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01.12.2012

17:10 Uhr

Anlagestrategie

Rückenwind für China-Aktien

Der Weg für chinesische Aktien ist frei, ist Andreas Feiden überzeugt. Warum das so ist und welche Branchen besonders interessant sind, verrät der Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity in einem Gastbeitrag.

Ein Händler an der chinesischen Börse. Die Rahmenbedingung für 2013 sind solide. dpa

Ein Händler an der chinesischen Börse. Die Rahmenbedingung für 2013 sind solide.

Frankfurt.In den vergangenen drei Wochen haben sich die politischen Machverhältnisse in den beiden größten Volkswirtschaften der Welt für die nächsten Jahre geklärt. In den USA ist Präsident Barack Obama im Amt bestätigt worden und in China wurde zum Abschluss des 18. Parteitags der Kommunistischen Partei die Neubesetzung des Politbüros bestimmt. Damit wird kommenden März Xi Jinping als Staats- und Parteichef berufen und Li Keqiang als Premierminister zum zweitmächtigsten Mann des Staates, in dem etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt.

Aber geklärte Machtverhältnisse sind nicht gleich geklärte Marktverhältnisse, zumindest nicht gleichermaßen in beiden Ländern. Während die Zukunft der US-Wirtschaft wesentlich an einer erfolgreichen Umschiffung der Fiskalklippe hängt, sind die politischen Signale für die Märkte in China ziemlich eindeutig und positiv.

Andreas Feiden ist Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity.

Gerüchte über parteiinterne Machtkämpfe im Vorfeld des Parteitags hatten internationalen Investoren den Eindruck politischer Unsicherheit vermittelt. In China selbst warteten viele kommunale Behörden bei der Umsetzung wirtschaftspolitischer Maßnahmen aus dem aktuellen Fünfjahresplan erst einmal ab.

Das hat in diesem Jahr die Performance des chinesischen Aktienmarkts auch merklich gebremst. Nachdem nun alle Unklarheiten über den Führungswechsel beseitig sind, ist der Weg frei für Aktien. Der Markt hatte viele chinesische Unternehmen zuletzt unterschiedslos abgestraft. Aufgrund ihrer starken Fundamentaldaten und den selbst im Vergleich mit Aktien aus anderen aufstrebenden asiatischen Märkten sehr günstigen Bewertungen war das schon bisher nicht gerechtfertigt.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Der Ausblick für die chinesische Wirtschaft stimmt nun zuversichtlich, dass sich die Investorenstimmung 2013 den guten, soliden Rahmenbedingungen anpasst und viele Aktien mit nach oben zieht.

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