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19.07.2017

08:22 Uhr

Fit für den Sommer

Über den Sinn und Unsinn der Depotabsicherung

VonJessica Schwarzer

Wer möchte schon im Urlaub ständig auf das Depot schauen? Eine böse Überraschung in Form von Verlusten möchte man nach den Ferien aber auch nicht erleben. Es gibt Strategien dagegen. Aber machen die auch Sinn?

An den Börse sind die Sommermonate für Überraschungen gut. dpa

Urlaubs am Strand

An den Börse sind die Sommermonate für Überraschungen gut.

DüsseldorfAlle Jahre wieder dieselben Routinen vor der Abreise in den Urlaub: der Schlüssel zu den Nachbarn, damit die sich um Blumen und Briefkasten kümmern, die verderblichen Lebensmittel aufessen, verschenken oder wegschmeißen und schnell noch alle Stecker aus den Dosen ziehen. Doch was ist mit dem Depot? Müssen die Investments vor dem Urlaub abgesichert werden? Schließlich will man nach den Ferien keine böse Überraschung erleben.

Denn die vermeintlich sehr ruhige Urlaubszeit kann es an der Börse ganz schön in sich haben. „Allgemein sind die Märkte über die Sommermonate meist von geringerer Liquidität geprägt“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank. „Im Falle unerwarteter Ereignisse ist eine höhere Schwankungsbreite daher nicht auszuschließen.“ Es reichen oft schon im Vergleich recht geringe Kauf- und Verkaufsorders, um die Kurse zu bewegen. Da können die Ausschläge schon mal heftiger werden. „Ob sich Anleger gegen dieses Risiko explizit absichern möchten, hängt natürlich von der jeweiligen Risikoneigung ab“, so Stephan.

Und diese Absicherung muss gar nicht kompliziert sein. „In den Sommerferien müssen sich Anleger nicht von Kursausschlägen überraschen lassen“, schreiben die Experten des Fondsverbands BVI. „Mit einem Auftrag an ihre Bank können sie dafür sorgen, dass zwischenzeitliche Marktschwankungen sich nicht übermäßig auf die eigenen Ersparnisse auswirken.“ Eine Stop-Loss-Order, eine Verkaufsorder zum Schutz des Vermögens, sorgt dafür, dass Wertpapiere automatisch verkauft werden, wenn die Kurse unter einen vom Anleger vorab festgelegten Wert fallen. So können Anleger nicht nur Verluste vermeiden, sondern auch einmal eingefahrene Gewinne sichern.

Börsen ABC

Termingeschäft

Ein Termingeschäft ist ein Geschäft, das erst zu einem bei Vertragsabschluss festgelegten zukünftigen Zeitpunkt erfüllt werden muss. Zum Beispiel muss eine bestimmte Ware oder ein Finanzinstrument vom Verkäufer erst in drei Monaten geliefert und vom Käufer vollständig bezahlt werden. Unterschieden werden unbedingte und bedingte Termingeschäfte: Bei einem unbedingten Termingeschäft geht der Käufer die Verpflichtung ein, eine bestimmte Menge des Handelsgegenstands zu einem späteren Zeitpunkt zu einem bei Vertragsabschluss festgelegten Preis vom Verkäufer zu kaufen (der Käufer geht damit eine „Long Position“ ein); der Verkäufer verpflichtet sich, zu den vereinbarten Konditionen zu liefern („Short Position“). Ein bedingtes Termingeschäft ist ein Optionsgeschäft. Termingeschäfte werden teils über Terminbörsen mit standardisierten Terminkontrakten angebahnt und abgewickelt oder außerbörslich im Handel „über den Banktresen“ (Over-the-Counter, OTC) zu frei ausgehandelten Konditionen. Mit Termingeschäften kann man finanzielle Risiken absichern (Hedging), auf Preisänderungen spekulieren (Trading) oder Preisunterschiede zwischen Märkten ausnutzen (Arbitrage).

Quelle: Bundesbank.de

Terminkontrakt

Ein Terminkontrakt hat ein standardisiertes unbedingtes Termingeschäft zum Inhalt, das über eine Terminbörse vereinbart und abgewickelt wird. Terminkontrakte gibt es für zahlreiche Handelsgegenstände wie zum Beispiel Weizen, Gold, Devisen, Staatsanleihen oder Aktien. Die Details eines börsennotierten Terminkontrakts wie zum Beispiel die genaue Spezifikation des unterliegenden Handelsgegenstands, die Kontraktgröße und seine Laufzeit sind standardisiert. Ein Terminkontrakt ist ein Derivat: Seine Preisentwicklung hängt maßgeblich von der Preisentwicklung des unterliegenden Handelsgegenstands, dem „Basiswert“, ab. Terminkontrakte, werden zur Absicherung gegen das Risiko von Preisschwankungen eingesetzt („Hedging“), zur Spekulation auf eine erwartete Preisentwicklung des Basiswerts (Trading) oder um Preisunterschiede zwischen Märkten auszunutzen (Arbitrage). Terminkontrakte (englisch: Futures) sind von Optionskontrakten (bedingten Termingeschäften) zu unterscheiden.

Derivat

Als Derivat wird in der Bankensprache ein Finanzinstrument bezeichnet, dessen Preis von der Preisentwicklung einer zugrunde liegenden Bezugsgröße, dem sogenannten Basiswert, abhängt. Basiswerte sind zum Beispiel Aktien, Aktienindizes, Staatsanleihen, Währungen, Zinssätze, Rohstoffe wie Weizen und Gold, ferner auch Swaps. Derivative Finanzinstrumente können als unbedingte Termingeschäfte oder als Optionsgeschäfte ausgestaltet sein, sie werden teils an Terminbörsen mit standardisierten Konditionen gehandelt, teils außerbörslich (Over-the-Counter, OTC) zu frei ausgehandelten Bedingungen. Preisänderungen im Basiswert führen in bestimmten Situationen zu erheblich stärkeren Preisänderungen der jeweiligen Derivate. Mit Derivaten kann man finanzielle Risiken absichern (Hedging), auf Preisänderungen spekulieren (Trading) oder Preisunterschiede zwischen Märkten ausnutzen (Arbitrage).

Optionsgeschäft

Ein Optionsgeschäft ist ein bedingtes Termingeschäft, bei dem der Käufer ein Wahlrecht (Option) bezüglich eines zugrunde liegenden Basiswerts erwirbt. Basiswerte sind zum Beispiel Aktien, Anleihe-Terminkontrakte oder Rohstoffe. Unterschieden werden Kauf- und Verkaufsoptionen. Der Käufer einer Kaufoption erwirbt das Recht, den Basiswert zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu einem vorab festgelegten Preis zu kaufen; der Käufer einer Verkaufsoption erwirbt entsprechend das Recht, den Basiswert zu verkaufen. Der Käufer kann dieses Recht aber auch ungenutzt lassen, wenn ihm dies günstiger erscheint. Demgegenüber hat der Verkäufer einer Kauf- bzw. Verkaufsoption kein Wahlrecht, er muss als „Stillhalter“ das Geschäft erfüllen, wenn der Käufer seine Option ausübt. Für das Wahlrecht (die Option) zahlt der Käufer dem Stillhalter bei Vertragsabschluss eine Prämie. Käufer können Optionsgeschäfte nutzen, um sich gegen unerwünschte Preisentwicklungen des Basiswerts abzusichern (Hedging) oder um auf Preisentwicklungen zu spekulieren (Trading). Dem Verkäufer geht es in erster Linie um die Vereinnahmung der Prämie. Unterschieden werden börsliche Optionsgeschäfte mit standardisierten Optionskontrakten und außerbörsliche Optionsgeschäfte. Bei einer „europäischen Option“ kann der Käufer sein Wahlrecht nur am Ende der vereinbarten Laufzeit des Optionsgeschäfts ausüben, bei einer „amerikanischen Option“ zu jedem Zeitpunkt während der Laufzeit.

Die Order ist bei den meisten Banken und Onlinebrokern kostenlos. Gebühren werden erst fällig, wenn die Order ausgelöst wird. „Solche Stop-Loss-Orders können sowohl für eine bestimmte Kursschwelle als auch für einen exakten Zeitraum eingestellt werden“, so der BVI. „Nach dessen Ablauf verfällt die Order, Anleger müssen dann nichts mehr weiter tun.“

Klingt nach der perfekten Versicherung für die Sommermonate. Doch Christoph Bruns kann Stop-Loss-Kursen wenig abgewinnen, hält sie gar für ungeeignet. „Gerade in Seitwärtsphasen mit hohen Schwankungen werden Anleger oft ausgestoppt und finden dann den Einstieg nicht mehr“, sagt der Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. Vor allem wenn die Verkaufsschwelle zu eng gewählt ist, wird das schnell zum Problem. Denn dann werden bei kurzfristigen Kursausschlägen Papiere verkauft, die Anleger eigentlich langfristig halten wollten. Erholt sich die Aktie aber schnell wieder, müssten Anleger sie teurer zurückkaufen.

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, teilt die Kritik. „Das grundsätzliche Problem mit Stop-Loss-Kursen ist, dass damit der Versuch unternommen wird, die Rendite durch Market-Timing zu verbessern“, sagt er. Anleger versuchen also, den besten Kaufs- und Verkaufspunkt zu finden. „Das funktioniert aber auf Dauer nicht“, so Nauhauser.

Auch wenn ein Investor bei Aktienmärkten plausible Indikatoren zu erkennen meine, wonach eine Kurskorrektur überfällig sei: Man könne weder Zeitpunkt noch Ausmaß zuverlässig vorhersehen. „Störfeuer können aus allen Richtungen kommen, und am stärksten wirken sich meist diejenigen Störfeuer aus, die zuvor niemand auf dem Zettel hatte“, weiß der Verbraucherschützer. Diese Ungewissheit sei aber nur dann ein echtes Problem, wenn Anleger das Risiko nicht breit streuen würden.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

19.07.2017, 10:39 Uhr

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

lustig diese Diskussion unter Experten. Die diskutieren allen Ernstes, ob Gefahr für das Depot im Verzug ist. Als ob nicht jeder wüßte, dass 365 Tage im Jahr Stunde für Stunde Schreckliches passieren kann.

Vielleicht können Sie einmal ein paar Leute vorstellen, die durch stop loss reich geworden sind. Aber bitte mit Bild. Und genauer Schilderung der stop loss Erlebnisse.

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