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28.06.2015

12:30 Uhr

Finanzstabilität in Gefahr

BIZ fordert Kurswechsel in der Geldpolitik

VonHolger Alich, Torsten Riecke

Notenbanken sollen sich verstärkt um die Sicherheit der Finanzstabilität kümmern, fordert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Zudem hat sie einen neue Gefahrenherd für die Märkte entdeckt.

Der BIZ-Chef geht mit der Politik der Notenbanken hart ins Gericht. AFP

Jaime Caruana

Der BIZ-Chef geht mit der Politik der Notenbanken hart ins Gericht.

BaselDie Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) fordert einen deutlichen Kurswechsel in der Geldpolitik. In einem exklusiven Interview mit dem Handelsblatt (Montagausgabe) sprachen sich BIZ-Chef Jaime Caruana und der Leiter der Abteilung für Geld- und Wirtschaftsfragen, Claudio Borio, dafür aus, die Sicherung der Finanzstabilität notfalls im Mandat der Notenbanken zu verankern. „Eine Änderung des Mandats wäre sicherlich das letzte Mittel. Sie darf aber auch kein Tabu sein. Die Weltsicht der Notenbanker ist wichtiger als ihr Mandat“, sagte Borio.

Seit Jahren mahnt die BIZ vor den Folgen der lockeren Geldpolitik. Doch bisher verweigern die Mitglieder ihrer „Notenbank der Notenbanken“ die Gefolgschaft. Statt die Zinsen anzuheben sind sie weltweit auf neue Rekordtief gefallen, einige Länder wie die Schweiz haben gar Negativ-Zinsen eingeführt. Angesichts dieser Entwicklung geht die BIZ nun einen Schritt weiter und bringt eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen für die Geldpolitik ins Spiel, damit Finanzstabilität endlich als gleichberechtigtes Ziel der verankert wird.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Die Forderung der BIZ kommt einem Paradigmenwechsel gleich. Denn bislang behaupten die meisten Notenbanker, dass die Geldpolitik zur Bekämpfung von Spekulationsblasen auf den Finanzmärkten ungeeignet ist und beharren darauf, dass sogenannte „makroprudentielle“ Mittel der Finanzsicht ausreichen, um die Finanzwelt stabil zu halten. Die jüngsten Exzesse auf den Aktien,- Anleihe und Immobilienmärkten haben jedoch die Debatte über die Finanzstabilität neu belebt.

Die BIZ macht für das Auf und Ab auf den Finanzmärkten ausdrücklich auch die lockere Geldpolitik der Notenbanken verantwortlich. Die Baseler „Zentralbank der Zentralbanken“ schreibt in ihrem neuen Jahresbericht, dass der Grund für die jüngsten Finanzkrisen „zu einem erheblichen Teil in dem Unvermögen liegen dürfte, die finanziellen Auf- und Abschwünge in den Griff zu bekommen.“ Gemeint sind damit nicht nur die Finanzpolitiker, sondern vor allem auch die Notenbanker.

Kommentare (1)

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Herr x y

29.06.2015, 09:04 Uhr

Das hätte schon vor fünf Jahren kommen müssen. Was hat die BIZ solange getan außer zu schlafen?

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