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01.10.2014

16:38 Uhr

Fluch und Segen

Schattenbanken sollen besser kontrolliert werden

Sogenannte Schattenbanken haben mittlerweile ein Volumen von über 60 Billionen Dollar. Der IWF forderte die Politik nun auf, solche Einrichtungen stärker zu kontrollieren. Sie seien zugleich Fluch und Segen.

Der IWF will, dass die Politik die sogenannten Schattenbanken besser und effektiver kontrolliert. dpa

Der IWF will, dass die Politik die sogenannten Schattenbanken besser und effektiver kontrolliert.

Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) fordert eine stärkere Überwachung der sogenannten Schattenbanken. Sowohl die Aktivitäten als auch die Akteure dieses inzwischen weltweit auf über 60 Billionen Dollar angewachsenen Sektors müssten stärker Regeln unterworfen und kontrolliert werden, rief der IWF die Politik auf.

Die Schattenbanken gelten als Verstärker der weltweiten Finanzkrise und deshalb als risikoreich. Doch der IWF gewinnt der Branche auch positives ab: „Das Schattenbankenwesen ist beides: ein Fluch wie ein Segen für die Länder“, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des IWF zur globalen Finanzstabilität.

Zu den Schattenbanken zählen unter anderem Hedgefonds, Finanzinvestoren und Zweckgesellschaften. Mittlerweile kommen sie vor allem dort ins Spiel, wo sich traditionelle Banken wegen strengerer Kapitalauflagen zurückhalten. Der Währungsfonds schätzt, dass rund ein Viertel der weltweiten Finanzgeschäfte auf Schattenbanken entfällt. Sie könnten die Effizienz des Finanzsystems verbessern, hieß es in dem IWF-Bericht.

Die Finanzausstattung des IWF

Wie finanziert sich der IWF?

Wichtigste Quelle sind die Kapitalanteile (Quoten) der 188 IWF-Staaten. Die machen etwa 366 Milliarden Dollar aus. Schon vor drei Jahren - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise - beschlossen die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), den IWF aufzuwerten und seine Mittel anzuheben. Die Kasse für Notkredite, also frei verfügbare Finanzmittel, sollte mittelfristig auf 750 Milliarden Dollar verdreifacht werden. Zudem wurde beschlossen, „Sonderziehungsrechte“ - eine Art Kunst-Reservewährung des IWF - um 250 Milliarden Dollar aufzustocken, um Liquiditätsengpässen von Ländern entgegenzuwirken. Bisher sind gut 550 Milliarden Dollar zusammengekommen durch bilaterale Kreditlinien von 38 Mitgliedern.

Warum braucht der IWF mehr Geld?

Der Weltwährungsfonds will mehr „Feuerkraft“ für den Fall, dass sich die europäische Schuldenmisere auf andere Länder ausbreitet. Der IWF hat zwar derzeit rund 380 Milliarden Dollar für neue Kredite in der Kriegskasse, doch das sei zu knapp für globale Notfälle, meint IWF-Chefin Christine Lagarde. „Der Fonds muss in der Lage sein, die Bedürfnisse aller zu erfüllen, die von der Krise betroffen sind.“ Schließlich sei die Weltwirtschaft „fragil“.

Um wieviel Geld geht es?

Im Januar wollte Lagarde bis zu 600 Milliarden Dollar zusätzlich, um andere Länder weltweit effektiv vor einer Ansteckung schützen zu können. Inzwischen spricht sie „nur“ noch von gut 400 Milliarden Dollar, weil mittlerweile einige Schreckensszenarien gebannt worden seien. Damit würde sich die Vergabekapazität für neue Kredite auf mehr als 750 Milliarden Dollar verdoppeln und die gesamte Feuerkraft auf mehr als eine Billion Dollar steigen.

Wieviel Geld wurde bereits zugesagt?

Bis Beginn der Frühjahrstagung am Freitag erhielt der IWF nach eigener Zählung rund 320 Milliarden Dollar an Zusagen. Aus Europa sollen insgesamt bis zu 200 Milliarden Euro kommen. Schon sicher sind 150 Milliarden der Euro-Länder. Davon kämen bis zu 41,5 Milliarden über die Bundesbank aus Deutschland.

An welche Bedingungen sind die Gelder aus Deutschland geknüpft?

Die Bundesbank möchte dafü - in diesem speziellen Fall - die Zustimmung des Bundestages. Hintergrund sind die damit verbundenen Risiken für die Steuerzahler. Wird die Mittelaufstockung beschlossen, soll zeitnah der Haushaltsausschuss informiert und Rückendeckung des Parlaments eingeholt werden. Eine Abstimmung des Bundestages lehnen Union und FDP ab, da die Bundesbank unabhängig sei. Die Notenbanker erwarten ferner, dass auch Nicht-Euro-Länder signifikant mitziehen.

Warum wollen einige Länder keine Kreditzusagen geben?

Ausgerechnet die USA als der mit Abstand größte Anteilseigner stellen sich quer. Der IWF verfüge bereits über „sehr angemessene Kernressourcen“, meint das US-Finanzministerium. Vor den Wahlen im November sieht die amerikanische Regierung ohnehin keinen Weg, mehr Geld für den Rest der Welt locker zu machen. Hinzu kommt, dass aufstrebende Topmächte wie Brasilien mit weiteren Mitteln für den IWF auch ihren Einfluss bei der globalen Finanzfeuerwehr erhöhen wollen. Die Quotenreform, die die Verhältnisse zwischen alten und neuen Mächten neu regeln soll, scheint sich aber zu verzögern.

Was verbirgt sich hinter der „Quotenreform“?

Mit der 2010 beschlossenen Neuordnung, die bis Oktober umgesetzt sein soll, erhalten Länder wie China, Brasilien oder Indien mehr Einfluss, Industrieländer geben dagegen Macht ab. China - zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt hinter den USA und vor Japan - verdrängt Deutschland von Platz drei der Anteilseigner. Grundsätzlich soll sich in der Neuverteilung der Stimmrechte und Anteile der 188 IWF-Mitgliedstaaten das gewachsene Gewicht der boomenden Schwellenländer auch beim Währungsfonds widerspiegeln.

Wie sähe eine Neuordnung der Quoten aus?

Die Anteilsquoten bestimmen das Stimmgewicht einzelner Länder und ihren Kapitalbeitrag. Die USA kämen mit der Quotenreform auf einen Stimmanteil von 16,5 Prozent, Deutschland von 5,3 und China von 6,07. Insgesamt sollen die Anteilsquoten bis 2012 verdoppelt werden. Bis Anfang 2013 soll zudem eine neue Quotenformel gefunden werden, um Entwicklungs- und Schwellenländern noch mehr Einfluss zu geben. Im Exekutivdirektorium, dem Top-Beschlussorgan, geben zwei europäische Staaten ihren Sitz zugunsten aufstrebender Mächte ab.

Die letzte Finanzkrise habe aber auch gezeigt, welche Risiken von den Schattenbanken ausgingen, gerade weil sie stark von kurzfristigen Geldern abhingen, warnte der IWF. Durch sie könnten plötzlich massive Verkaufswellen bei Wertpapieren und anderen Anlagen und damit gefährliche Abwärtsspiralen ausgelöst werden. In den USA, so schätzt der Fonds, sei mindestens ein Drittel der Risiken für das Finanzsystem den Schattenbanken zuzuordnen. In Europa sei das weniger stark ausgeprägt.

Der IWF schätzt die Größe des Sektors in den USA auf 15 bis 25 Billionen Dollar, in der Euro-Zone auf 13,5 bis 22,5 Billionen Dollar. In Japan erreiche dieser Markt ein Volumen von 2,5 bis sechs Billionen Dollar, in den Schwellenländern von schätzungsweise sieben Billionen Dollar. In den aufstrebenden Ländern wachsen die Geschäfte der Schattenbanken laut IWF inzwischen stärker als die des traditionellen Bankensektors.

Auch die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) will sich auf ihrem Gipfel im November im australischen Brisbane mit den Schattenbanken befassen und über Schritte entscheiden, diesen Bereich stärker zu kontrollieren.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Omarius M.

01.10.2014, 18:10 Uhr

haha bisher geben die doch den ton an...^^

nice try.... bracht mich zum schmunzeln ..^^

sofern nicht weltweit handschellen Klicken wird man den Mafiösen Banekn sektor nie eindämmen können...

Sie kaufen sich ja eh immer frei....

Glaube Erhard hätte vorgeschlagen die zu zerschlagen..^^

wir leben in einem Oligopol.... das ist faktum...

Herr reiner tiroch

01.10.2014, 20:34 Uhr

bevor diese Schattenbanken kontrolliert werden, fallen Ostern und Weihnachten zusammen, gell?

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