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20.01.2006

07:36 Uhr

Allgemeine Schließung gefordert

Fonds fürchten Massenflucht

VonReiner Reichel

Die dritte Schließung eines offenen Immobilienfonds innerhalb nur weniger Wochen hat die Branche in höchste Aufregung versetzt. Auch wenn Bundesbankvorstand Meister sagt, dass die „Rückflüsse noch nicht Besorgnis erregend“ seien, fordern einige Anbieter die Schließung aller Immobilienfonds. Kein Anleger käme mehr an sein Geld heran.

Auch etliche Hochhäuser der Frankfurter Bankenwelt gehören offenen Immobilienfonds. Foto: dpa

Auch etliche Hochhäuser der Frankfurter Bankenwelt gehören offenen Immobilienfonds. Foto: dpa

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Am Donnerstag hat die deutsche Investmentgesellschaft Kanam nach massiven Mittelabflüssen auch ihren zweiten Immobilienfonds, den Kanam Grundinvest, geschlossen. Verunsicherte Anleger hatten innerhalb von nur 24 Stunden rund 700 Millionen Euro aus dem Fonds abgezogen. Kanam teilte mit, die Aussetzung der Anteilsrücknahme an dem 3,2 Mrd. Euro schweren Fonds sei auf drei Monate befristet.

Anbieter fürchten nun, dass verängstigte Sparer weitere Mittel abziehen und so auch andere Fonds der fast 90 Mrd. Euro schweren Branche in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Nervosität ist groß: „Wenn eine Panik ausbricht, ist die Finanzaufsicht BaFin gefragt“, sagt Reinhard Mattern, Geschäftsführer der Hypo-Vereinsbank-Tochter iii-Investments. In allerletzter Konsequenz könne überlegt werden, ob zum Schutz der Anleger alle Fonds provisorisch geschlossen werden – ein Vorschlag, mit dem auch andere Anbieter schon an das BaFin herangetreten sein sollen. Für eine generelle Schließung aller Fonds gebe es keinen Grund, entgegnete jedoch eine BaFin-Sprecherin auf Nachfrage.

Auch Analysten warnen Anleger vor überstürzten Verkäufen. „Wer hektisch verkauft, schadet nur sich selbst“, sagt Helmut Knepel, Geschäftsführer von Feri Rating & Research. „Nur keine Panik“, appelliert auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Wenn sich die Anleger rational verhielten, werde es nicht zu einem Domino-Effekt kommen.

Zumal die bisherigen Fälle kaum vergleichbar waren. So hatte die Deutsche Bank ihren Fonds Grundbesitz-Invest am 13. Dezember 2005 geschlossen, nachdem die Anleger wegen bevorstehender Wertberichtigungen der Immobilien aus ihren Anteilen geflüchtet waren. Die Rückzugswelle bei Kanam dagegen hatte eine Verkaufsempfehlung der Ratingagentur Scope ausgelöst. Hintergrund waren Probleme des amerikanischen Kanam-Partners Mills, einer der größten Shoppingcenter-Betreiber der USA. „Sachlich nicht nachvollziehbar“ sei diese Einschätzung, schimpfte ein Kanam-Sprecher. Beide Kanam-Fonds seien kerngesund, bestätigte auch Bundesbankvorstand Edgar Meister dem Handelsblatt. Er ergänzte: „Es handelt sich bei Kanam um einen isolierten Vorgang, der durch den Streit mit der Ratingagentur ausgelöst wurde. Das hat nichts mit dem deutschen Immobilienmarkt oder Bewertungsfragen der Fonds zu tun.“

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