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31.10.2014

10:28 Uhr

Ferrari

Aktie oder Auto?

VonFrank G. Heide

Ferrari, das ist nicht nur immer ein Traumwagen, das ist auch bald eine Aktie. Ein gutes Investment, oder will man uns was vom Pferd erzählen? Eine so fiktive wie erwartbare Investmententscheidung aus dem Auto-Ressort.

Ein Traum in Rot: Der Ferrari 458 Italia Spider ist dank Klappverdeck auch Herbst-tauglich. Mindestens 222.000 Euro Einstiegspreis sind mitzubringen. Sebastian Schaal

Ein Traum in Rot: Der Ferrari 458 Italia Spider ist dank Klappverdeck auch Herbst-tauglich. Mindestens 222.000 Euro Einstiegspreis sind mitzubringen.

DüsseldorfEin typisches Erste-Welt-Problem: Wir haben 200.000 Euro übrig, und das Motto heißt wie beim Poker: All in! Zeit, sich einen Traum zu erfüllen – und endlich einen roten Flitzer aus Maranello zu kaufen, von dem man schon als Jugendlicher geträumt hat? Aber Moment mal, Ferrari wird es doch bald auch als Aktie geben. Ist das nicht das bessere Investment?

Infrage kommt angesichts unseres Finanzpolsters nur der Ferrari 458 Italia, er ist quasi das Einstiegsmodell. Ab 194.000 Euro, und für Menschen, die über so etwas profanes wie Geld nicht sprechen.

Traumwagen-Anbeter kennen seine Leistungsdaten auswendig: 570 PS, einer der letzten V8-Saugmotoren seiner Art, F1-Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen, Targadach, 0 auf 100 km/h in 3,4 Sekunden, Spitze 320 km/h, Design, Ausstattung und Sound zum Niederknien, ein klassischer Traum in Rot.

Autotest Ferrari 458 Spider: Ein Traum in Rot

Autotest Ferrari 458 Spider

Ein Traum in Rot

Flach, schnell, laut und vor allem rot: Das kann nur ein Ferrari sein. Mit seinem betörenden V8 schafft es der 458 Spider in die Herzen der Ferraristi. Mit dem Klappdach schafft er es auch durch den Goldenen Oktober.

Und für Menschen, die mindestens 194.000 Euro übrig haben, oder 222.000 Euro für den Spider, ist er sicher jeden Cent wert. Grundvoraussetzung: Man muss ein paar Promille Benzin im Blut mitbringen. Aufgrund des enormen Wertverlustes bei exotischen Sportwagen sowie gewaltiger Unterhaltskosten.

Sicherheitshalber gehen wir mal davon aus, dass der Wagen drastisch an Wert verliert, sobald er beim Händler vom Hof röhrt. Ab diesem Zeitpunkt gibt es zwei große Risiken: Das Objekt der Begierde könnte gestohlen werden.

Oder es könnte wegen lebensbejahend-spaßorientierter Gasfußstellung an der Leitplanke landen. Gegen beide „Investment-Risiken“ können wir uns aber versichern. Nicht mit einem Put-Optionsschein, aber bei der Allianz. Preise nur auf Anfrage.

Genau wie bei der Ferrari-Aktie, die laut Fiat-Chef Marchionne bald an die Börse kommen wird. Deren Preis kennt auch noch niemand, denn der CEO hat angekündigt, dass der fusionierte Fiat Chrysler-Konzern (FCA) seine legendäre Sportwagentochter erst im kommenden Jahr abspalten will. Aber nur zehn Prozent der Ferrari-Aktien sollen auf den Markt kommen, die übrigen Anteile an die FCA-Aktionäre gehen.

Wie viel der Ferrari-Anteil wert ist, kann aber derzeit niemand sagen. Gehandelt werden soll das Papier vor allem in den USA, nur „möglicherweise auch in Europa“, das ist für deutsche Anleger auch nicht gerade ein gutes Kaufargument.

Weitere Unsicherheitsfaktoren: Der IPO-Entscheidung war ein intensiver Machtkampf zwischen dem wenig konfliktscheuen Italo-Kanadier Marchionne und dem langjährigen Ferrari-Chef di Montezemolo vorausgegangen, der am Ende den Kürzeren zog und gehen musste. Marchionne leitet den Sportwagenbauer nun selbst. Aber bei Alfa Romeo und Lancia hat er sich bislang nicht mit Ruhm bekleckert.

Er verspricht, den Kern von Ferrari werde der Chefwechsel nicht verändern. Aber die Besitzverhältnisse des Unternehmens offensichtlich sehr wohl. Tatsache ist, dass der Fiat-Boss für markige Sprüche bekannt ist, - und selbst 2018 als Konzernlenker aussteigt. Wer will uns dann einen vom springenden Pferd erzählen? Mit welcher Strategie? Weitere Risiken also, und die Börse mag Unsicherheit gar nicht.

Sicher ist derzeit nur, dass die Marke in der prestigeträchtigen Formel 1 nicht in der Erfolgsspur fährt. „Ein Ferrari, der auf der Rennstrecke nicht gewinnt, ist kein Ferrari“, moserte Marchionne auf dem Pariser Autosalon. Die Marke wird investieren müssen, um aufzuholen. Keine guten Voraussetzungen, um schnellste Aktie der Welt zu werden.

Kommentare (1)

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Herr Steffen Rupp

31.10.2014, 11:21 Uhr

Bei Porsche war die Aktie jedenfalls seit 2008 das bessere Engagement....

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