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29.07.2015

12:36 Uhr

Fed-Sitzung

Die Suche nach Hinweisen

VonFrank Wiebe
Quelle:Handelsblatt Online

Wenn an diesem Mittwoch die nächste US-Notenbanksitzung zu Ende geht, rechnet praktisch niemand mit einer Zinsanhebung. Dennoch wird das Statement von Janet Yellen mit Spannung erwartet.

Fed-Sitzung

Wann kommt endlich die Zinsanhebung in den USA?

Fed-Sitzung: Wann kommt endlich die Zinsanhebung in den USA?

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New YorkWann tun sie es endlich? Das ist nicht nur bei simplen Liebesfilmen die Kernfrage, sondern seit Monaten auch bei den Entscheidern der US-Notenbank (Fed). Eine Zeit lang sah es aus, als würden sie im Juni 2015 zum ersten Mal nach der Finanzkrise die Leitzinsen wieder zaghaft anheben. Aber der Termin ist ja nun verstrichen.

An diesem Mittwoch geht erneut eine Sitzung der Fed-Strategen zu Ende. Aber praktisch niemand erwartet dabei eine Zinsanhebung. Denn normalerweise passiert bei der Notenbank nur bei den Sitzungen etwas, nach denen eine Pressekonferenz geplant ist. Im Jahr 2015 sind das nur noch die Termine im September und im Dezember. Die meisten Experten gehen von einer ersten Zinsanhebung noch in diesem Jahr aus, viele erwarten sie schon im September.

An diesem Mittwoch werden die Auguren daher das Statement der Fed auf Anzeichen absuchen, die einen Zinsschritt schon im September nahelegen. Michael Feroli von JP Morgan nennt einige Beispiele. So könnte etwa die bisherige Formulierung „Die Konsumausgaben waren moderat“ (consumer spending has been moderate) geändert werden in „haben angezogen“ (has picked up), um eine bessere Konjunktur und damit einen möglichen frühen Zinsschritt anzudeuten. Der Ausblick für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt könnte von „beinahe ausgeglichen“ (nearly balanced) angehoben werden auf „ausgeglichen“ (balanced).

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Gemischte Gefühle bei den Investoren

Die Fed achtet bei ihrer Zinsentscheidung vor allem auf die Konjunktur, die Arbeitslosigkeit, das Anziehen der Löhne und die Inflation. Für die Arbeitslosigkeit hat sie ihre Ziele in den letzten Monaten immer weiter abgesenkt, sie liegt aber mit zuletzt 5,3 Prozent so niedrig, dass da nicht mehr viel kommen muss, um eine Anhebung zu rechtfertigen.

Die Aussichten für die Konjunktur schwanken ständig, außerdem werden dauernd die Ergebnisse für die abgelaufenen Quartale revidiert. Aber es herrscht Einigkeit, dass die US-Wirtschaft sich nicht dramatisch schnell, aber doch solide erholt. Die Löhne sind lange Zeit überhaupt nicht angesprungen, zeigen aber inzwischen etwas Aufwärtstendenz.

Die US-Notenbank Fed

Fed?

Das Federal Reserve System – kurz Federal Reserve oder einfach Fed – ist die Notenbank der USA.

Die Funktion

Die 1913 vom amerikanischen Kongress gegründete staatliche Organisation leitet die US-Geldpolitik, kontrolliert und reguliert die Banken des Landes und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe.

Die Ziele

Die übergeordneten Ziele der Fed sind eine möglichst hohe Beschäftigung, stabile Preise sowie günstige Zinsen. Die mächtige Organisation kontrolliert damit einige der wirtschaftlichen Stellschrauben der Vereinigten Staaten.

Die Präsidentin

Präsidentin ist Janet Yellen. Die 68-Jährige hatte ihren Posten offiziell Anfang Februar 2014 angetreten. Sie ist die erste Frau an der Fed-Spitze in der 100-jährigen Geschichte der Zentralbank.

Die Inflation liegt bei null und damit weit unter dem angestrebten Wert von zwei Prozent. Allerdings hat die Fed einige Male deutlich gemacht, dass sie dabei auch Sonderfaktoren wie die schwachen Energiepreise am Werk sieht, und dass ihr eine begründete Hoffnung auf ein Anziehen in Richtung zwei Prozent für eine Zinserhöhung genügen würde. Allerdings dürfte sie nach einem ersten Schritt nur sehr langsam weiter erhöhen, so lange sich keine Inflation zeigt.

Die Investoren an den Kapitalmärkten sehen dem Schritt mit gemischten Gefühlen entgegen. Viele sehnen sich regelrecht nach einer Normalisierung der bisher extrem lockeren Geldpolitik. Denn erst danach ist auch wieder deutlich mit welchem Zinsniveau und welchen Kursen man auf Dauer zu rechnen hat. Zugleich fürchten andere Investoren immer noch eine heftige Kursreaktion auf die erste Zinsanhebung oder danach – obwohl ja bereits genug Zeit war, sich auf diesen Schritt einzustellen.

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