinspolitik vollziehen könnte. Diese veränderte Erwartung an den Märkten zeigte deutliche Wirkung: Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen sind seither um fast einen Prozentpunkt gestiegen. In Europa legten die Anleihezinsen ebenfalls zu. Dagegen gerieten einige Schwellenländer-Währungen unter Druck, weil die Anleger dort mit geringeren Kapitalzuflüssen aus dem Dollarraum rechnen.

Kommentare (13)

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Charly

18.09.2013, 10:34 Uhr

"Bernanke sucht die Bremse"

Die Frage ist, ob er sie findet und ob überhaupt noch eine da ist.

karma

18.09.2013, 10:45 Uhr

interessant, also müssen auch in der FED die Falken den Tauben die Führung übergeben.

Man sieht, dass sich die Zeit nachhaltig verändern. Ich könnte mir fast vorstellen, dass wir generell vor einer langfristigen Verbesserung der Bedingungen stehen. Das was Bush, als Mega-Falke derzeit begonnen hat, ist wohl beendet und nun kommen überall die Tauben hervor. Mal sehen, ob es für einen Innovationsschub, wie mit der New-Economy, reichen wird.

Account gelöscht!

18.09.2013, 10:51 Uhr

Sie werden wohl eine homöopathische Kürzung von 5-10 Milliarden beschließen.

Bei 10 Milliarden sind das immer noch 900 Milliarden pro Jahr...

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