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09.09.2015

19:56 Uhr

Fonds

Bill Miller rät zum Kauf

VonIngo Narat, Anke Rezmer

Er schlug 15 Jahre den Vergleichsindex S&P 500, dann wurde es ruhiger um die Fondslegende Bill Miller. Jetzt war er zu Besuch in Deutschland. Für die Anleger bringt er optimistische Botschaften mit.

Der prominente Fondsmanager empfiehlt US-Aktien. Pressefoto

Bill Miller

Der prominente Fondsmanager empfiehlt US-Aktien.

Bill Miller ist wieder da: Groß, kräftig, hemdsärmelig, tiefe, volle Stimme, breiter amerikanischer Akzent. Der einstige Star-Fondsmanager beim US-Anbieter Legg Mason, der derzeit ein Volumen von drei Milliarden Dollar verwaltet, war seit Jahren nicht mehr hier – was auch daran liegen kann, dass sein Ruf als Star-Manager für US-Aktien in der Finanzkrise stark gelitten hat.

Nachdem er mit seinem Fonds 15 Jahre hintereinander besser als der US-Aktienindex S&P 500 abgeschnitten hatte, verspekulierte sich Miller mit Finanz- und Bauaktien. Doch nun ist der Fondsmanager zurück. Sein aktueller Aktienfonds entwickelt sich seit rund drei Jahren besser als die meisten Konkurrenzprodukte.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Und der Mittsechziger, lässig im dunklen Rundhals-T-Shirt unter dem schwarzen Jackett, hat Optimismus mitgebracht: „Es ist möglich, dass sich der US-Aktienmarkt in seiner längsten Aufschwungphase überhaupt befindet“, sagte Miller in Frankfurt.

Schließlich seien die Kurse in der Finanzkrise extrem herunter geprügelt worden. Die aktuelle Korrekturphase schaffe nur neue Chancen für Anleger. Denn der Börsenrutsch folge „dem typischen Muster in Phasen vor einer US-Leitzinserhöhung“. Die Konsolidierungsphase sei mehr oder weniger vorbei. Die Kurse könnten allerdings weiter stark schwanken, zumal es anhaltende Unsicherheit in Schwellenländern wegen China gebe und Algotrader für höhere Kurssprünge sorgten.

Doch das Umfeld für US-Aktien sei so „günstig wie vermutlich nie zuvor“: Ein stabiles, nicht übertriebenes Wachstum, auch der Beschäftigung, dazu niedrige Inflation und Zinsen - die nur langsam steigen dürften, solides Gewinnwachstum bei Firmen und gute Dividenden, freut sich Miller. Eine vorsichtige Haltung der Anleger gegenüber Aktien schütze zudem vor Übertreibungen an den Börsen.

Miller hat die jüngste Börsenkorrektur genutzt, um aufzustocken. Zu seinen Favoriten gehören vor allem die zuletzt gebeutelten US-Fluglinien, wie Delta und American Airlines, die nach einer Sektorkonsolidierung nun gut dastünden. Technologiekatien wie Apple und Amazon gehören zu seinen gewichtigsten Fondsaktien. Auch Finanz- und Baufirmen mag er wieder. Zurück hält sich der US-Amerikaner bei Rohostoffaktien. Es geh aktuell vor allem darum, „schlechte aktien zu vermeiden“, meint Miller. Und die meisten Rohstoffaktien seien noch nicht billig genug.

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