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21.03.2011

11:01 Uhr

Alexander Scurlock

„Ereignisse, die uns skeptisch stimmen“

VonDörte Jochims

Marode Finanzen in der Euro-Zone, Aufstände in Arabien und die Katastrophen in Japan: Dem Aktienmarkt drohen schwere Rückschläge. Alexander Scurlock, ein führender Europa-Fondsmanager, verrät, was Anlegern droht.

Alexander Scurlock managt den Fonds Fidelity European Growth, mit acht Milliarden Euro Einlagen einer der größten Europafonds für Privatanleger. Quelle: Foto Rainer WohlfahrtPR

Alexander Scurlock managt den Fonds Fidelity European Growth, mit acht Milliarden Euro Einlagen einer der größten Europafonds für Privatanleger.

Herr Scurlock, die Zeiten sind derzeit unruhig. Die Katastrophe in Japan, Libyen aber auch die Finanzkrise in Europa beschäftigt die Märkte. Sie sind Stockpicker und wählen in erster Linie Unternehmen unabhängig von volkswirtschaftlichen Vorgaben aus. Was tun Sie bei solchen Nachrichten: Wie haben Sie beispielsweise an dem Tag reagiert, als Moody's griechische Staatsanleihen abgewertet hat?

Das ist in erster Linie eine News für Top-Down-Manager - also für jene, die zuerst eine Länder- und dann eine Titelauswahl treffen. Deshalb hat die Verschlechterung des Ratings unmittelbar keine Auswirkungen auf unser Fondsmanagement. Doch wir sind überzeugt, dass die Kernländer der EU durch eine Phase strukturellen Wachstums gehen…

… und die Kernländer sind?

Deutschland, Österreich, Frankreich und die nordischen Länder. Im Grunde sehen wir hier eine Art Umkehr der Verhältnisse aus den 1990-er Jahren: Heute sind die Zinsen für die deutsche Wirtschaft zu niedrig, für die spanische Wirtschaft allerdings zu hoch. Daher können jetzt die Kernländer stärker wachsen.

Sind Informationen bezüglich der ökonomischen oder politischen Situation wichtiger geworden? Oder anders gesagt: Meiden Sie derzeit Investments in PIGS-Staaten und gehen stattdessen vermehrt in die Kernländer?

Wenn ich 20 Unternehmen in Deutschland befrage, heißt es meist, die Exporte steigen oder Mitarbeiter werden eingestellt. 20 Firmen in Spanien klagen hingegen fast alle über den steigenden Druck bei der Finanzierung oder den sinkendem Konsum. Die Situation der Unternehmen sagt viel über die Situation des Landes. Bottom-up- und Top-down-Analysen müssen ineinander greifen, um die besten Titel am Gesamtmarkt auswählen zu können.

Welche Trends sehen Sie derzeit an den europäischen Märkten und wie finden Sie Kaufgelegenheiten?

In Europa wirken derzeit grundsätzlich vier Trends, auf die wir setzen. Zunächst ist das der schon beschriebene strukturelle Unterschied zwischen Kernmärkten und Peripherie. Das wirkt unserer Meinung nach langfristig. Und deshalb sind wir etwa für Deutschland in den nächsten Jahren sehr optimistisch. Wir sind hier zu 21 Prozent investiert. Das Gewicht ist damit um etwa neun Prozentpunkte höher als beim Vergleichsindex. Zweitwichtigster Trend ist ein Nachfragewandel in China. Zuerst fragten die Chinesen vor allem Rohstoffe nach. Das treibt seither die Preise nach oben. Jetzt wird die chinesische Nachfrage auch für Güter und Dienstleistungen wichtiger. Auch das ist ein sehr wichtiger und langfristiger Trend. Drittens erholt sich die Wirtschaft weltweit. Die enormen Stimuli, die in der Finanzkrise vergeben wurden, beginnen zu wirken. Und viertens sind viele europäische Aktien günstig bewertet.

Kommentare (1)

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21.03.2011, 17:26 Uhr

Ein Ereignis, das mich skeptisch stimmt.

Das Japan-Problem ist eine Potenz größer, als von Herrn Scurlock im Artikel dargestellt. Es geht nicht nur um Produktionsausfälle, die in ein paar Wochen wieder behoben sind.

Japan war nach China der zweitgrößte Aufkäufer amerikanischer Staatsanleihen. China hat bereits den Ankauf von amerikanischen Staatsanleihen schon vor Monaten massiv reduziert. Die gehen bereits von einem Dollar-Crash aus.

Wenn jetzt noch Japan als Käufer der wertlosen US-Staatsanleihen ausfällt, weil das Geld dringend für den Aufbau der Infrastruktur benötigt wird, dann läuten die Alarmglocken. Dann muss die Fed schon im Wochentakt ein Stützungsprogramm für den Anleihekauf auflegen. Die Folgen kennen wir ja in DE nur all zu gut. Die Auswirkungen hatten wir 1945 bei der Einführung der DM.

Das sind die massiven Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die die Experten leider nicht berücksichtigt haben. Wer jetzt noch Aktien kauft ist selber schuld. Die Börsenkurse sind schon seit 2 Jahren fast ausschließlich Liquiditätsgetrieben. Die fast zinslosen Milliarden/Billionen der Zentralbanken suchen nach immer neuen Einsätzen im Spielcasino. So bald die ihr Geld wieder zurückfordern, oder auch nur die Zinsen steigen, fällt das Kartenhaus Börse wie Staub in der Wüste in sich zusammen.

Noch ist dafür Zeit sein Vermögen sicher und günstig in Edelmetalle und Rohstoffe umzuschichten. Und erst nach dem Crash (der jeden Tag immer näher rückt) Aktien kaufen, bei Firmen, die die Katastrophe überlebt, bzw. neu firmiert haben.

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