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29.11.2011

17:30 Uhr

Anlagestrategie

„Der Sparstrumpf ist keine Lösung“

VonJessica Schwarzer

Der Schock sitzt tief. Nach dem Börsenabsturz sind viele Investoren noch nicht an die Börse zurückgekehrt. Im Interview erklärt Achim Küssner, Deutschlandchef der Fondsgesellschaft Schroders, warum das falsch ist.

Achim Küssner, Deutschlandchef der Fondsgesellschaft Schroders

Achim Küssner, Deutschlandchef der Fondsgesellschaft Schroders.

Herr Küssner, wie waren die vergangenen Monate?

Das waren die schwierigsten Wochen und Monate seit sehr langer Zeit – und zwar für unsere privaten wie für unsere institutionellen Kunden, aber auch für uns als Vermögensverwalter. Alle sind verschreckt.

Und jetzt?

Viele Kunden verharren in Starre. In den Depots hat der Absturz natürlich Spuren hinterlassen, viele Risikobudgets sind aufgebaut. Gerade Institutionellen sind oft die Hände gebunden, weil sie strenge Vorgaben haben. Sie  mussten teilweise in fallende Märkte hinein verkaufen und halten nun hohe Cash-Bestände. Viele werden dieses Jahr wohl auch nicht wieder einsteigen. Das ist natürlich eigentlich Irrsinn, denn man sollte grundsätzlich kaufen, wenn es billig ist.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Aktienfonds

Wie der Name schon sagt, legen diese Investmentfonds in Aktien an. Aufgrund der breiten Anlagestreuung ist ein Investment in Aktienfonds weniger risikoreich als eine Direktanlage in Einzeltitel. Aktienfonds haben spezielle Anlageschwerpunkte – etwa bestimmte Branchen, Länder, Regionen oder Anlagestile.

Börsengehandelter Indexfonds (ETF)

Dieser Investmentfonds – auch Exchange Traded Funds (kurz ETF) genannt – bildet einen Index wie beispielsweise den Dax eins zu eins nach. Die Zusammensetzung dieses Fonds verändert sich nur, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index verändert. Deshalb spricht man von einem passiven Investment. ETFs können fortlaufend über die Börse gehandelt werden. Ihre Verwaltungsgebühren sind sehr gering, Ausgabeaufschläge wie bei „aktiv“ gemanagten Fonds entfallen.

Geldmarktfonds

Für die kurzfristige Anlage eignen sich vor allem Geldmarktfonds. Sie investieren in Geldmarktinstrumente wie beispielsweise Festgeld und kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere. Die Kursschwankungen dieser Fonds sind gering, die Renditeaussichten allerdings auch.

Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds legen das Geld der Anleger in Grundstücken, Erbbaurechten und Beteiligungen an Büro- und Geschäftsimmobilien an. Anleger profitieren von den Miet- und Zinseinnahmen sowie den Wertsteigerungen der Immobilien. Die Anzahl der ausgegebenen Anteile ist anders als bei geschlossenen Immobilienfonds nicht begrenzt.

Lebenszyklusfonds (Zielfonds)

Sogenannte Lebenszyklusfonds sind im Grunde Mischfonds mit einem bestimmten Anlageziel beziehungsweise -horizont. Die Lebenszyklusfonds haben eine feste Laufzeit, gegen Ende dieses Zeitraums – das können 20, 25 oder 30 Jahre sein – schichtet das Fondsmanagement schrittweise von Aktien in Anleihen um, um das Kapital und die angefallenen Kursgewinne zu sichern.

Mischfonds

Diese Fonds legen in Aktien und Anleihen an. Der Fondsmanager kann so in stagnierenden oder fallenden Märkten verzinsliche Wertpapiere übergewichten, bei steigenden Akteinkursen den Anlageschwerpunkt aber wieder verlagern. Das Ziel: einen höheren Ertrag als reine Rentenfonds zu erzielen und beim Risiko niedriger als bei einem Aktienfonds zu liegen. Der typische Aktienanteil liegt zwischen 30 und 70 Prozent – je nach Geschmack der Anleger.

Rentenfonds

Rentenfonds investieren ausschließlich oder überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen oder Länder- beziehungsweise Unternehmensanleihen. Da regelmäßig Erträge in Form von Zinszahlungen anfallen, bieten Rentenfonds in der Regel stetige Erträge.

Dann steigen Sie persönlich also schon wieder ein?

Nein, wir halten uns ebenfalls noch zurück. Zu viele politische Themen sind ungelöst. Kriegen wir die Schuldenkrise in den Griff? Was wird aus dem Euro? Wenn wir allerdings einsteigen, dann bevorzugt in amerikanische Aktien…

…aber auch die USA kriegen ihre Schulden nicht in den Griff.

Das stimmt natürlich. Doch wenn man sich die Unternehmen genauer anschaut, dann sind die sehr robust. Die USA werden als erste wieder aus der Krise herauskommen, auch wenn die Konjunkturdaten derzeit durchwachsen sind.

Die aufstrebenden Schwellenländer haben einen viel geringeren Verschuldungsgrad, wären sie nicht das bessere Investment?

Die Emerging Markets sind interessant, keine Frage. Aber auch ihre Börsen sind keine Einbahnstraße. Die Schwellenländer sind zwar eine treibende Kraft der Weltwirtschaft, aber auch dort ist das Rückschlagpotenzial groß. Langfristig werden wir hier zwar einen Boom sehen, aber kurzfristig können viele dunkele Wolken aufziehen.

Kommentare (9)

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Werner

29.11.2011, 18:00 Uhr

"Die wenigsten Profis schneiden aber besser ab als ihr Vergleichindex…

Ich halte nichts von diesen Vergleichen. Der Vergleichsindex als Benchmark ist für den Anleger irrelevant."

Putzig, der Herr Fondsverkäufer. Der Anleger kann den Vergleichsindex zu sehr niedrigen Kosten direkt kaufen und braucht daher keine teuren aktiv gemanagten Fonds, von denen 70% langfristig schlechter als der Vergleichsindex abschneiden. Kein Wunder, dass der Herr Fondsverkäufer sagt, er halte nichts von diesen Vergleichen. Schließlich schaden vergleichende und gut informierte Anleger dem Geschäft. Würden aktiv gemanagte Fonds besser als der Index abschneiden, hielte er sicher sehr viel von solchen Vergleichen und würde nicht müde, dieses schlagende Verkaufsargument gebetsmühlenartig zu wiederholen.

Steuerzahler

29.11.2011, 18:29 Uhr

Werner, natürlich können Sie den Index direkt kaufen und damit eine Menge Geld sparen – aber dann müssten Sie auf den albernen Fatzke mit dem roten Einstecktuch verzichten, der so überwältigend dummes Zeug daherredet.

Account gelöscht!

29.11.2011, 18:55 Uhr

Dieser Mann wirkt wie ein verängstigter Anlageberater ohne einen Plan.
Wie um gottes Willen hat dieser Mann diesen Job bekommen?

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