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15.01.2009

09:09 Uhr

Anlagevolumen ist kräftig geschrumpft

Hedge-Fonds sitzen auf hohen Barreserven

VonUdo Rettberg

Das Anlagevolumen der Hedge- Fonds-Branche ist im Jahr 2008 um mehr als eine Billion US-Dollar auf rund 1,8 Bill. geschrumpft, berichtet die Fachorganisation HedgeFund.net. Die Ursache für den Schrumpfungsprozess der Branche liegt je zur Hälfte in massiven Verlusten des von diesen Fonds verwalteten Vermögens und in Kapitalrückflüssen an Anteilseigner.

FRANKFURT. Aktuelle Zahlen des Weltmarktführers Man Group bestätigen diesen Trend. Denn auch diese britische Hedge-Fonds-Firma konnte sich im vierten Quartal 2008 den Turbulenzen der Finanzmärkte nicht entziehen, wie ein 21-prozentiger Rückgang des verwalteten Fondsvermögen auf nur noch 53,5 Mrd. US-Dollar zeigt.

Zahlreiche Hedge-Fonds-Manager sind vor dem Hintergrund der unsicheren Entwicklung der Aktien-, Devisen- und Rohstoffmärkten stark verunsichert. Auf diesem Grund haben sie in den vergangenen Wochen hohe Barreserven aufgebaut. Dies geschah nicht zuletzt im Vorfeld einer für Ende März 2009 drohenden neuen Kündigungswelle vonseiten der Fondsanteilseigner. Im Monat Dezember haben sich zahlreiche Hedge-Fonds mit Blick auf diesen drohenden Kapitalabfluss vorsorglich von Wertpapieren und Rohstoffen getrennt und so ihren Liquiditätsanteil aufgestockt. Die Branche habe den Aktienanteil am Gesamtvermögen gegenüber dem Vorjahr signifikant abgebaut, sagt David Kostin von Goldman Sachs in New York.

"Es ist interessant, zu beobachten, dass der Aktienanteil typischer Hedge-Fonds-Portfolios derzeit sogar gegen Null tendiert", ergänzt Roy G. Niederhoffer. Nach Meinung des New Yorker Hedge-Fonds-Managers liegt das größte Risiko für Anleger aktuell daher nicht mehr in einer weiteren Schwäche der globalen Aktienmärkte. Ganz im Gegenteil: "Das größte Risiko für Wertpapier-Portfolios ist darin zu sehen, nicht in Aktien investiert zu sein und einen möglichen Kursaufschwung zu verpassen", so Niederhoffer.

Grundsätzlich sei festzustellen, dass Hedge-Fonds für die Umsetzung ihrer oft komplexen Anlagestrategien - auch wegen der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe - derzeit kaum mehr auf Fremdkapital setzen. "Die Branche scheint sich für eine Rückkehr zu ihren Wurzeln entschlossen zu haben", sagt Andreas Benz, Gründer und Vorstandschef der Fondsgesellschaft Eucalyptus Invest in Zürich.

Die von Alfred Winslow Jones im Jahr 1949 entwickelte Grundidee zielte darauf ab, durch Investments auf beiden Seiten des Aktienmarktes - Kauf und Leerverkauf - stabile Renditen zu erzielen. Jones gelang es, das Risiko seiner Investments zu kontrollieren, indem er sich gegen Kursverluste absicherte. Aus der Idee, abgesichert ("hedge") zu investieren, entstand der Begriff "Hedge Funds".

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