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21.02.2013

10:28 Uhr

Felix Zulauf im Interview

„Ich sitze auf Cash“

VonJörg Hackhausen

Die Euro-Krise wird erneut eskalieren. Das sagt Felix Zulauf. Der Schweizer Geldmanager bereitet sich auf einen Einbruch der Börse vor. Noch größer ist aber seine Sorge, dass wütende Bürger auf die Straße gehen könnten.

Der Anlagestratege rechnet nicht damit, dass Griechenland seine Schulden bedienen wird.

Der Anlagestratege rechnet nicht damit, dass Griechenland seine Schulden bedienen wird.

Herr Zulauf, Sie sind bekannt dafür, dass Sie ein feines Gespür für die Märkte haben. Wo stehen wir jetzt?

Wir befinden uns in der letzten Phase einer kräftigen Rally. Ich denke, dass wir in diesem Jahr eine größere Korrektur sehen werden.

Wann?

Das weiß ich nicht. Ich schätze, dass der Optimismus zunächst noch anhalten wird. Möglicherweise sehen wir sogar noch eine Art von Kaufpanik, die die Indizes auf neue Höchststände treibt. Aber spätestens ab dem zweiten Quartal wird es meiner Ansicht nach problematischer.

Wie heftig wird die Korrektur ausfallen?

Ich halte es für realistisch, dass wir Einbrüche von mehr als zehn Prozent sehen werden und in einigen Märkten kann das 20 bis 30 Prozent ausmachen. Dass die Märkte so tief fallen wie 2009, glaube ich allerdings nicht. Wenn ein solcher Einbruch käme, dann wäre das immerhin eine Gelegenheit, um nachzukaufen.

Was könnte den Einbruch auslösen?

Die Märkte erwarten, dass sich die Weltwirtschaft erholt, dass wir die Probleme, die wir haben, überwinden. Ich bin da anderer Meinung. Ich denke, dass sich Konjunktur und Unternehmensgewinne nicht so entwickeln, wie der Markt das erhofft. Wenn klar wird, wie weit Wunsch und Wirklichkeit auseinander liegen, kann das einen Einbruch auslösen. Aber es gibt ja noch zahlreiche andere potenzielle Problemherde, die eine Korrektur auslösen könnten.

Die Politik sagt, das Schlimmste sei überstanden.

Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt. Man hat ein großes Heftpflaster aufgeklebt – aber von Heilung kann keine Rede sein.

Geht es nicht auch mit der Konjunktur langsam wieder aufwärts?

Schauen Sie sich doch die neuesten Konjunkturdaten in Europa an. Da ist doch keine Besserung erkennbar. Die real verfügbaren Einkommen stagnieren, in den Peripherie-Staaten fallen sie sogar. Dadurch sinkt auch die Nachfrage. Ich will nicht mal von Griechenland oder Spanien sprechen, wo die Lage ganz dramatisch ist. Aber selbst in Italien liegt das Bruttoinlandsprodukt acht Prozent unter dem Niveau von vor fünf Jahren – und es fällt immer noch.

An den Finanzmärkten ist zumindest wieder Ruhe eingekehrt.

Das liegt nur daran, dass die Europäische Zentralbank die Notbremse gezogen hat. Sie hat erklärt, bankrotte Staaten und Finanzinstitute zu finanzieren, damit der Euro nicht auseinanderbricht. Das war ein Signal an die Banken, wieder mit vollem Risiko in Staatsanleihen zu investieren - was auch passiert ist. Die Banken haben sich bei der EZB für ein Prozent Geld geliehen, damit haben sie Anleihen von Spanien oder Italien mit einem Zins von fünf, sechs oder sieben Prozent gekauft. Ein großartiges Geschäft für die Banken. Schließlich steht die EZB jederzeit bereit, die Risiken zu übernehmen. Die Folge ist, dass die Banken jetzt wieder vollgeladen sind mit Staatsanleihen. Letztlich hat man die Probleme nicht gelöst, sondern nur verschoben und vergrößert.

Kommentare (45)

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Wutbuerger

21.02.2013, 10:57 Uhr

Auch in Deutschland wird mal bald gegen die Berliner Blockparteien auf die Strasse gehen. Weltsozialamt für die EU. Roma und Sinti bei uns zur kulturellen Bereicherung . Die Zukunft deutscher Städte. Berlin oder das Ruhrgebiet ist schon genug verkommen. Wie blöd sind die Bundesbürger eigentlich ?

Heidi

21.02.2013, 11:02 Uhr

Das Grundproblem der Euo-Zone ist nicht die unterschiedliche Leistungskraft ihrer Mitglieder.
Das Grundproblem der Euro-Zone ist de facto die "Straße" welche notwendige Anpassungen der Löhne an die jeweilige Produktivität der Volkswirtschaften nicht zulassen will.

Und weil der Aspekt "Straße" das eigentliche Problem ist - wäre wohl Cash das letzte auf was ich setzen bzw. sitzen wollen würde.

R.Rath

21.02.2013, 11:11 Uhr

Ein kluger Mann, der in der komfortablen Lage ist, das sagen zu können, was er denkt. Zulauf hat sehr richtig erkannt, dass das vorgezogene Europrojekt hauptsächlich daran krankt nicht als "Krönung" einer europäische politischen Union instaliert worden zu sein, sondern man es vorgezogen hat zunächst einen Dachstock auf ein Haus zu setzten, das unfertig ist und zudem über Fundamente verfügt, die nicht den Anforderungen genügen, die einem so anspruchsvollen Bau, wie es das Haus Europa sein sollte, entsprechen würden.
Alles was Herr Zulauf prognostisch in Rede bringt, zeugt von einem unabhänigen Geist, der zu einen angemessenen Analyse der Gesamtsituation fähig ist.

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