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11.07.2016

15:25 Uhr

Flucht in Edelmetalle

Brexit-Angst beschert Superreichen Milliarden

Der 84 Jahre alte mexikanische Mogul Alberto Bailleres hat wie kein anderer Milliardär weltweit von der Abstimmung in Großbritannien profitiert. Den Milliardengewinn hat er mit nur zwei Firmen erzielt.

„Edelmetall behält seinen Wert in einer Zeit von Unsicherheit.“ Imago

Alberto Bailleres

„Edelmetall behält seinen Wert in einer Zeit von Unsicherheit.“

Mexikos Peso ist in diesem Jahr eingebrochen. Schuld daran ist die Unruhe am Markt, die von dem wohl bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) und politischer Unsicherheit in den USA - wo eine Präsidenten-Wahl ansteht - ausgelöst wurde. Einem mexikanischen Geschäftsmann indes haben die Turbulenzen indes einen satten Vermögenszuwachs beschert: Alberto Bailleres.

Das Nettovermögen des 84 Jahre alten mexikanischen Moguls, der die beiden Silber- und Gold-Unternehmen Industrias Penoles und Fresnillo kontrolliert, ist im Juni um 2,2 Milliarden Dollar nach oben geschossen - auf nun 13,1 Milliarden Dollar. Das geht aus dem Bloomberg Billionaires Index hervor. Kein anderer der Superreichen weltweit, die in dem von Bloomberg erstellten Index erfasst sind, konnte im vergangenen Monat einen derart großen Anstieg verzeichnen.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Penoles ist Mexikos Aktie mit der besten Entwicklung in diesem Jahr. Und Fresnillo zählt zu den großen Gewinnern in London, weil Investoren verstärkt in Edelmetalle flüchten.
Die Leerverkäufe des mexikanischen Peso waren zuletzt angestiegen. Investoren hatten die Währung als Absicherung (Hedge) gegen globale Risiken auserkoren. Dahinter standen wachsende Sorgen, dass der Brexit die Märkte außerhalb Europas trüben und die US-Wirtschaft auch nicht wirklich in die Gänge kommen wird.

Während Aktien, Bonds und Devisen weltweit auf dem Rückzug waren, profitierten Gold und Silber von der Suche nach sicheren Häfen. Der Preis für Silber ist seit Beginn des Jahres um 46,8 Prozent gestiegen - und das sind gute Nachrichten für Penoles, den weltweit größten Produzenten des Edelmetalls.

„Brexit und die US-Wahlen haben zu Volatilität geführt. Und das sind einige Faktoren, die Investoren dazu veranlasst haben, sich mit sicheren Aktiva zu überladen“, sagt Bernardo Trejo, ein Aktien-Analyst bei Invex Casa de Bolsa in Mexiko Stadt. „Edelmetall behält seinen Wert in einer Zeit von Unsicherheit.“

Nachdem Fresnillo um insgesamt 184 Prozent und Penoles um 168 Prozent in diesem Jahr bis einschließlich Mittwoch vergangener Woche gestiegen waren, warnten jedoch immer mehr Analysten und Investoren, dass die beiden Aktien inzwischen möglicherweise überkauft sind. Am Donnerstag und Freitag verbilligten sich sowohl die Titel von Penoles als auch jene von Fresnillo.

Der Vermögensverwalter BlackRock hatte in den vergangenen sechs Monaten netto 3,4 Millionen Aktien von Penoles und Fresnillo veräußert. Das geht aus Pflichtmitteilungen hervor. Er folgte damit offenbar anderen Investoren, die versuchten, Gewinne nach der jüngsten Kurs-Rally mitzunehmen. Für den Moment, so scheint ist, zählt Bailleres jedoch nicht zu dieser Gruppe.

„Auf mittlere Sicht sehe ich keinerlei Bedrohung“, erklärt Jean-Baptiste Bruny, Aktien-Analyst bei BBVA Research in Mexiko Stadt. „Mit all den Risiken, die wir im Zusammenhang mit dem Brexit beobachten, suchen die Leute nach dieser Art von sicheren Investments.“

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