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08.07.2012

16:01 Uhr

Anleger müssen zittern

Schiffbruch mit Schiffsfonds

Über 275.000 Deutsche müssen hohe Verluste fürchten, denn um viele ihrer Schiffsbeteiligungen ist es nicht gut bestellt. Das Problem: Als „Mitreeder“ sind sie nicht nur an den Gewinnen der Schiffe beteiligt.

Wie profitabel Schiffsfonds sind, hängt vor allem vom Reederei-Management der einzelnen Schiffe ab. dpa

Wie profitabel Schiffsfonds sind, hängt vor allem vom Reederei-Management der einzelnen Schiffe ab.

HamburgZigtausende Privatanleger mit geschlossenen Schiffsfonds im Depot steuern auf immense Verluste zu: Im Sog der weltweiten Krise steht ein Großteil der gut 1.430 Schiffsbeteiligungen vor dem Kentern. Wer zu den über 275.000 Deutschen zählt, die insgesamt gut 32,4 Milliarden Euro in Containerschiffe, Tanker oder Frachter investiert haben, müsse schlimmstenfalls den Totalverlust befürchten, warnt der Hamburger Rechtsanwalt Peter Hahn.

Das Ausmaß der finanziellen Schäden sei immens, die Lage brisant, sagt Hahn, einer der führenden Kapitalanlegerschützer. Viele Anleger ahnten noch gar nicht, dass ihnen ein Totalverlust droht.

„Die Schadenswelle wird jetzt so richtig anrollen“, befürchtet auch Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Sylvia Beckerle von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hält die Wahrscheinlichkeit für sehr hoch, dass zahlreiche Bürger angeschlagene Schiffsfonds im Depot haben, ohne es zu wissen.

Schiffsfonds

Beschreibung

Schiffsbeteiligungen sind geschlossene Fonds, zählen zum Grauen Kapitalmarkt und werden nicht staatlich überwacht. Der Anleger finanziert mit seiner Einlage die unterschiedlichsten Schiffstypen mit.

Rechtsform

Üblicherweise wird eine GmbH & Co. KG aufgelegt.

Anbieter

Die Fondsgesellschaft wird auch Emissionshaus genannt. Sie bietet über Banken oder über freie Vermittler Anlegern Anteile an dem Schiffsfonds an.

Geldkreislauf

Sobald genug Geld für ein oder mehrere Frachter gesammelt ist, wird der Fonds geschlossen. Die Schiffe werden an internationale Reedereien vermietet oder verchartert. Als das Geschäft mit Seetransporten noch brummte, war ein Großteil der Flotte in Asien unterwegs.

Risiko

Schiffe fahren nur dann Gewinn ein, wenn sie regelmäßig ausgelastet sind. Das setzt ein gutes Reederei-Management voraus. Niemand kann garantieren, dass ein Schiff auch Jahre später noch mit voller Auslastung auf den Weltmeeren fährt. Schlimmstenfalls geht das gesamte investierte Kapital verloren.

Große Fondshäuser

Die fünf großen Emissionshäuser im Bereich Schiffsfonds sind die MPC Capital, HCI Capital, Dr. Peters, Lloyd Fonds und König & Cie.

Früher galten die spekulativen Schiffsfonds wegen ihrer steuerlichen Vorteile als Geheimtipp für Spitzenverdiener. Seit 2005 sind die Abschreibungsmöglichkeiten aber stark eingeschränkt. Banken und Finanzvermittler begannen daraufhin, die riskante Geldanlage auch an unerfahrene Normalverdiener zu verkaufen.

Zwischen 2005 und 2007, also bis zur Finanzkrise, habe der Verkauf von geschlossenen Schiffsfonds über die Schalter von Sparkassen und Banken regelrecht geboomt, sagt Anwalt Hahn. „Davon wurden mehr vertrieben als offene Immobilienfonds.“ Renditen von bis zu zwölf Prozent und mehr klangen verlockend. Wer kräftig verdient hat, waren erst einmal die Verkäufer: Sie strichen oft um die acht Prozent des Anlegerkapitals als Provision ein.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.07.2012, 21:41 Uhr

Es hilft alles nichts, es läuft immer wieder auf dasselbe hinaus:

Unterschreibe nur, was Du gelesen hast und was Du verstehst !

Alles andere kann Dich Dein Vermögen, Deine Altersvorsorge und damit den Kopf kosten.

Das ist die brutale Realität.

werry

09.07.2012, 00:46 Uhr

Das ist unrealistisch. Dann bekäme man nicht einmal ein Girokonto. Allein da sind schon die Geschäftsbedingungen eine gute Nachtlektüre für Juristen.
Produkte mit relativ einfach überschaubaren Bedingungen haben außerdem so niedrige Zinsen, dass man es wohl keinem verdenken kann, etwas Anderes zu suchen. Ansonsten schwinden die Rücklagen allein durch die Differenz zwischen Zinsen und Inflationsrate rasant.

Jackinthebox

15.11.2012, 12:28 Uhr

Also ich bin auch Geschädigter, meine Gier trieb mich in den Wahnsinn. Nun ist halt die Bank schuld, dass ich so gierig war ! Wenn ich da nichts werde, dann bei der CDU ! Die SPD ist ja schon Schuld am miesen Sommer, vergleiche Carell, R., D 1977.

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