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16.10.2012

13:11 Uhr

Finanzmärkte

Warum sich Aktien trotzdem lohnen

VonJörg Hackhausen

Die Euro-Krise: ungelöst. Die USA: mitten im Schuldensumpf. China: Wachstum schwächelt. Die Welt steuert auf die nächste große Krise zu. Wir stellen die größten Risiken vor - und warum die Börsen trotzdem steigen.

Börsenhändler in New York: Rettung in letzter Minute? dapd

Börsenhändler in New York: Rettung in letzter Minute?

Mit rechten Dingen geht das nicht zu. So denken viele, die nicht gleich umschalten, wenn kurz vor der Tagesschau die Börsenberichte im Ersten laufen. Erstaunlich häufig berichteten  die Moderatoren in den vergangenen Wochen von steigenden Aktienkursen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte auf Sicht von drei Monaten um zehn Prozent zu. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass die Nachrichten sonst wenig Anlass zum Jubeln geben. Zählen Sie nur mal mit, wie häufig das Wörtchen „Krise“ genannt wird, kaum ein Beitrag über Europa oder die Weltwirtschaft kommt ohne aus.

Man könnte es sich einfach machen, und sagen: Die Börse hat jeden Bezug zur Realität verloren. Nur noch Zocker sind dort unterwegs. Gerade in Deutschland ist diese Meinung populär. Die Deutschen misstrauen der Börse. Aktien sind ihnen suspekt. Wenn die Kurse steigen, fürchten sie den nächsten Absturz; wenn die Kurse fallen, wollen das alle schon vorher gewusst haben.

Diese "Turnaorund"-Wetten haben funktioniert

Wette 1

Pro Sieben Sat 1. galt Anfang 2009 als sicherer Pleitekandidat. Zu hoch verschuldet, keine Wachstumsperspektiven. Die Aktie rutschte auf 0,90 Euro ab. Mittlerweile, rund drei Jahre später, kosten die Papiere wieder mehr als 18 Euro. Zeitweise notierte die Aktie sogar bei mehr als 25 Euro.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,90 Euro

Aktienkurs heute: 18 Euro

Wette 2

Hugo Boss hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Pro Sieben Sat 1. Bei beiden Unternehmen stieg einst Finanzinvestor Permira ein. Den Kaufpreis durften die MDax-Konzerne freundlicherweise selbst bezahlen, die Schuldenquote stieg. Während der Finanzkrise mieden Investoren Aktien von Unternehmen, die hoch verschuldet waren, auch Hugo Boss. Doch der Modekonzern zahlt seine Schulden pünktlich zurück. Mehr noch: er verdient prächtig.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 8,82 Euro

Aktienkurs heute: 74 Euro

Wette 3

SAF Holland galt lange Zeit als sicherer Pleitekandidat. Die Banken wollten keine Kredite mehr locker machen, der Schuldenstand wuchs. Doch der LKW-Zulieferer hat die Krise überstanden, die Produkte von SAF sind gefragt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,35 Euro

Aktienkurs heute: 4,60 Euro

Wette 4

Infineon galt einst als die heißeste Wette im Dax. Monatelang bangten die Anleger 2008 und 2009 um den Chiphersteller. Wegen der Finanz- Und Wirtschaftskrise verbrannte Infineon das Geld in Windeseile. Wer damals an das Unternehmen glaubte, wurde reich belohnt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,39 Euro

Aktienkurs heute: 5,50 Euro

Wette 5

Continental wurde voll von der Finanzkrise, die zu einer Krise der Autoindustrie wurde, erwischt. Banken taten sich bei der Finanzierung schwer, der Aktienkurs rutschte. Schnäppchenjäger griffen zu.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 10,99 Euro

Aktienkurs heute: 80 Euro

Wette 6

Villeroy & Boch ist in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Der Hersteller von Badezimmer-Ausstattungen musste eine Millionenstrafe wegen Preisabsprachen bezahlen, der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Wer einstieg, hat alles richtig gemacht

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 3,10 Euro

Aktienkurs heute: 7,50 Euro

Die kleine Börsenrally der vergangenen Wochen ist an den Privatanlegern völlig vorbeigegangen. Das belegen Zahlen von Comdirect. Die Online-Bank wertet regelmäßig die Depots ihrer Kunden aus. Ergebnis: Die Bereitschaft, Aktien zu verkaufen, war zuletzt deutlich höher, als die Lust zu kaufen. „Die Privatanleger misstrauen der aktuellen Entwicklung – auf große Einkaufstour gehen derzeit nur wenige“, sagt Stefan Wolf, Produktmanager bei Comdirect. Ein Großteil der Anleger sehe keine begründete Basis für eine weitere solide Entwicklung. „Von einem langfristigen Engagement in Aktien sehen viele daher derzeit ab“, meint Wolf.

Fest steht: Es gibt gute Gründe, skeptisch zu sein. Und trotzdem könnten diejenigen, die zu vorsichtig sind, am Ende die Dummen sein. Auf den folgenden Seiten stellen wir die größten Risiken für die Börsen vor – und einen Grund, warum sich Aktien trotzdem lohnen.

Kommentare (12)

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financehai

16.10.2012, 13:31 Uhr

Der "Apparat" wird seit konkret September 2012 monatlich mit 40 Mrd. USD aufgepumpt. Aufgepumpt. Nichts anderes ist es. Es beruht nicht auf real wachsender Nachfrage. WOHER soll diese denn in den Industrieländern kommen: [...]. Woher soll das Wachstum kommen? Einzig real widerspiegelnde und sicherste Aktie der Welt ist NESTLÈ. Der DAX müsste auf 1.500 herunterkrachen. DANN wäre ein reales Einstiegssignal existent. Denn die Gegenkorrektur würde erfreulich-massiv werden. Nun kommt auch noch Finanztransaktionssteuer als Vorab-Abgabe hinzu. Zur Abgeltungssteuer. All das wird "gekrönt" von Methoden der Hochfrequenz, die private Anleger immer hinten reiht in Kauf- und Verkauf. Private machen über Lang-Kurz eher/meistens VERLUSTE WEIL sie nachgereiht werden bei Börsenaufträgen!!! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

super_mario

16.10.2012, 14:09 Uhr

Dem kann ich mich nur anschließen
Die Kurse werden nur künstlich hoch manipuliert, mit Realität hat das nichts zu tun.
Jeden Tag hört man neue negative Nachrichten und die Kurse steigen das passt nicht zusammen und wir mit Sicherheit früher oder später im absoluten Fiasko enden.

Weiterhin_viel_Erfolg

16.10.2012, 14:26 Uhr

Kinder, 1999/2000 war's nicht anders ... ist halt nur die Frage, wie lange sich das Lügen-Gebilde halten kann ... der Rest ergibt sich dann von alleine.

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