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08.05.2014

07:00 Uhr

Alternativen zum Sparbuch

Sechs Prozent Rendite ohne Risiko

VonDörte Jochims

Im Zinstief müssen konservative Anleger erfinderisch sein. Ein Geheimtipp sind Genossenschafts-Anteile. Auch Absolute-Return-Fonds bieten solide Renditen. Wo es mit geringem Risiko noch ordentliche Renditen gibt.

Getty Images

DüsseldorfNicht schon wieder! Durchschnittlich 0,7 Prozent Zins für Tagesgeld und 1,45 Prozent Rendite für zehnjährige Anleihen. Dennoch wird der Ruf nach billigem Geld immer lauter – und die Zinsen im Euro-Raum könnten noch weiter sinken.

So fordert der neue französische Regierungschef Manuel Valls, der Euro sei gegenüber dem Dollar zu teuer und der Wechselkurs müsse gedrückt werden. Und die Industriestaaten-Organisation OECD empfiehlt, der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Geld eindecken können, solle von derzeit 0,25 auf null Prozent gedrückt werden.

Zudem sei es sinnvoll, Banken, die Geld bei der EZB parken, mit einem Strafzins zu belegen, um vor allem die Geldhäuser in Südeuropa dazu zu bewegen, die Kreditzinsen für Unternehmen zu verringern. „Der Europäischen Zentralbank raten wir, neue Maßnahmen zu ergreifen“, sagt der stellvertretende Generalsekretär der OECD Rintaro Tamaki.

Tatsächlich liegen die Interbankensätze für Übernacht-Ausleihungen erstmals seit 2008 zeitweise über dem Leitzins der Europäischen Zentralbank. Die EZB könnte also bei ihrer Sitzung am Donnerstag die Geldpolitik weiter lockern. „Die EZB glaubt, dass die Erholung sich nur sehr allmählich vollzieht“, sagte Anatoli Annenkov, leitender Volkswirt für Europa bei der Société Générale in London: „Aus dieser Sichtweise heraus würden sie die Geldmarktsätze vermutlich gern auf ein möglichst niedriges Niveau drücken.”

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Vier Prozent bei der Raiffeisen-Tochter Apobank

Doch Sparer müssen sich mit den homöopathischen Erträgen aus Sparbüchern und Tagesgeld nicht zufriedengeben. So wird bei dem Arzt Peter M. ausgerechnet jetzt eine Lebensversicherung ausbezahlt, die er wieder anlegen möchte. Der Garantiezins bei den Versicherern ist ihm jedoch zu gering, um einfach eine neue Police abzuschließen. Sichere Spareinlagen bringen ihm zu wenig. Der Mediziner überlegt daher, die ausgetretenen Pfade der Geldanlage zu verlassen und Genossenschaftsanteile bei der Apotheker- und Ärztebank (Apobank) zu zeichnen.

Dafür zahlt das Institut seit 2010 regelmäßig vier Prozent Dividende. Mitglieder von Heilberufen können Anteile in unbeschränkter Höhe zeichnen. Die Papiere können entweder an andere Mitglieder übertragen oder binnen 24 Monaten gekündigt werden.

Doch wie sicher ist ein solches Investment? Und welche anderen Alternativen gibt es für Anleger, die keine Ärzte sind?

Kommentare (19)

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08.05.2014, 08:03 Uhr

Ein interessantes Angebot der Volks- und Raiffeisenbanken
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Doch Anleger können Genossenschaftsanteile von Banken nur begrenzt zeichnen. Die Töchter der Volksbanken- und Raiffeisengruppe sind regional orientiert und setzen Genossenschaftsanteile oft als Instrument zur Kundenbindung ein.

Nur Schade, dass es finanziell begrenzt ist.

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08.05.2014, 08:08 Uhr

Der "Tip" mit den Genossenschaftsanteilen ist für mich eine kleine Lachplatte. Natürlich ist der Zinssatz hoch, aber was bringt ein hoher Zinssatz, wenn man Genossenschaftsanteile nicht unbegrenzt zeichnen kann? Bei meiner Genossenschaftsbank z.B. ist die Einlage auf 500 Euro beschränkt. Das bringt im Jahr ein kleines Taschengeld, mehr aber auch nicht.

Account gelöscht!

08.05.2014, 08:28 Uhr

Den Leuten einzureden es gäbe 6% Rendite ohne Risiko ist unverantwortlich!! Jedem Bankberater wird erklärt, dass er für solche Aussagen in Haftung genommen wird. Ich hoffe das Thema schlägt einmal zurück und dann ist es aus.... mit dem schönen handelsblatt...

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