Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.03.2013

15:58 Uhr

Anlagebetrug

Partnerfirma der S&K ist pleite

Der Anlageskandal um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K zieht neue Kreise: Das Fondshaus United Investors hat Insolvenz angemeldet, gemeinsam hatten die Unternehmen mehrere Immobilienfonds aufgelegt.

Die Gründer der S&K, Stephan Schäfer und Jonas Köller, feierten ausschweifende Partys. WirtschaftsWoche

Die Gründer der S&K, Stephan Schäfer und Jonas Köller, feierten ausschweifende Partys.

FrankfurtDer wichtigste Partner der Frankfurter Immobiliengruppe S&K ist pleite. Acht Gesellschaften der Unternehmensgruppe United Investors haben vor einigen Tagen beim Hamburger Amtsgericht Insolvenz angemeldet, darunter die Kernfirmen United Investors Holding sowie das United Investors Emissionshaus.

Dies bestätigte der Hamburger Rechtsanwalt Michael W. Kuleisa von der Kanzlei Schwemer, Titz & Tötter gegenüber Manager Magazin online. Kuleisa fungiert als vorläufiger Insolvenzverwalter in sechs der betroffenen Gesellschaften. Bei der Holding sowie der Emissionshaus GmbH wurde er nach eigenen Angaben vom Gericht als Sachverständiger eingesetzt. Von United Investors war nach Angaben des Manager Magazins dazu keine Stellungnahme zu bekommen.

Die Meldungen zur Immobiliengruppe S&K hatten im Februar die Schlagzeilen dominiert. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt war mit 1200 Fahndern ausgerückt, hatte 130 Standorte untersucht und mindestens sechs Personen in Haft genommen. Die Staatsanwaltschaft vermutet hinter dem Geschäftsgebaren ein sogenanntes Schneeballsystem. Dabei werden die Gelder der Anleger gar nicht investiert, sondern neue Einzahlungen genutzt, um die Ausschüttungen an alte Gläubiger zu bezahlen.

Um diese Produkte geht es im S&K-Fall

Liste der Rechtsanwalt-GmbH PIA

Die Rechtsanwalt-GmbH PIA, ein Zusammenschluss der beiden großen Kanzleien Nieding und Barth in Frankfurt und Tilp in Tübingen, hat eine Liste mit Fonds und anderen Produkten erstellt, die von dem mutmaßlichen Betrug der S&K betroffen sind. Nachfolgend wird diese Liste dargestellt.

S&K Real Estate Value Added Fondsgesellschaft mbH & Co. KG

Über eine Treuhandkommanditistin der United Investors Gruppe wurden hier die Gelder der Anleger, ausweislich des Prospektes, in andere S&K Gesellschaften investiert, die sich wiederum an weiteren S&K Zweckgesellschaften beteiligen sollten. Diese sollten dann in Immobilien aus Zwangsversteigerungen investieren.

Deutsche S&K Sachwerte GmbH & Co. KG

Bei dieser Beteiligung wurden Anlegergelder des Fonds als Darlehen an die Deutsche S&K Sachwert AG vergeben, welche die Gelder dann auf dem deutschen Immobilienmarkt investieren sollte. Die Beteiligung erfolgte über eine treuhänderisch gehaltene Kommanditbeteiligung.

Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 GmbH & Co. KG

Der Nachfolgefonds zum Deutsche S&K Sachwerte GmbH & Co. KG versprach die gleiche Strategie wie der Vorgänger. Auch hier sollten Anlegergelder als Darlehen an S&K Gesellschaften vergeben werden, die dann im Immobilienmarkt investieren sollten.

S&K Investment GmbH & Co. KG und S&K Investment Plan GmbH & Co. KG

Als Private-Equity Fonds sollten die vorstehenden Beteiligungsangebote nicht nur der Immobilienfinanzierung, sondern der S&K Gruppe auch zum Wachstum dienen.

„Vario” Produkte

Die sogenannten „Vario” Produkte (Vario Zins, Vario Flex, Vario Loan, Vario First und Vario Prime) der Deutsche Sachwert Emissionshaus AG (DSW), die in S&K Gesellschaften investiert haben.

MIDAS Mittelstandsfonds

Die MIDAS Mittelstandsfonds Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6 GmbH & Co. KGs, die von der S&K Gruppe 2011 übernommen wurden.

SHB-Fonds

Die SHB-Fonds der SHB Innovative Fondskonzepte AG, an denen die S&K Gruppe über die Muttergesellschaft beteiligt ist, insbesondere die SHB Altersvorsorgefonds, SHB Renditefonds 6 und die SHB Fonds Fürstenfeldbruck und München.

DCM-Fonds

Die DCM-Fonds der DCM AG, die seit 2012 von der S&K gehörenden DCM Verwaltungs GmbH und der DCM Service GmbH verwaltet werden.

Asset Trust AG

Die Asset Trust AG bewog Anleger in der Vergangenheit dazu, Lebensversicherungen gegen Investments in S&K zu tauschen. Auch über die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG beteiligen sich Anleger an S&K.

Mit dem Hamburger Fondshaus United Investors hatte die S&K zwei Immobilienfonds aufgelegt. „Für Anleger hat die Insolvenz des Emissionshauses keine direkten Konsequenzen, denn ihr Vermögen liegt in den Fondsgesellschaften und nicht im Emissionshaus“, sagt Stephan Greger, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus München gegenüber Handelsblatt Online. Allerdings stehe zu befürchten, dass es einen Dominoeffekt geben könnte und die Fondsgesellschaften in die Insolvenz hineingezogen würden.

Noch dazu verschlechtere die Insolvenz die Ausgangsposition für Anleger, die auf Schadenersatz klagen wollen. „Anleger verlieren dadurch einen möglichen Haftungsgegner für Schadenersatzansprüche“, sagt Greger.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.03.2013, 16:03 Uhr

Wer ersetzt den Geschädigten den Schaden?
Ist nach der z.Zt. umgehenden Logik der Steuerzahler dafür zuständig, ähnlich der Rettung der insolventen EU-Banken?

MBoudik

26.03.2013, 16:19 Uhr

@PisaPisa

Falsch!

Die EZB kauft diese Anteile zum Nominalwert auf bzw. akzeptiert sie als Sicherheit. Dann gibt sie dafür neue Zahlungsmittel aus und wartet, bis die Verluste weginflationiert sind (und die Anteile wieder im Wert gestiegen sind).

Sollte das nicht klappen, werden die Versicherungen und Pensionskassen „gefragt“, ob sie nicht 5 % ihres Vermögens in solche Papiere investieren „müssen“.

Auf den vermeintlichen Gewinn sind Steuern zu bezahlen.

Am Schluss freut sich der Gurkenhändler, denn ein Anteil zu 100.000 Euro reicht, um einen Salat zu kaufen (Inflation...). Seine Freude ist nur von kurzer Dauer, er wird nämlich als Spekulant verurteilt und sein Haus wird gepfändet (für die Steuer).

EU-Kopfschuettler

26.03.2013, 16:24 Uhr

da mussen wir nun aber aufpassen, dass Brüssel das nicht sogleich auch rettet ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×