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03.02.2016

18:10 Uhr

Fintech des Jahres

Ein Bankenhelfer und ein bisschen Korea

VonKatharina Schneider

In Frankfurt wurde das Fintech des Jahres gekürt: Gini nimmt Bankkunden das lästige Abtippen von Rechnungsdaten ab. Ein zweiter Preisträger will die Altersvorsorge revolutionieren, gab sich aber auch geheimnisvoll.

Fintechs krempeln die Bankbranche um.

Finanzen und Technologie

Fintechs krempeln die Bankbranche um.

FrankfurtJede Branche vergibt seinen Preis – da dürfen junge Finanztechnologie-Unternehmen natürlich keine Ausnahme sein. Am Dienstagabend wurde zum zweiten Mal das Fintech des Jahres gekürt. Initiiert hat den Preis André Bajorat, der von manchen schon als Fintech-Guru bezeichnet wird und selbst das Hamburger Unternehmen Figo führt.

Gemeinsam mit einer Jury kürte er das Münchener Start-up Gini zum Sieger. Es habe innerhalb von zwei Jahren eine Technologie entwickelt, die jetzt schon von nahezu allen großen Banken genutzt werde, lobte Bajorat. Gini „versteht Dokumente in Echtzeit und bekämpft Papierkram“, so das Versprechen. Dahinter steckt eine sogenannte semantische Analyse. Die Software erfasst die Bedeutung von Wörtern und Zahlen in Schriftstücken.

Die Lieblinge unter den Fintechs

Stripe

Der Zahlungsabwickler mit Hauptsitz in San Francisco richtet sich insbesondere an kleinere Unternehmen. Die Software ermöglicht es Händlern, in ihrer App oder auf ihrer Internetseite eine Bezahlfunktion einzurichten. Stripe gilt als Übernahmekandidat von Paypal. American Express und sechs weitere Topinvestoren sind dabei.

Fundersclub

Über den Onlinemarktplatz können Investoren Eigenkapital an einen Fonds geben, der dann in private Firmen investiert. Das Ergebnis bewirbt das Fintech aus San Francisco so: Unternehmen bekommen das Kapital, das sie brauchen, und Geldgeber bekommen Zugang zu neuen Investments. Intel ist einer der sechs Topinvestoren.

iZettle

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stockholm ist nach eigenen Angaben Europas Mobile-Payment-Marktführer. Es bietet mobile Kartenlesegeräte für Smartphones und Tablets und richtet sich besonders an kleinere Unternehmen. Über eine App können Unternehmer ihre Verkäufe nachverfolgen und ihre Buchführung erledigen. Mastercard zählt zu den fünf Topinvestoren.

Robinhood

Der Onlinebroker mit Sitz in Palo Alto ermöglicht provisionsfreien Aktienhandel. Bisher ist die App nur in den USA verfügbar. Der Handel umfasst überwiegend Aktien von Unternehmen, die in den USA gelistet sind, sowie ETFs. Google Ventures und vier andere Topinvestoren sind dabei.

Upstart

Die Plattform mit Sitz in Palo Alto bringt Kreditnehmer und -geber zusammen. Beim Prüfen der Kreditwürdigkeit stützt sich das Unternehmen nicht allein auf Scores von Kreditbüros wie Fico und die bisherige Kredithistorie, sondern bezieht auch Informationen zu Ausbildung und Beruf des Kreditnehmers in die Bewertung ein. Google Ventures und vier weitere Topinvestoren haben investiert.

Coinbase

Das Unternehmen aus San Francisco bietet eine Geldbörse – Englisch „wallet“ – für die digitale Währung Bitcoin. Zudem ermöglicht es den Kauf- und Verkauf von Bitcoins. Dabei werden Beträge von herkömmlichen in die digitale Währung umgewandelt. In Deutschland ist nur die Wallet-Funktion verfügbar, das Geldwechseln aber nicht. Fünf Topinvestoren sind an Bord.

Zum Einsatz kommt Gini unter anderem schon beim Online-Banking. Bei der Fotoüberweisung fotografieren Kunden zunächst eine Rechnung, die Software analysiert das Dokument und überträgt die Daten in die Online-Überweisung. Anschließend muss der Kunde die Angaben bloß noch überprüfen. Möglich ist das beispielsweise schon bei der Deutschen Bank, Comdirect und ING Diba. Weitere sollen folgen. Auch in E-Post, einem Angebot der Deutschen Post, steckt Gini bereits drin, ebenso wie in Billomat, einer Software zum Organisieren von Rechnungen.

Auf die Suche nach dem Fintech des Jahres hatte sich Bajorat vorab mit einer Jury aus Vertretern von Banken, Fintechs und Investoren begeben, darunter zum Beispiel Arnulf Keese von PayPal, Christian Hoppe von Main Incubator, Ramin Niroumand von Finleap und Sebastian Diemer von Kreditech, dem Vorjahresgewinner. Gesucht wurde das Fintech, welches das Jahr 2015 am meisten geprägt hat, die beste neue Idee hatte oder am meisten beeindruckt hat.

Während die Auszeichnung im Vorjahr noch in Hamburg überreicht wurde, traf man sich dieses Jahr bei „Between the Towers“ in Frankfurt. Zu dieser Veranstaltung lädt einmal im Monat der Main Incubator ein, eine Commerzbank-Tochter, die Fintechs fördert und in sie investiert. Mehr als 300 Gäste kamen zu dem Branchentreffen an den Campus Westend, wo man sich angesichts des wachsenden Zuspruchs bald wohl nach einem größeren Raum umsehen muss.

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