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17.12.2015

14:41 Uhr

Fed versus EZB

Warum Yellen für Draghi nicht als Vorbild taugt

VonJan Mallien

Die Chefin der US-Notenbank hat die historische Zinswende geschafft – und wird dafür gefeiert. Doch auch die Fed hat die Märkte mehrfach in die Irre geführt. Häufig hat EZB-Chef Draghi besser kommuniziert.

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FrankfurtJanet Yellen ist der Liebling der Märkte – zumindest kurzzeitig. Erstmals seit einem Jahrzehnt hat sie am vergangenen Mittwoch die Zinsen in den USA erhöht und damit für große Erleichterung an den Märkten gesorgt. Nun sei mit einer kleinen Rally zu rechnen, erwartet etwa der Devisenexperte Alan Ruskin von der Deutschen Bank.

Der Chefin der US-Notenbank und ihren Kollegen ist es dieses Mal gelungen, die Erwartungen der Märkte punktgenau zu steuern. Dagegen hatte EZB-Chef Mario Draghi Anfang Dezember Analysten und Händler enttäuscht. Obwohl er eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Euro-Zone verkündete, hatten sie noch mehr erwartet. Auf den ersten Blick wirkt es so, als sei die Kommunikation der Fed ein leuchtendes Vorbild. Doch der Schein trügt. „Normalerweise hat die EZB immer besser kommuniziert als die Fed,“ sagt Berenberg Chefvolkswirt, Holger Schmieding.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Zinserhöhung in den USA sei zwar gelungen. Man müsse jedoch bedenken, dass dies nach Juli und September bereits der dritte Versuch gewesen sei. „Zweimal vorher ist die Kommunikation in die falsche Richtung gelaufen.“ So hatten im September bis zwei Wochen vor der geldpolitischen Sitzung der Fed die meisten Beobachter schon mit einer Zinserhöhung gerechnet. Wegen der Krise an den chinesischen Finanzmärkten und in anderen Schwellenländern machte die Fed jedoch im letzten Moment einen Rückzieher.

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Bereits davor hat die Fed Ökonomen und Märkte schon häufiger auf dem falschen Fuß erwischt. Besonders kritisch war dabei der tatsächliche Kurswechsel in der US-Geldpolitik. Er hat schon viel früher stattgefunden als mit der Zinserhöhung und war begleitet von Turbolenzen und Fehlern.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

17.12.2015, 14:46 Uhr

Warum Yellen für Draghi nicht als Vorbild taugt"
Weil der Schwaz nicht mit dem Hund wedelt sondern umgekehrt.

Herr Tom Schmidt

17.12.2015, 14:51 Uhr

Das kann nicht Maßstab sein! Eine Zentralbank sollte sich immer die Möglichkeiten offen halten zu handeln wie sie es für richtig hält. Wenn die Marktteilnehmer nicht mit Unsicherheit leben können, dann sollten dort halt andere tätig sein!

Herr Josef Schmidt

17.12.2015, 14:56 Uhr

Weil sie auch nur zwei Marionetten der Wallstreet sind die ihre Befehle ausführen müssen genauso wie ihre Vorgänger davor.

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