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06.02.2012

13:27 Uhr

Flossbach und von Storch im Interview

„Die Entschuldung geht nur über Inflation“

VonJörg Hackhausen, Jens Hagen

Das Vermögen vieler Anleger ist in Gefahr, warnen die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Kurt von Storch. Warum das Geld bald weniger wert ist, was aus dem Euro wird und wie Anleger ihren Besitz sichern können.

Abendstimmung über Köln: Die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Kurt von Storch (rechts) warnen vor Inflation und Euro-Crash. Valéry Kloubert für Handelsblatt

Abendstimmung über Köln: Die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Kurt von Storch (rechts) warnen vor Inflation und Euro-Crash.

Die Lage an den Finanzmärkten hat sich beruhigt. Die jüngsten Anleiheauktionen der Schuldenstaaten liefen gut, auch an den Börsen geht aufwärts. Sind wir auf einem guten Weg?

Von Storch: Der Boom der vergangenen Wochen war durch die Notenbanken befeuert - mit Maßnahmen, die früher für jeden Volkswirt unvorstellbar gewesen wären.

Flossbach: Die Notenbanken haben signalisiert: Wir sind bereit „All-in“ zu spielen.

Was heißt das genau?

Flossbach: Die US-Notenbank hat angefangen, die Märkte mit Geld zu überschwemmen und die Zinsen künstlich niedrig zu halten. Die EZB macht inzwischen nichts anderes. Kurz vor Weihnachten hat sie erklärt, dass sie den europäischen Banken nahezu unbegrenzt Liquidität gewährt. Dieses Geld fließt in verschiedene Vermögensklassen.

Von Storch: Sarkozy hat die Banken sogar ausdrücklich dazu aufgefordert, das Geld in Staatsanleihen zu stecken. Das ist nichts anderes als Staatsfinanzierung durch die Hintertür.

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Für Griechenland kommt das zu spät.

Flossbach: Hoffentlich ist der Schuldenschnitt bald beschlossene Sache. Dann ist der Sack wenigstens zu.

Und Portugal?

Von Storch: Der Markt hat Portugal bereits abgeschrieben - auch hier wird es einen Schuldenschnitt geben. Portugal und Griechenland werden die Eurozone verlassen müssen, es sei denn wir sind bereit, die Länder ad infinitum zu alimentieren; durch den ESM, Eurobonds oder einen Solidarbeitrag - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auf die Dauer ist das allerdings nicht tragbar.

Hat der Euro eine Zukunft?

Flossbach: Das eigentliche Problem sind die großen Unterschiede innerhalb der Eurozone, zu viele Staaten sind nicht wettbewerbsfähig. Deshalb ist der Euro zum Scheitern verurteilt - was nicht heißt, dass es den Euro nicht in ein paar Jahren noch geben wird. Wenn die Politik das will, und die Europäische Zentralbank das Geld bereit stellt, dann ist das eine Zeit lang möglich.

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Warum es die Notenbank richten muss - auch wenn das die Inflation anheizt.

Die Politiker kämpfen für die Vision eines gemeinsamen Europas. Ist das kein ehrenwertes Ziel?

Flossbach: In Wahrheit erreicht die Politik das Gegenteil von dem, was sie erreichen will. Angela Merkel hat gesagt: scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Sie tut so, als hänge der Frieden auf unserem Kontinent von der gemeinsamen Währung ab. Letztlich könnte sie damit sogar Recht haben - nur in einem ganz anderen Sinne als beabsichtigt. Der Euro droht zum größten Spaltpilz für Europa zu werden.

Kommentare (79)

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neo

06.02.2012, 13:49 Uhr

Ich habe doch selten so einen unqualifizierten Unsinn und Augenwischerei gelesen:

"Flossbach: Die Entschuldung über Inflation. Sonst wird die Schuldenquote nicht fallen. Das ist keine spinnerte Idee von uns – das ist eine logische Schlussfolgerung."

Mal ganz einfach. Inflation gibt es nur durch zusätzlich angehäufte Schulden. Nach der Logik von Herrn Flossbach, müsste man sich nur solange Verschulden, bis man wieder ohne Schulden da steht. Ein Blick in die Geschichtsbücher hilft, die Staatsverschuldung war nie höher als zu Zeiten der Inflation. Die Weisheit mit der Ursache die Folge zu bekämpfen, gehört ins Reich der Märchen und Fabeln.

"Die Schulden liegen inzwischen bei 100 Prozent und jenseits davon...bräuchte es schon sehr hohe reale Wachstumsraten, um aus den Schulden herauswachsen, mindestens vier oder fünf Prozent im Jahr." Ebenso ein Schaustück. Die fortlaufende Zinslast wird diesen Plan von allein und ohne Mühe vereiteln. Die Geldmenge, die zum Zahlen der Zinsen notwendig ist, entsteht erst wieder durch erneute Verschuldung. Wenn 100 € geliehen werden mit dem Versprechen 200 € zurückzuzahlen, es aber nur die ersten 100 € im System gibt, woher kommen dann die zusätzlichen 100 € um das Schuldversprechen einzulösen.

Inflation-war-gestern

06.02.2012, 13:50 Uhr

Ja, vertraut diesen Hampelmännern euer Geld an und bezahlt sie auch noch dafür. Die Deflation ist bereits da und auch eine EZB kann nur bremsen, aber nix verhindern. Inflation hatten wir die letzten 30 Jahre :)

Account gelöscht!

06.02.2012, 13:55 Uhr

HB wo gehst Du hin? Werbung fuer Anlageberater jetzt als Topschlagzeile verpackt?

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