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23.12.2013

15:05 Uhr

Finanzexperte einmal anders

„Beim Gitarrespielen kann ich die Sau rauslassen“

VonKatharina Schneider

Als Crashprophet wurde er bekannt, doch Max Otte liebt nicht nur Aktienkurse, sondern auch seine E-Gitarren. Im Interview erklärt er, warum Gelassenheit so wichtig ist und Anleger genau jetzt auf Aktien setzen sollten.

Der Crash-Prophet

Max Otte: „Da kann man sich so richtig austoben“

Der Crash-Prophet: Max Otte: „Beim Gitarre spielen lass ich die Sau raus“

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Warten aufs Christkind einmal anders, ohne Krippenspiel, ohne Plätzchenbacken, ohne Knabenchor – dafür aber mit einem aktuellen Blick auf den Politikzirkus, heißen Tipps für das Aktienjahr 2014 und Crash-Prophet Max Otte an der E-Gitarre. In seinem Büro in Köln-Lindenthal fehlt es auch kurz vor den Festtagen an Weihnachtsschmuck, doch der Professor stimmt ein paar weihnachtliche Akkorde an. „We wish you a merry Christmas“

Herr Otte, als Wirtschaftsprofessor und Vermögensverwalter kennt man Sie. Aber was bedeutet Ihnen das Gitarre spielen?
Gitarre spielen ist für mich eine echte Entspannung, ich habe früher in einer Band gespielt. Im Moment geht es nicht, aber dabei kann man so richtig die Sau rauslassen, kann sich austoben und da ist man ein Team. Sport mach ich auch ganz gerne – wenn auch im Moment nicht genug. Aber mit anderen Musik zu machen ist wirklich was Tolles.

Wie kamen Sie zu diesem Hobby?
Ich spiele seit ich etwa zehn war. Meine Eltern haben viel Wert auf musikalische Erziehung gelegt. Für ein Klavier hat das Geld nicht gereicht, deshalb ist es die Gitarre geworden, zunächst musste ich an der klassischen Gitarre lernen. Später konnte ich dann meiner Leidenschaft frönen und habe mir eine E-Gitarre gekauft. Mein Liebling ist die Telecaster, die erste E-Gitarre, die jemals gebaut wurde. Sie ist sehr brillant, ehrlich, sehr direkt, eine Bluesgitarre, die beispielsweise auch Keith Richards, Andy Summers und Bruce Springsteen spielen.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise blieb Ihnen für Musik wahrscheinlich besonders wenig Zeit. Wie sieht es aktuell aus, sind wir aus dem Schlimmsten raus und gründen Sie bald eine neue Band?
Wir sind nicht aus dem Schlimmsten raus, wir haben zwar die Panik vermieden, aber, durch die ganzen Maßnahmen, die wir getroffen haben, rutschen wir in einen Kontrollstaat, die Märkte werden überwacht, die Bürgerinnen und Bürger werden überwacht, wir rutschen so in einen schleichenden Systemwandel. Das macht mir Sorgen und deswegen werde ich tatsächlich hoffentlich bald wieder Musik machen, um mir die Sorgen von der Seele zu spielen.

Was Kunden, Banker und Regierung tun sollten

Handlungsempfehlung für Kunden

Was müssen Privatkunden beachten, damit sie sich für das richtige das richtige Finanzprodukt abschliessen? Elf Vorschläge von Julius Reiter, Professor für Banking & Finance an der FOM-Hochschule für Oekonomie und Management und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf.

Verbesserung des Finanzproduktverständnisses

Kunden müssen alle Konsequenzen im Rahmen eines Finanzgeschäfts beurteilen können. Ist dies nicht gegeben, sollten sie auf den Vertragsabschluss verzichten.

Überprüfung der Vertragsdetails

Kunden profitieren bei der Auswahl des geeigneten Finanzprodukts von einer kritischen Prüfung des Vertragswerks. Kunden gewinnen langfristig, wenn sie neben den Chancen und Risiken auch die Gebührenstruktur eines Finanzprodukts kritisch beim Erwerb hinterfragen.

Umgang mit persönlichen Daten

Kunden sollten kritisch hinterfragen, welche Informationen sie dem Finanzberater preisgeben. Weiterhin sollten sie den Umgang mit ihren persönlichen Daten, insbesondere im Internet, restriktiv handhaben. Öffentlich zugängliche personenbezogene Daten können von der Finanzbranche strategisch und in der Beratung verkaufspsychologisch genutzt werden.

Handlungsempfehlung für Banken

Banken sollten für eine erfolgreiches wirtschaften folgende Ratschläge beachten.

Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinen sind im Kaufentscheidungsprozess für Bankkunden eine wichtige Informationsquelle. Eine Suchmaschinenoptimierung erscheint erforderlich, um Kunden entsprechende Informationen zur Verfügung stellen zu können.

Abstimmung des Filial- und Internetangebots

Banken profitieren von einem auf das Kundenbedürfnis ausgerichteten Angebot im Internet. Die Optimierung des Vertriebsweges Internet bei gleichzeitiger Abstimmung mit lokalen Angeboten erscheint sinnvoll.

Optimierung der Vergütungsstruktur

Die Gruppe der Selbstentscheider und der Online-Käufer wächst. 25% der Kunden lassen sich in Banken und bei Finanzdienstleistern beraten, kaufen aber die Finanzprodukte im Anschluss online. Dies steht im Zusammenhang mit gestörtem Vertrauen in die Unabhängigkeit und Kompetenz der Finanzberatung. Entlohnungssysteme im Rahmen der Beratung sollten überprüft und die Qualität der Beratung gegenüber den Kunden deutlicher herausgestellt werden.

Handlungsempfehlung für Gesetzgeber

Juristen sollten die sich nachfolgenden Tipps zu Herzen nehmen.

Reduzierung Vertragskomplexität bei Finanzprodukten

Die Transparenz bei Finanzprodukten ist nicht gegeben. Die Komplexität sollte reduziert und die Transparenz, insbesondere in Bezug auf Kosten und Provisionen, muss erhöht werden. Bei gesetzlicher Verpflichtung der Anbieter zur Offenlegung aller Kosten einer Kapitalanlage in Euro und Cent könnte der Anleger unter Berücksichtigung dieser Kosten von sich aus prüfen, welcher absolute Betrag seiner Anlagesumme überhaupt in die Substanz des Produktes fließt und wie viel „weiche Kosten“ keinem Gegenwert entsprechen.

Unabhängige Beratung fördern

Der Trend zum Selbstentscheider und Online-Kauf bei Finanzprodukten nimmt zu. Dies steht im Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in die Finanzberatung. Ein Fünftel der Befragten kann sich unter Honorarberatung, also unabhängiger Beratung ohne Provisionsvergütung, nichts vorstellen. Es sollte durch den Gesetzgeber ein Berufsbild des Honorarberaters mit qualifizierter Berater-Ausbildung und verbindlichen Qualifikationsanforderungen etabliert werden. Die Verpflichtung für Anbieter, Finanzprodukte als Alternativangebot mit provisionsfreien Nettotarifen anzubieten, könnte den Markt für unabhängige Beratung fördern.

Finanzbildung

Die Finanzbildung sollte als fester Bestandteil in die Schulausbildung integriert werden.

Um ein Instrument zu beherrschen, muss man viel üben, gibt es da aus Ihrer Sicht Parallelen zur Börse?
Wie in der Musik gibt es auch an der Börse ein paar geniale Autodidakten, aber es hilft sehr, wenn man Unterricht gehabt hat und das Handwerkszeug beherrscht. Und dann heißt es üben, üben, üben.

Was genau sollten Anleger können?
Es klingt banal, ist aber wichtig: Er muss Bilanzen lesen, Branchendynamiken erkennen, die ganze BWL hoch und runter. Das ist wie beim Gitarre spielen, da muss man schon Notenlesen können und Akkorde erkennen. Deswegen ist die differenzierte Aktienauswahl auch nichts für Privatanleger. Früher habe ich das noch anders gesehen, aber ohne Finanzmathematik geht es einfach nicht.

Kommentare (8)

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tja

23.12.2013, 15:22 Uhr

Mit einer E-Guitarre im Biedermeier-Environment kann man auch so richtig die Sau raus lassen.

Sponsored_by_Stupid_German_Money

23.12.2013, 15:33 Uhr

Und wer hats bezahlt? Sein neuer Fonds alleine hat eine TER von 1,9% p.a. + erfolgsabhängige Vergütung.

Den MSCI World hat er aber leider nicht geschlagen.

Account gelöscht!

23.12.2013, 15:49 Uhr

Dem ist auch nix zu blöd. Hauptsache im Gespräch bleiben...

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