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12.04.2013

11:29 Uhr

Finanzwächter

Was Bundesbanker auf dem Konto haben

VonMartin Dowideit

ExklusivWer den Bewerbungsprozess der Bundesbank übersteht, erhält nicht nur einen Zuschlag aufs Gehalt – es lockt auch ein kostenloses Konto bei der Bank in der Notenbank. Alles über Deutschlands exklusivstes Geldhaus.

Der durchschnittliche Kontostand eines Bundesbank-Mitarbeiters.

Der durchschnittliche Kontostand eines Bundesbank-Mitarbeiters.

DüsseldorfEs sind 3582 Finanzinstitute, die in Deutschland von der Bundesbank überwacht werden. Fast 3000 Aufsichtsgespräche führten die Beamten der Frankfurter Zentrale und ihrer Außenstellen im vergangenen Jahr im ganzen Land. Doch für Deutschlands exklusivste Bank ist kein Termin in den Kalendern der Finanzwächter vermerkt.

Dabei wäre der Dienstweg kurz, denn das exklusive Geldhaus hat seinen Sitz in der Zentrale der Notenbank in Frankfurt: Es ist die Bank in der Notenbank. Wer dort ein Konto eröffnen will, muss ein strenges Bewerbungsverfahren über sich ergehen lassen. Denn nur Mitarbeiter und Ehemalige erhalten das Privileg – zusätzlich zu einer Zulage von bis zu neun Prozent auf reguläre Beamtengehälter.

Die Bundesbank im Überblick

Aufgaben

Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die Zentralbank und damit die "Bank der Banken" - bei ihr müssen Banken Mindestreserven einzahlen, um ihr Bankgeschäft betreiben zu dürfen.

Im Auftrag der EZB werden auch Überweisungen abgewickelt und Bargeld gedruckt und verteilt.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Überwachung von Banken und ihren Geschäften sowie die Beobachtung der Großwetterlage der Konjunktur und Finanzmärkte.

Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB)

Die Bundesbank ist die bedeutendste Notenbank im Euro-Raum mit einem Anteil am eingezahlten Kapital der EZB in Höhe von etwas mehr als 27 Prozent. Viele Dienstleistungen wie der Aufkauf von Staatsanleihen oder die Lagerung von Bargeld-Notreserven erfolgen im Auftrag der EZB.

Jahresüberschuss

Der Überschuss der Bundesbank steht dem Finanzministerium zu. Im Jahr 2012 gab es einen Gewinn in Höhe von 664 Millionen Euro (Vorjahr: 643 Millionen Euro).

Goldbestände

Zu den Währungsreserven der Bundesbank zählen auch Goldbestände. Sie belaufen sich auf 3391 Tonnen und werden von der Bundesbank mit einem Wert von 137,5 Milliarden Euro bilanziert.

Das Gold lagert in Frankfurt (1036 Tonnen), New York (1536 Tonnen), London (445 Tonnen) und Paris (374 Tonnen). Die Goldbestände in Paris sollen nach Deutschland geholt werden.

Mitarbeiter

10.825 Mitarbeiter (9.543 Vollzeitstellen), davon 5417 Beamte und 5408 Tarifbeschäftigte

Standorte

Die Zentrale der Bundesbank ist in Frankfurt. Es gibt außerdem neun Hauptverwaltungen und 41 Filialen, 2011 waren es noch 47 Filialen. Ein weiterer Abbau auf 35 Filialen ist beschlossen – dicht gemacht werden noch Bayreuth, Bremen, Dresden, Gießen, Kiel und Lübeck.

Die Außenstellen sind unter anderem für Bargelddienstleistungen zuständig, entsenden aber auch Prüfer in Banken.

Auf Anfrage von Handelsblatt Online gibt die Bundesbank erstmals Details über die Größe des Bankgeschäfts für die Mitarbeiter bekannt: 21.500 Girokonten führt die Behörde für etwa 10.800 aktuelle Beschäftigte sowie Ehemalige – mit einem Einlagevolumen von 400 Millionen Euro. Im Durchschnitt hat damit jeder Notenbanker 18.600 Euro auf dem Konto. In den 16.100 Depots liegen Wertpapiere im Wert von 350 Millionen Euro (21.700 Euro pro Depot).

„Die hausinterne Konto- und Depotführung ist eine bankenübliche Personaldienstleistung“, schreibt die Bundesbank. Und da die Bundesbank nicht der Überwachung laut Kreditwesengesetz unterstehe, müsse auch das Kontogeschäft nicht überwacht werden.

Jeden Monat werden Gehalt oder Pension auf den Konten gutgeschrieben. Die Mitarbeiter können unter anderem per Online-Banking darüber verfügen – gebührenfrei. „Die Bank berechnet keine Entgelte“, heißt es in den Personalkonto-Bedingungen. Eine Verzinsung von derzeit 0,55 Prozent gibt es zudem für die Kontoguthaben. Dabei orientiere sich die Bank an der Zinsstatistik der EZB.

Größte deutsche Direktbanken nach Kundenzahl

Platz 10

Norisbank

500.000 Kunden (12/2014)

Platz 9

DAB Bank

582.000 Kunden (12/2014)

Platz 8

Advanzia Bank

660.000 Kunden (10/2015)

Platz 7

BMW Bank

770.000 Kunden (Ende 2012)

Platz 6

Consorsbank

843.000 Kunden (09/2015)

Platz 5

Mercedes-Benz Bank

1,112 Millionen Kunden (12/2014)

Platz 4

Volkswagen Bank

1,184 Millionen Kunden (12/2014)

Platz 3

Comdirect Bank

1,957 Millionen Kunden (08/2015)

Platz 2

DKB, Deutsche Kreditbank AG

3,16 Millionen Kunden (09/2015)

Platz 1

ING-Diba

7,975 Millionen Kunden (12/2015)

Quelle

modern-banking.de, Stand: Ende 2015

Und als der griechische Schuldenschnitt auch deutsche Anleger aufschreckte, weil bei mancher Direktbank wegen des Umtauschs der Papiere in viele Einzeltitel heftige Gebührenzahlungen anfielen, konnten sich betroffene Bundesbanker zurücklehnen: „Depotgebühren für Sonderleistungen (…) z.B. [für] Umtausch von Wertpapieren (…) werden nicht berechnet“, heißt es in den Depot-Bedingungen.

Kommentare (25)

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Murmel68

12.04.2013, 11:44 Uhr

Der Autor macht etwas falsch, wenn er für sein Gehaltskonto noch Gebühren zahlt und dann auch noch nicht online-Banking macht

kraehendienst

12.04.2013, 11:46 Uhr

"...es lockt auch ein kostenloses Konto bei der Bank in der Notenbank..." - WEN bitte lockt das heute noch hinter einem verstaubten Ofen hervor??? In Zeiten kostenloser Direktbankkonten? Da lockt ein Mrd-Gewinn auf eine Offshore-Insel eher - dorthin! RAUS AUS DER EU! WEG VOM EURO!

Account gelöscht!

12.04.2013, 12:15 Uhr

oh Handelsblatt, oh Handelsblatt

Quo Vadis?


Was soll uns dieser Artikel sagen?
Ist es nun schon der Neidhammel des Herrn Dowideit oder ein Lückenfülle, weil sonst die Internetseite leer wäre?

Es wird für mich immer anstrengender die gedruckte Version des HB zu lesen aber vor allem die Internetseite.

Die Qualität fehlt diesem Blatte mittlerweile.

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