Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2016

11:41 Uhr

Finanzexpertin Sandra Navidi im Interview

„Ich habe Soros erlebt, als er 100 Millionen verlor“

VonJessica Schwarzer

Sandra Navidi kennt die Supermächtigen der Finanzwelt. Sie weiß, wie die Herren des Geldes ticken. Die Finanzexpertin erklärt, warum dieser Männerclub zwar einflussreich ist, aber längst nicht so gefährlich wie gedacht.

Die Finanzexpertin gibt ihn ihrem Buch Super-hubs einen tiefen Einblick in die Finanzelite. Michael Englert

Sandra Navidi

Die Finanzexpertin gibt ihn ihrem Buch Super-hubs einen tiefen Einblick in die Finanzelite.

Düsseldorf sei doch immer wieder schön, sagt Sandra Navidi beim Besuch in der Handelsblatt-Redaktion. Die Finanzexpertin ist auf Heimatbesuch in Mönchengladbach. Seit 16 Jahren lebt sie in New York, arbeitet an der Wall Street und kennt die Großen und Mächtigen der Finanzwelt. Navidi bezeichnet sie als „Super-Hubs“ – als die Knotenpunkte im Netz der weltweiten Finanzelite. In ihrem Buch gleichen Titels beschreibt die Juristin, wer sie sind, was sie auszeichnet und welche Macht sie haben.

Frau Navidi, in Ihrem Buch „Super-Hubs“ geben Sie einen Einblick in die verschlossenen Zirkel der Männerelite aus der Finanzszene. Wie haben die Herren darauf reagiert?
Ich habe das Buch Blackstone-Chef Steve Schwarzman und Investor George Soros geschickt. Gerade bei Schwarzman hatte ich ein bisschen Angst, denn das Buch enthält ein paar Stellen, die für ihn nicht besonders schmeichelhaft sind. Aber er hat es innerhalb von zwei Tagen gelesen und hat mir geschrieben, dass er das Buch super findet. Und dann hat er es direkt und ohne mich zu fragen an den Dean der Harvard Business School, Nitin Nohria, weitergeschickt. Auch Larry Summers werde ich das Buch noch geben, eigentlich fast allen Super-Hubs, die darin vorkommen. Hachette – der Verlag, der die weltweiten englischen Rechte erworben hat – hat das Buch auf UK- und US-Recht prüfen lassen. Ein paar Stellen musste ich glätten, aber ansonsten gab es keine größeren Klippen. 

Überrascht Sie das?
Ich habe das Gefühl, dass die Protagonisten meine Beschreibung okay finden. Schwarzman hat sie als „grandiose Porträts“ bezeichnet. Er fand die Darstellung der zum Teil etwas speziellen Persönlichkeiten amüsant – er kennt sie ja alle noch viel besser als ich. Die meisten Leute fühlen sich geschmeichelt, wenn man über sie schreibt und die „Super-Hubs“ wissen, dass ein Portrait auch negative Seiten enthalten muss, wenn es glaubhaft sein soll. Außerdem sind sie Kritik gewohnt und die Missstände sind Fakt, die können auch sie nicht verleugnen. Sensible Dinge etwa über Familien, besonders Kinder, oder Sensationsklatsch habe ich nicht erwähnt.

Was ist überhaupt ein „Super-Hub“?
Ein „Super-Hub“ ist der bestvernetzte Mittelpunkt eines Netzwerks. Netzwerke haben immer die gleiche Konstruktion, egal ob es um unsere Umwelt, unser Gehirn oder eben die Finanzwelt geht. Ein Netzwerk besteht aus einzelnen Knotenpunkten, und diejenigen von ihnen, die die meisten Verbindungen haben, rücken immer mehr in die Mitte. Grundsätzlich verbinden sich Knotenpunkte in allen Systemen am liebsten mit anderen Knotenpunkten, die schon viele Verbindungen haben. Viele Verbindungen bedeuten eine höhere Überlebenschance. Deshalb bekommen die, die schon viele haben, überproportional noch mehr dazu, eine Dynamik, die auch das „Die-Reichen-werden-noch-reicher“ Phänomen genannt wird. Aber nochmal, das ist in jedem System so, zum Beispiel auch in der Biologie, der Name passt halt nur gerade in der Finanzwelt wie die Faust aufs Auge. Den Begriff „Super-Hubs“ habe ich mir nicht ausgedacht, der stammt aus der Netzwerkwissenschaft. Übertragen auf die Finanzwelt sind das die Finanzpolitiker, Banker, Finanziers – die Schäubles, Weidmanns, Achleitners, Ackermänner. Sie sind mit allem und jedem weltweit verbunden und haben besten Zugang zu Informationen und Geschäftsmöglichkeiten. Durch ihre beruflichen und privaten Verstrickungen potenzieren sie ihre Macht noch und können das System so in ihrem Sinne beeinflussen.

Planen die Super-Hubs, so mächtig zu werden?
Da steckt kein finsterer Masterplan dahinter, sondern das sind Gesetzmäßigkeiten, die man so überall in jeder Kleinstadt, an jeder Schule jedem Verein oder anderem System beobachten kann. Daraus folgt dann aber auch, dass man dem entsprechende Regulationsmechanismen entgegensetzen muss, wie zum Beispiel mehr personelle Diversifizierung, die Einführung von Ethikkodizes, Transparenz und „öffentliche Ächtung“ von Fehlverhalten, gerechtere Entlohnungsstrukturen, die Trockenlegung von Steueroasen … die Liste ist lang.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Toni Ebert

28.07.2016, 11:50 Uhr

Sehr guter Artikel über eine Welt, die ich nicht wirklich kenne. Aber Rotkäppchen und der Wolf spricht mich mehr an, denn etwas Wahres muss einfach dabei sein, wenn man eine Geschichte schreibt.

Baron v. Fink

28.07.2016, 11:54 Uhr

 Das Buch hat sie mir auch geschickt, ich habe es meinen Diener zum lesen gegeben.
Man hat ja nicht für alles Zeit insbesondere, wenn die Schiffe Geld bringen, irgendwer muss den Zaster auch noch zählen, da bleibt kaum Zeit für politische Bildung. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Herr Moritz J. Mueller

28.07.2016, 12:29 Uhr

Diese „Super-Hubs“ haben nur leiden völlig den Blick für die reale Welt, wie sie sich heute darstellt und zudem Ergebnis ihres Treibens (welches auch noch, durch Verlegenheit seitens der Politik und der Zenralbanken getützt wird), verloren. Am Ende wird aber auch sie die Realität einholen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×