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30.09.2014

16:16 Uhr

Abgang von Bill Gross

Rivalen gieren nach Pimcos Kundengeldern

Nach dem Abgang von Bill Gross bei Pimco spekulieren die Rivalen auf abtrünnige Kunden der Allianz-Tochter. Der ehemalige Bonds-König Gross tritt derweil in einen direkten Konkurrenzkampf mit seinem Nachfolger.

Pimco-Mitgründer Bill Gross verließ das Unternehmen überraschend. Reuters

Pimco-Mitgründer Bill Gross verließ das Unternehmen überraschend.

New York/BostonNach dem Abgang von Bill Gross bei Pimco spekulieren die großen Rivalen auf abtrünnige Kunden der Allianz-Fondstochter. Nicht nur die kleinere Investmentgesellschaft Janus Capital, zu der Pimco-Gründer Gross gewechselt ist, dürfte sich nach Einschätzung von Analysten über Mittelzuflüsse freuen.

Gute Chancen auf Neugeschäft schreiben die Experten vor allem dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock und der führenden US-Publikumsfondsgesellschaft Vanguard zu. „Ein großer Teil des verwalteten Vermögens von Pimco ist jetzt zu haben“, heißt es in einer Kurzstudie von Wells Fargo. Deren Branchenanalyst Christopher Harris schätzt, dass der von den Märkten einst als „Bond-König“ gefeierte Gross bei Pimco zuletzt 500 bis 700 Milliarden Dollar an Kundengeldern persönlich managte. Beim Abgang eines prominenten Fondsmanagers - und Gross war über Jahrzehnte das Aushängeschild von Pimco - wandert in der Regel die Hälfte der Gelder mit ab.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Auch andere Schätzungen gehen von bis zu 300 Milliarden Dollar an Mittelabflüssen aus. Das wäre mehr Geld, als etwa der von Gross 27 Jahre lang geführte Flaggschiff-Fonds Total Return zuletzt verwaltete: Nach Berechnungen des Analysehauses Morningstar haben Anleger seit Mai 2013 unter dem Strich 70 Milliarden Dollar aus dem Produkt abgezogen, weil sie mit der Entwicklung unzufrieden waren. Der weltgrößte Anleihefonds hatte einst ein Volumen von knapp 293 Milliarden Dollar.

Mit Spannung werden nun die September-Daten von Morningstar erwartet. Pimco-Chef Doug Hodge hatte am Montag selbst eingeräumt, dass trotz intensiver Gespräche mit den Kunden mit weiteren Abflüssen zu rechnen sei. Pimco könne dies aber stemmen, sagte er in einer Telefonkonferenz für Analysten, an der auch Allianz-Chef Michael Diekmann teilnahm.

Der langjährige Pimco-Rivale DoubleLine Capital hat in den vergangenen Tagen nach eigener Darstellung bereits starke Zuflüsse verzeichnet. Allein am Freitag, als Gross sein Ausscheiden bekanntgab, seien unter dem Strich zwischen 400 und 500 Millionen Dollar hinzugekommen, sagte DoubleLine-Chef Jeffrey Gundlach der Nachrichtenagentur Reuters.

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