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22.01.2007

19:12 Uhr

Angst um Anlageergebnisse

Hedge-Fonds weisen Anleger ab

VonMichael Maisch

Lange Zeit floss das Kapital unbegrenzt, nun beginnen die Top-Fonds neue Kunden auszuschließen oder zumindest die Zuflüsse stark zu begrenzen. Die Erfolge der letzten Jahre lockten mehr und mehr Anleger – jetzt fürchten Portfolioverwalter um ihre Renditen.

LONDON. Mit Geld kann man viel, aber lange nicht alles kaufen. Selbst die Superreichen dieser Welt tun sich schwer, wenn sie ihre ersparten Millionen in den besten Hedge-Fonds investieren wollen. In den vergangenen Jahren haben renditehungrige Anleger so viel Geld in die alternativen Investments gepumpt, dass viele Top-Fonds inzwischen die Tore für neues Kapital ganz geschlossen haben oder den Zugang zumindest streng beschränkt haben.

„Die Fondsmanager wollen verhindern, dass sie unter zu großen Anlagedruck geraten. Zu viel Kapital drückt oft die Renditen“, meint Mehraj Mattoo, Chef des Bereichs alternative Investments bei der Commerzbank. Von den wirklich guten Hedge-Fonds gebe es nicht allzu viele, und die Elite genieße den Luxus, dass sie sich ihre Investoren aussuchen könne.

Zu dieser Elite gehören beispielsweise die Fonds von Jim Simons von Renaissance Technologies. Simons ist ein hoch begabter Mathematik-Professor und gründete 1982 einen Hedge-Fonds, der auf Basis von quantitativen Modellen nach Ineffizienzen an den Wertpapiermärkten sucht. Seit Ende der 80er-Jahre erreichte der Medallion-Fonds, das Flaggschiff von Renaissance, eine jährliche Durchschnittsrendite von über 38 Prozent. Allerdings ist der Fonds bereits seit Jahren für neue Anleger geschlossen.

„Wir haben wegen der Modelle, die wir verwenden, eine sehr hohe Umschlagsgeschwindigkeit in unseren Portfolios. Je mehr Kapital wir verwalten, desto höher werden die Gebühren für den Wertpapierhandel“, erläuterte Sebastian Echavarria von Renaissance Institutional Management. Die Ertragschancen seien aber nur begrenzt. „Ab einem bestimmten Punkt fressen die Gebühren die Gewinne auf.“ Im August 2005 eröffnete Renaissance einen zweiten Fonds und sammelte damit seither 18 Mrd. Dollar ein. Doch auch dieser Fonds ist bereits bis Ende Juli 2008 ausverkauft. „Man muss sehen, dass man die guten Fonds früh identifiziert und schnell einsteigt“, betont Commerzbank-Manager Mattoo.

Aber es gibt Ausnahmen: „Für wirklich gute oder prestigeträchtige Kunden machen einige an sich geschlossene Fonds eine Ausnahme oder führen zumindest Wartelisten“, erläutert ein Londoner Hedge-Fonds-Manager. Inzwischen hat sich innerhalb der Hedge-Fonds-Industrie eine eigene kleine Szene gebildet, die Investoren Zugang zu Fonds verspricht, die eigentlich kein oder kaum neues Kapital annehmen. So wirbt zum Beispiel der Dach-Hedge-Fonds Platinum Capital-Management damit, dass die meisten in seinem „All Star“-Portfolio enthaltenen Fonds für neues Kapital geschlossen seien. Auf der Platinum-Liste stehen neben Renaissance Technologies unter anderem auch die Fonds von Maverick Capital, Citadel, Perry Capital und Tudor Capital.

Aber auch Platinum-Chairman Peter Sprecher räumt ein, dass sein Dachfonds nicht bei all diesen Adressen Investmentkapazitäten hat und der Dachfonds nicht unbedingt in jeden einzelnen der prominenten Hedge-Fonds Geld stecken kann. Auch der Anbieter Hedgebay mit Sitz auf den Bahamas versucht, aus der Knappheit guter Fonds Kapital zu schlagen. Hedgebay bietet eine Handelsplattform, auf der Großanleger Hedge-Fonds-Anteile kaufen und verkaufen können. Interessenten an prominenten, eigentlich geschlossenen Fonds können hier versuchen, anderen Investoren Anteile an diesen begehrten Objekten mit einem kräftigen Aufschlag abzukaufen.

Viele Hedge-Fonds sehen solche Sekundärmärkte allerdings nicht gerne oder verbieten den Handel mit ihren Anteilen sogar ganz. „Wir wollen gerne genau wissen, wer unsere Investoren sind“, betont ein Londoner Hedge-Fonds-Manager.

Boom-Branche

Geldregen:

Trotz Skandalen wie dem milliardenschweren Zusammenbruch von Amaranth pumpten die Anleger 2006 von 127 Mrd. Dollar in Hedge-Fonds.

Stars:

Die Stars der Branche bescherten den Anlegern 2006 Renditen von über 30 Prozent. Steven Cohens SAC Capital Advisors überzeugte die Investoren mit einer Wertsteigerung von 34 Prozent. Fondsmanager Kenneth Griffin brachte es mit Citadel immerhin auf über 30 Prozent. Solche Erfolge locken immer neues Kapital.

Durchschnitt:

Doch längst nicht alle Hedge-Fonds schnitten so gut ab. Durchschnittlich erreichte ein Fonds im vergangenen Jahr lediglich eine Wertsteigerung von 13 bis 14 Prozent.

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