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26.01.2009

16:31 Uhr

Altersvorsorge

Europäische Fonds planen Reform

VonIngo Narat

In der Finanzkrise bedrohen massive Mittelabzüge der Investoren die europäische Fondsbranche. Eine achtköpfige Expertengruppe aus Branchenvertretern und unabhängigen Fachleuten schlägt Alarm. Wie die Expertengruppe die Altersvorsorge mit anlegerfreundlicheren Regeln retten will.

EU-Kommissar Charie McCreevy strebt einen Mix aus Aufsicht und Selbstregulierung der Anlagebranche an. Foto: dpa Quelle: dpa

EU-Kommissar Charie McCreevy strebt einen Mix aus Aufsicht und Selbstregulierung der Anlagebranche an. Foto: dpa

FRANKFURT. "Wir sind besorgt, dass das langfristige private Vorsorgesparen leidet", sagt Wolfgang Mansfeld, Mitglied der Gruppe. Die Expertenrunde präsentiert einen dem Handelsblatt bereits vorliegenden Neun-Punkte-Maßnahmenkatalog, der den Wunsch nach gesetzlichen Initiativen einschließt ("Building Long-Term Savings in Europa"). Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy hat bereits regulatorische Maßnahmen angedeutet.

"Zentrale Punkte des Kataloges sind die Verbesserung der Produktqualität und des Vertriebes sowie die Anlegeraufklärung", erläutert Diana Mackay, Leiterin der Fondsanalysefirma Lipper FMI. "Wir müssen auch vor der eigenen Tür kehren", räumt Jean-Baptiste de Franssu, Europachef von Invesco, für die Branche ein.

In den zwölf Monaten bis Ende November ist das Vermögen der Investmentfonds in Europa laut Lipper FMI um 1,5 auf rund 4,0 Bill. Euro abgeschmolzen; Anleger zogen netto 355 Mrd. Euro ab. Ein Großteil des Kapitals konzentriert sich auf sogenannte Ucits-Fonds, die nach EU-Recht aufgelegt sind und Mindeststandards für europaweit zum Vertrieb zugelassene Produkte definieren.

McCreevy hat in Zusammenhang mit der Studie bereits eine regulatorische Marschrichtung vorgegeben. Er stellt die Sicherheit der Produkte, die Qualität des Vertriebes und die Verkaufspraktiken in den Vordergrund. Außerdem gefährden seiner Meinung nach die Schieflage einiger Geldmarktfonds sowie rein psychologisch die Madoff-Affäre, die auch einige Ucits-Fonds betraf, den Ruf dieser Produkte als sichere Anlageobjekte.

McCreevy kritisiert, dass die Anlagebranche zu stark auf neue Produkte zur Einnahmeerzielung fixiert ist. In der Regel vereinnahmen Vertrieb beziehungsweise die Banken den Ausgabeaufschlag und Teile der jährlichen Fondsmanagementgebühr. "Fonds werden eher von Beratern verkauft als von Kunden gekauft", stimmt Mackay zu. Deshalb regt die Branche einen Verhaltenskodex für den Vertrieb an.

Hier ist laut den Experten die Altersvorsorge berührt. "Die bisherigen Produkte sind nicht immer passend, was man daran erkennt, dass ein Großteil der Mittelzuflüsse in die neu aufgelegten Fonds geht", sagt de Franssu. "Manche der Fonds eignen sich eher zur Spekulation oder für kurzfristige Investments." McCreevy fordert an dieser Stelle Angebote, die die Risiken senken und kalkulierbare Erträge liefern. Mansfeld empfiehlt: "Man sollte für langfristige und einfache Vorsorgeprodukte ein besonderes Etikett schaffen."

Die Expertengruppe nennt einige Bereiche, in denen auch sie regulatorischen Handlungsbedarf sieht: eine EU-harmonisierte Vorsorgelösung, einheitliche Wettbewerbsbedingungen für alle Vorsorgeprodukte wie etwa Versicherungen und Zertifikate. Am letzten Punkt arbeitet die EU bereits.

Der Branchenvorstoß soll auf die neuen politisch Handelnden nach der Wahl des Europäischen Parlaments im Sommer wirken. Ein McCreevy-Nachfolger steht noch nicht fest. Doch Mackay ist sicher: "Wir werden auf jeden Fall mehr Regulierung bekommen."

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