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07.10.2015

16:09 Uhr

Finanzstabilitätsbericht des IWF

Die drei wesentlichen Risiken für die Märkte

VonMichael Maisch

Der Internationale Währungsfonds warnt vor neuen Risiken für das Finanzsystem, die im Extremfall das Wachstum der Weltwirtschaft massiv belasten – und gibt den großen Notenbanken gleich etliche Hausaufgaben mit.

Die internationalen Märkte sind anfällig für Schocks, warnt der Internationale Währungsfonds. dpa

Kurstafel in Schanghai

Die internationalen Märkte sind anfällig für Schocks, warnt der Internationale Währungsfonds.

FrankfurtJosé Viñals versucht gar nicht erst hübsch zu verpacken, was er zu sagen hat: „Ich habe eine Hauptbotschaft, und die lautet, dass die Stabilität des globalen Finanzsystems noch immer nicht gesichert ist, und dass die Abwärtsrisiken vorherrschen“. Mit diesen wenig optimistischen Worten stellte der Chef der Kapitalmarktabteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF) den aktuellen Bericht zur Finanzmarktstabilität vor.

Viñals sieht drei wesentliche Risiken für die Märkte: Die größten Sorgen macht sich der IWF über die wachsenden Risiken in den Schwellenländern. Inzwischen gehe dort das Wachstum bereits im fünften Jahr in Folge zurück, dazu kommt der massive Preisverfall an den Rohstoffmärkten und das Ende „eines nie dagewesenen“ Kreditbooms. Nach Einschätzung des IWF haben die Banken in den Emerging Markets bis zu drei Billionen Dollar mehr verliehen, als gut für sie wäre.

Die Risiken für das Weltfinanzsystem

Verwundbarkeit der Emerging Markets

Viele Wachstumsnationen hatten in der Vergangenheit durch flexiblere Wechselkurse, höhere Währungsreserven und eingeworbene Direktinvestitionen ihre Lage verbessert. Doch die Bilanzen von Firmen und Banken sind mittlerweile strapaziert, vor allem China steht an einem Wendepunkt – hinzu kommt ein schwer verdaubarer Preissturz bei Rohstoffen.

Die Lasten der Vergangenheit

Vor allem in den Industrienationen sind die Folgen der Finanzkrise noch nicht ausgestanden. Die staatliche und private Verschuldung ist hoch und die Euro-Zone zeigt Schwächen in ihrer Architektur. Die Lösung dieser Herausforderungen steht noch aus.

Geringe Marktliquidität

Die anhaltend niedrigen Zinsen haben zu einem Schrumpfen von Risikoaufschlägen geführt – sowohl bei Staatanleihen als auch bei Firmenbonds und anderen Wertpapieren. Dadurch sind die Märkte anfälliger für heftigere Kursschwankungen geworden. Solche Ausschläge gab es jüngst bereits zu beobachten.

Quelle

Internationaler Währungsfonds, Globaler Finanzstabilitätsbericht Oktober 2015

Erst am Dienstag hatte die Wachstumsflaute in den Schwellenländern den IWF dazu veranlasst, den Ausblick für das globale Wachstum 2015 auf 3,1 Prozent zu senken, gegenüber der Juli-Prognose von 3,3 Prozent.

Vor allem China sehen Viñals und seine Kollegen vor einer delikaten Aufgabe. Die Volksrepublik müsse nicht nur ihr Wachstumsmodell von Export in Richtung Konsum umbauen sondern gleichzeitig die hohe Verschuldung abbauen und die marktwirtschaftlichen Reformen vorantreiben. Das chinesische Wirtschaftswachstum werde 2016 mit 6,3 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren fallen, prognostiziert der neue Chefvolkswirt des IWF Maurice Obstfeld.

Aber auch den Industriestaaten geben Viñals und seine Kollegen Hausaufgaben mit auf den Weg. Die USA und Europa müssten die Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise dringend weiter vorantreiben. Dabei gehe es vor allem um die Anfälligkeit von Staaten und Banken gegenüber neuen Schocks.

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Große Sorgen macht sich der IWF auch um die die schwindende Liquidität an den Märkten und die dadurch verstärkte Anfälligkeit für Schocks. Die ultralockere Geldpolitik der Notenbank habe dazu geführt, dass die Risikoprämien rund um den Globus und quer durch alle Vermögensklassen massiv geschrumpft sind, jetzt befürchten die IWF-Experten, dass sich diese Prämien schlagartig wieder ausweiten könnten die Folge wäre „ein Teufelskreis aus Notverkäufen, Rückzug der Investoren und steigender Volatilität.“

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