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11.09.2011

09:24 Uhr

Alternative Anlagen

Welche Fonds der Krise stand halten

VonIngo Narat

Anlageprodukte mit alternativen Ansätzen haben sich trotz der Krise und abstürzender Aktienmärkte in der Krise relativ gut gehalten. Einige Fonds schafften sogar Gewinne.

Die Deutschen Börse in Frankfurt: Auch in der Krise haben sich viel Fonds bewährt. dapd

Die Deutschen Börse in Frankfurt: Auch in der Krise haben sich viel Fonds bewährt.

FrankfurtDie Schuldenkrise spitzt sich zu – und auch die Aktienmärkte stürzen weiter. Gemessen daran haben sich die Fonds für alternative Anlagestrategien gut gehalten. „Viele Manager wollen in Krisen Absicherung nach unten, die Masse hat das geschafft“, sagt Michael Busack, Geschäftsführer der Analysefirma Absolut Research.

Busack untersuchte 674 Investmentfonds mit alternativen Anlageansätzen. Die Produkte vereinigen 113 Milliarden Euro auf sich und sind rein rechtlich Investmentfonds. Anlageziel der untersuchten Depots ist es, unabhängig von der jeweiligen Marktlage – also auch in fallenden Märkten – einen positiven Ertrag zu erzielen und die Verluste zu begrenzen. Deshalb werden die Produkte im Branchenjargon oft unter dem Etikett „Absolute Return“ verkauft.

Fonds-Gebühren im Überblick

Ausgabeaufschlag

Der Ausgabeaufschlag fällt beim Kauf an. Je nach Anlagestrategie des Investmentfonds kann er relativ gering sein, bei Geldmarktfonds liegt der Satz etwa häufig bei rund ein Prozent. Er kann aber auch deutlich höher sein wie bei Aktienfonds, wo fünf Prozent keine Seltenheit sind. Dies bedeutet, dass bei einer monatlichen Sparrate von 50 Euro beim Geldmarktfonds für 49,50 Euro Anteile erworben werden, beim Aktienfonds hingegen nur für 47,61 Euro.

Fondskäufer können den Ausgabeaufschlag aber reduzieren. Direktbanken oder Fondssupermärkte im Internet bieten niedrigere Sätze an oder verzichten sogar ganz auf diese Gebühr. Zu den bekanntesten Fondssupermärkten zählen beispielsweise fondssupermarkt.net, avl-investmentfonds.de und infos.com. Gute Kunden dürfen außerdem auf Sonderkonditionen bei der Hausbank hoffen.

Je länger der Anleger investiert bleibt, desto weniger stark wirkt die Kaufgebühr. Wer monatlich 100 Euro in einen Sparplan mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag einzahlt und durchschnittlich fünf Prozent Jahresrendite erzielt, steht nach drei Jahren bei 3.690 Euro. Ohne Kaufgebühren wären es 3.885 Euro. Wer zehn Jahre investiert bleibt, kommt mit dem Ausgabeaufschlag auf ein Guthaben von 14.725 Euro, ohne Gebühr wären es 15.500 Euro. 

Verwaltungsgebühr

Die Verwaltungsgebühr liegt im Regelfall zwischen null und zwei Prozent. Oft ist dieser Satz etwas höher, wenn der Ausgabeaufschlag gering ist und umgekehrt. Die Verwaltungsgebühr wird - einmal im Jahr oder auch monatlich - aus dem Fonds bezahlt. Wenn die Gebühr zum Beispiel 1,2 Prozent ist und der Fondswert 10.000 Euro, beträgt die Gebühr 120 Euro im Jahr und das neue Fondsvermögen noch 9.880 Euro. 

Depotbankgebühr

Die Investmentgesellschaft hinterlegt das Fondsvermögen bei einer sogenannten Depotbank. Für das Führen dieses Depots wird eine Gebühr erhoben, die im Regelfall aus dem Fondsvermögen bezahlt wird. Diese Gebühr kann bei großen Fonds bis zu 0,3 Prozent des Fondsvolumens per anno ausmachen.

Zusätzlich ist die Depotbank berechtigt, eine Transaktionsgebühr von bis zu 100 Euro je Transaktion, die nicht über die Depotbank getätigt wird, zu erheben. Auch eine zusätzliche Verwahrgebühr von bis zu 0,1 Prozent pro Jahr ist rechtens. Neben den genannten Vergütungen verlangen einige Gesellschaften eine weitere tägliche Vergütung in Höhe von bis zu 0,75 Prozent pro Jahr. 

Performance Fee

Die Performance Fee ist eine erfolgsabhängige Gebühr. Wenn ein aktiv gemanagter Fonds eine bessere Wertentwicklung aufweist als ein vorher festgelegter Vergleichsindex, wie zum Beispiel der DAX, wird die Performance Fee gezahlt. Wenn eine Performance Fee von 20 Prozent vorgesehen ist, bedeutet das zum Beispiel: Ein Kunde hat ein Fondsvermögen in Höhe von 20.000 Euro. Der Fonds hat in diesem Jahr sechs Prozent Plus gemacht, der Vergleichsindex nur vier Prozent. Das Mehr an Rendite von zwei Prozent sind 400 Euro. Davon bekommt die Gesellschaft 20 Prozent, also 80 Euro. 

Performance Fees sind an ganz unterschiedliche Bedingungen geknüpft. Die Investmentgesellschaft profitiert von einem besseren Abschneiden im Vergleich zum Vergleichsindex, muss sich aber nicht zwangsweise auch an Verlusten beteiligen, falls der Index besser war.

Es ist auch möglich, dass Anleger Performance Fee`s zahlen müssen, obwohl der Fonds Verluste gemacht hat. Wenn der Vergleichsindex zehn Prozent Minus gemacht hat, der Fonds aber nur sechs Prozent Minus, war er besser als der Vergleichsindex. Dann lässt die

Investmentgesellschaft es sich vergüten, dass der Fond zwar Verluste gemacht hat, aber eben nicht so viel wie andere. 

Transaktionskosten

Transaktionskosten entstehen, wenn im Fonds eine Umschichtung der Wertpapiere stattfindet, also beispielsweise Aktien verkauft und andere dafür gekauft werden. Bei einer solchen Umschichtung entstehen Transaktionskosten, die von den Anlegern bezahlt werden. Je öfter umgeschichtet wird, desto mehr Gebühren müssen gezahlt werden und desto geringer ist die Rendite.

Wegen mangelnder Transparenz bleibt die Höhe der Transaktionskosten in der Regel im Dunkeln. Eine Ausweisung der relevanten Daten im Fondsprospekt geschieht laut Studie der Verbraucherzentrale NRW kaum oder nur unzureichend. 

Sonstige Gebühren

Der Fantasie sind bei den sonstigen Kosten keine Grenzen gesetzt. Rechtliche Vorgaben gibt es so gut wie nicht. So kann es passieren, dass Anleger nicht nur den Ausgabeaufschlag beim Kauf bezahlen, sondern auch einen Rücknahmeabschlag bei der Rückgabe der Anteilsscheine. Und wenn ein Fonds Geld einnimmt, weil er Wertpapiere verleiht, dann kassiert die Gesellschaft dafür oft auch eine Gebühr. Hier empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Fondsunterlagen und des amtlichen Verkaufsprospekts um herauszufinden, welche sonstigen Kosten anfallen können.

Eine Hilfe beim Vergleich von Fonds anhand der anfallenden Kosten ist die Total Expense Ratio (TER). Die TER ist eine Gesamtkostenquote, die für Transparenz sorgen soll. Das gelingt allerdings nur zum Teil. Grund ist, dass in der TER nicht alle Kosten enthalten sind. So sind weder die Ausgabeaufschläge enthalten, noch die erfolgsabhängigen Gebühren (Performance Fee`s). Die Aussagekraft der TER ist daher begrenzt. Laut Morningstar liegt sie bei Aktienfonds bei gut zwei Prozent.

Dabei verfolgen die Fonds sehr heterogene Anlagestrategien: Die einen setzen auf Terminkontrakte für viele Vermögensformen, andere können auch auf fallende Kurse etwa von Aktien wetten, wieder andere wollen von Wertschwankungen an den Märkten profitieren.

So unterschiedlich wie die Ansätze sind die Ergebnisse: Sie reichen für den kurzen Zeitraum von Juli bis Ende August von plus 17 Prozent bis zu einem Minus von 35 Prozent. Insgesamt 172 Produkte lieferten in der Krisenperiode ein positives Ergebnis ab. Nur bei 50 Fonds ist der Verlust größer als zehn Prozent. Der Dax dagegen als Aktien-Messlatte kommt auf einen Verlust von 18,2 Prozent, der Welt-Aktienindex auf ein Minus von 7,4 Prozent.

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Viele der erfolgreichen Produkte haben in der Krise die entscheidenden Weichen richtig gestellt. Das gilt beispielsweise für den Spitzenreiter „AC Spectrum Fund“ der knapp drei Milliarden Euro verwaltenden Gesellschaft Aquila Capital. Der Fonds arbeitet mit Terminkontrakten und hatte sich auf Kurssteigerungen bei Anleihen, auf Preisgewinne bei Gold und auf eine Talfahrt bei Aktien eingestellt. Alle drei Entscheidungen erwiesen sich bis heute als richtig. „Grundsätzlich sind wir auch jetzt im September noch so ausgerichtet“, sagt Roman Rosslenbroich, Geschäftsführer von Aquila Capital.

Gut über die Runden kam auch der „Sentix Fonds 1“, der den Härtemonat August mit einem Plus von etwa drei Prozent überstand. Der Fonds von Sentix Asset Management hatte zeitweise auch auf fallende Aktienkurse gesetzt. Jetzt ist er mit dem Großteil des Geldes in erstklassigen Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten investiert. „Ein kleinerer Teil des Kapitals steckt in Optionsstrategien, mit denen wir auf eine kurzfristige Aktienerholung setzen, längerfristig aber auf eine weitere Talfahrt“, sagt Patrick Hussy, Geschäftsführer von Sentix Asset Management.

Fondskauf

Hausbank

Die Mehrheit der deutschen Anleger handeln ihre Wertpapiere über ihre Hausbank. Doch gerade bei Aktienfonds, die rasch an Wert gewinnen oder verlieren können, ist der Gang zum Bankberater nicht immer optimal. Denn einerseits gilt die Alternative zu Recht als teuer. Zahlen Anleger hier beim Kauf doch meist den vollen Ausgabeaufschlag. Dafür bleibt jedoch die Rückgabe der Anteile spesenfrei. Das Problem: Die Abwicklung kann hier deutlich länger dauern als einen Handelstag. Das kann zwar gute Gründe haben. Vorsichtige bevorzugen dennoch die Abwicklung über die Börse.

Börse

Der sicherste Variante für zeitbewusste Anleger ist der Handel über die Börse. Dabei geben Anleger wie gewohnt ihre Order beim Bankberater ab, tragen aber als Handelsplatz die Börse Hamburg an. Dadurch fallen zwar Kosten an, die je nach Fonds etwas variieren können (www.fondsboerse.de). Dafür erfolgt die Abwicklung zeitnah. Beim Kauf von Papieren ist es ohnehin meist billiger, Fonds über die Börse zu kaufen. „Wenn Sie die Bank auf diese Option nicht hinweist, macht sie sich unter Umständen eines Beratungsfehlers schuldig“, sagt Johannes Fiala, Anwalt mit dem Schwerpunkt Kapitalmarktrecht aus München.

Onlinebroker

Fondskäufer, die wissen, was sie wollen, sollten Onlinebroker oder Fonds-Supermärkte ins Kalkül ziehen. Sie bieten meist nicht nur eine Auswahl unter tausenden Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Oft können sie hier auch problemlos auf Sparpläne auf Wunschfonds abschließen, die sie via Hausbank nicht bekommen. Die Anbieter handeln die Fondsanteile dabei über dieselben Plattformen wie die Profis. Manche der Anbieter garantieren zudem eine taggleiche Abwicklung der Aufträge, sofern die Order vor zwölf Uhr eintrifft.

Absichern

Wie bei Aktien können Fondsanleger bei manchen Anbietern zudem Limits setzen. Das bedeutet, sie beauftragen den Händler etwa mit einem Stopp-Loss den Fondsanteil zu verkaufen, sobald der Fondspreis unter eine gewisse Grenze fällt. Diese Order kostet wird dann bei steigenden Kursen nicht ausgeführt. Einige Online-Broker ziehen diese Grenze auf Wunsch bei steigenden Kursen kostenlos nach.

Am schlechtesten kamen in der Krise die alternativen Aktienprodukte weg. Diese Fonds verloren im Juli und August durchschnittlich 5,9 Prozent. Der Grund: Die Aktienmanager setzen nur begrenzt auf fallende Kurse. Mit dem Großteil des Kapitals haben sie den Börsenrückschlag mitgemacht.

Wenn Anleger sich für diese Angebote interessieren, sollten sie die Investmentstrategie genau prüfen. Die Gebühren sind eher höher als bei traditionellen Investmentfonds. Jährliche Gebühren von bis zu zwei Prozent plus Erfolgsgebühren von maximal 20 Prozent jährlich bei positivem Ertrag sind üblich.



Kommentare (3)

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Fred_Kirchheimer

11.09.2011, 10:41 Uhr

Es ist immer wieder interessant, wie weit weg die Redaktion von der Realität ist, den Leser richtig einzuschätzen. So glaubt man offensichtlich solch einen Artikel würde irgend jemand ernst nehmen. Es mag ja sein, daß irgendwelche Fonds erfolgreich waren, aber das ist und bleibt immer eine Betrachtung der Vergangenheit und eine Garantie, daß die auch in der Zukunft erfolgreich sein werden gibt es nicht. Und diese fehlende Abgrenzung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist ärgerlich. Kennzeichnen Sie diesen Artikel als Anzeige und schon wären wir näher an der Wahrheit. Ansonsten sollte man sich überlegen, derartige Meldungen eher über Astro-TV unters Volk zu bringen.

Account gelöscht!

11.09.2011, 11:37 Uhr

die Talfahrt dauert noch ungefähr bis 2016/17 an - oder etwas länger.

aruba

11.09.2011, 17:39 Uhr

Guten Tag,.... KEINE. Das wissen Sie so gut wie Ich. Also schreiben Sie nicht sowas. Es gibt Idioten die nehmen es Ernst und verspielen Omas Rente auch noch. Besten Dank

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