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25.08.2015

06:19 Uhr

Aktienchef zum Dax-Crash

„Der Verkaufsdruck ist stark“

VonIngo Narat

Henning Gebhardt ist Aktienchef beim Vermögensverwalter der Deutschen Bank. Den aktuellen Aktien-Einbruch hält er für eine Korrektur, keine echte Trendwende. Im Interview erklärt er, warum der Dax noch Potenzial hat.

Der Aktienchef der Deutsche Asset & Wealth Management sieht bald wieder Einstiegschancen.

Henning Gebhardt

Der Aktienchef der Deutsche Asset & Wealth Management sieht bald wieder Einstiegschancen.

Henning Gebhardt hat in den 19 Jahren bei der Anlagesparte der Deutschen Bank viele Börsenstürze erlebt. Den aktuellen Aktien-Einbruch hält er für eine Korrektur, keine echte Trendwende. Der 47-jährige steht zu seinem Dax-Ziel von 11.000 Punkten am Jahresende - aus aktueller Sicht erscheint das als eine sehr optimistische Prognose.

Herr Gebhardt: Springt der Crash-Virus von den chinesischen Aktien jetzt auf die Börsen der Industrieländer über?
Jein. Die Unruhe dort war der Auslöser für die Turbulenzen bei uns, die Abwertung des Renmimbi belastete dann zusätzlich. Es entstand das Bild: Das Wachstum in China ist schwächer als erwartet.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Folgen die Industrieländerbörsen jetzt denen der Schwellenländer auf dem Weg nach unten?
Ja. Aber warum sollte ein schwächeres Wachstum in den Schwellenländern die Industrieländer infizieren? Ich sehe daraus keine nachhaltige Belastung der USA oder Europas. Allerdings darf man die Entwicklung des Ölpreises nicht vernachlässigen. An der Wall Street wird es teilweise anders aussehen, denn wegen des stürzenden Ölpreises rechne ich damit, dass die Ölkonzerne ihre Gewinne nach unten revidieren müssen. Mit ihren optisch hohen Dividenden erscheinen sie attraktiv, aber die Unternehmen werden ihre Ausschüttungen bei diesem Ölpreisniveau wohl senken müssen.

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Im Frühjahr kannte der Dax kein Halten mehr. Für welche Werte die Landung nach dem Höhenflug besonders bitter war.

Die entscheidende Frage für die Aktienmärkte: Ist der Kursverfall eine Korrektur oder eine echte Trendwende nach sechs Jahren Hausse?
Eine Korrektur, ähnlich wie die im Sommer 2011, ausgelöst durch die Eurokrise.

Und der deutsche Aktienmarkt?
Die Verluste sind hier höher als an anderen Börsen. Wir haben einfach zu wenig inländische Investoren, die gegen einen Kursverfall gegenhalten können. Für uns wird die Wall Street die Richtung vorgeben. Technisch ist das Bild dort eingetrübt. Viel wird davon abhängen, wie sich die US-Notenbank verhält.

Kommentare (5)

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Herr Peter Langenhagen

25.08.2015, 09:22 Uhr

klar, das die WKN 514000 ein paar Käufer mehr gebrauchen könnte. Die Kursentwicklung ist ja in der letzten Zeit nicht mehr so prall...

Herr Michael Mouse

25.08.2015, 09:23 Uhr

Schön entspannend, wenn man mit Aktien nichts am Hut hat :-).
Die Gier !! Hat uns noch immer ! an den Abgrund gebracht.
Ich würde mir wünschen, das die Firmen von Aktionären auch in AG's gewandelt werden.
Dann könnten diese mal am eigen Leib spüren, wie viel vergnügen es bereitet in einer AG zu arbeiten.

Herr Andreas Hobi

25.08.2015, 09:31 Uhr

Liebe Lohnempfänger, richtet euch schonmal auf neue Reformen ein, was das Einkommen, bzw. was davon noch übrigbleibt, angeht.
Wir leben schließlich in einer marktkonformen wirtschaftsorientierten Zeit, gelle.

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