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30.09.2013

11:51 Uhr

Aktien

Abenteurer kennen keine Grenzen

Spekulanten haben ein neues Steckenpferd: Aktien aus Ländern, die sich gerade erst aufwärts entwickeln. Das kleine, aber sehr riskante Anlagesegment der Grenzländer läuft glänzend, weil das Geld in Strömen fließt.

Die Börse in Dubai: Der Finanzplatz wird bei abenteuerlustigen Investoren immer beliebter. dpa

Die Börse in Dubai: Der Finanzplatz wird bei abenteuerlustigen Investoren immer beliebter.

SingapurManchmal wirkt zu viel Geld erdrückend. Der Templeton Emerging Markets Group ging das so. Denn der Spezialist für Schwellenländer-Investments hat einen Fonds, der in Märkte investiert, die ziemlich schlecht entwickelt sind. Gerade hat die Fondsgesellschaft solch einen Spezialfonds für neue Investoren geschlossen. Der Grund: Zu viel Geld von Anlegern, aber zu wenig lukrative Ziele.

Aktienindizes von Dubai bis Argentinien zählen in diesem Jahr weltweit zu den Marktbarometern, die sich am besten entwickeln. Ursache und Folge zugleich ist: Eine Rekordzufuhr von Anlagegeldern. „Das Geld kam einfach zu schnell rein”, erklärte Mark Mobius, der Executive Chairman von Templeton Emerging Markets Group, in einem Interview mit Bloomberg News in Dubai.

Seine Gruppe verwaltet rund 53 Milliarden Dollar. „Aber der Markt ist noch immer sehr fest. Und die Chancen auf längere Sicht sind noch immer sehr, sehr gut”, beurteilt Mobius die Chancen in diesem Segment. Der Templeton Frontier Markets Fund war bereits Ende Juni für neue Investoren geschlossen. Das wurde aber erst kürzlich mitgeteilt. Nur Alt-Investoren dürfen noch zusätzliche Gelder anlegen.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Fonds, die Aktien aus so genannten Grenzmärkten kaufen, verzeichneten bis Mitte September einen Zufluss von rund 3,24 Milliarden Dollar. Das zeigen Daten des Marktforschers EPFR-Global. Das ist viel Geld für dieses Segment. Es geht um Märkte, die schlecht entwickelt und schwer zugänglich sind. Die Marktkapitalisierung beläuft sich hier nur auf etwa 36 Milliarden Dollar.

Steigende Unternehmensgewinne, Dividenden und Überschüsse in der Leistungsbilanz haben Grenzländer auf der Investorenlandkarte allerdings widerstandsfähiger gegenüber Befürchtungen gemacht, die US-Notenbank könne ihre Konjunkturmaßnahmen zurückfahren.

Der MSCI-Frontier-Markets-Index verzeichnete in diesem Jahr einen Sprung von 13 Prozent, der breitere Schwellenländer-Index MSCI-Emerging-Markets-Index kam hingegen auf ein Minus von 4,4 Prozent. Dabei sind die Transaktionskosten in den kleineren, noch weniger entwickelten Schwellenländern höher, weil das Handelsvolumen relativ gering ist.

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