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15.03.2013

09:53 Uhr

Allianz-Fondsmanager im Interview

„Es gibt keine Alternative zu Aktien“

VonJörg Hackhausen

Der Dax ist längst noch nicht am Ende, meint Thorsten Winkelmann. Im Interview erklärt der Fondsmanager von Allianz Global Investors, warum nicht nur der Aktienmarkt, sondern auch die Inflation anziehen wird.

„Es gibt keine Alternative zu Aktien.“Thorsten Winkelmann, Fondsmanager von Allianz Global Investors, investiert auch privat in den eigenen Fonds.

„Es gibt keine Alternative zu Aktien.“

Thorsten Winkelmann, Fondsmanager von Allianz Global Investors, investiert auch privat in den eigenen Fonds.

Herr Winkelmann, der Dax hat die 8000-Punkte-Marke geschafft, der Dow Jones notiert auf dem höchsten Stand aller Zeiten. Wie passt das zur Krise in Europa und den USA? Haben sich die Börsen von der Realität verabschiedet?

Winkelmann: Ganz und gar nicht. Gemessen an den Gewinnen der Unternehmen sind die Kursgewinne gerechtfertigt. Aktien sind immer noch günstig bewertet. Außerdem gibt es im Moment keine Alternative zu Aktien.

Weil vermeintlich sichere Anlagen kaum noch etwas abwerfen?

So ist es. Bei großen Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen wird ein Umdenken stattfinden. Sie müssen mehr Risiken eingehen, um eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals zu erreichen - sonst könnten ihnen die Felle wegschwimmen. Das geht nicht allein mit Anleihen.

Das gilt auch für die Allianz, ihr Mutterhaus.

Die Vorgaben für Aktienquoten sind generell sehr niedrig. Einerseits sind vielen große Investoren aufgrund strenger Regulierung die Hände gebunden, andererseits waren manche vielleicht auch zu vorsichtig. Man kann jedenfalls nicht behaupten, dass diese Investoren die großen Treiber der Aktienrally gewesen wären.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Sie sagen, dass Aktien immer noch günstig bewertet sind. Allerdings haben die Börsen einen kräftigen Anstieg der Unternehmensgewinne bereits vorweggenommen. Das kommt mir sehr optimistisch vor.

Natürlich hat es Vorschusslorbeeren gegeben. Ich denke, dass die Gewinnerwartungen im Laufe des Jahres korrigiert werden müssen. Ja, Rücksetzer kann es immer geben. Aber eines muss ich mal sagen: Die Medien haben die Angewohnheit, nur das Negative zu berichten. Ständig geht es nur um Krisen, Skandale oder zu hohe Managergehälter. Über die Fortschritte wird dagegen wenig geschrieben, gerade auf Seiten der Unternehmen hat sich viel getan.

Was denn zum Beispiel?

Die Unternehmen haben ihre Schulden in den vergangenen Jahren deutlich reduziert, die Bilanzen können sich sehen lassen. So viele gute Unternehmen wie derzeit finden wir selten vor. Wir investieren ohnehin nur in Unternehmen, die eine starke Position am Markt haben, die häufig global aufgestellt sind und ein organisches Umsatzwachstum vorweisen können.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielen die Notenbanken. Was würden Sie sagen, wenn ich behaupte, dass die Rally darauf beruht, dass die Zentralbanken unglaublich viel Geld in die Märkte gepumpt haben.

Das sehe ich nicht so.

Kommentare (8)

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15.03.2013, 10:09 Uhr

also für die Kinder würde ich Gold und Silber zurücklegen,natürlich nur in physischer Form.

vandale

15.03.2013, 10:26 Uhr

Ich kann sicherlich nicht in die Zukunft sehen, erachte es jedoch als wahrscheinlich, dass die Notenbanken die Geldschöpfung weiter betreiben und sich auch durch eine Inflation nicht in ihren Aktivitäten beeinflussen lassen. Der Stabilisierung der hochverschuldeten Staaten wird Vorrang eingeräumt.

Insofern würde ich mich nicht wundern wenn der Dax in nicht allzu ferner Zukunft die Marke von 10.000 Punkten anvisiert.

Meine eigene Erfahrung als Angestellter in diversen Unternehmen und Ländern mit Geldentwertung ist die, dass die Unternehmen erhöhte Einkaufspreise nach 3 - 6 Monaten wahrnehmen, zunächst die Lieferanten in Frage stellen, Sparprogramme auflegen und nach 6 - 12 Monaten die Preise erhöhen. Preiserhöhungen werden aufgrund von Vertragslaufzeiten und Verzögerungstaktiken der Kunden nicht unverzüglich wirksam Die Unternehmensgewinne leiden 1 Jahr. Anschliessend sind diese an die Kundschaft weitergegeben. Im Falle eines Endes der Preissteigerung der Vorprodukte steigen die Gewinne wiederum 1 Jahr überproportional. Aus meiner Sicht ist es ideal Aktien zu Beginn einer Inflationsphase zu kaufen.

Vandale

Micha

15.03.2013, 11:22 Uhr

Volle Zustimmung. Ergänzend werden dann von den (Grünen und/oder Linken) Politikern die Unternehmer als Sündenböcke für die Inflation angegeben, da diese ja immer mehr Gewinne erzielen möchten. Der Staat schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe:
- Er entschuldigt sich elegant über die Inflation
- Er steigert die Steuereinnahmen über die Steuerprogression
- Er schiebt die Schuld den Unternehmern zu
- Er hat somit Gründe für weitere Steuererhöhungen

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